
Klimaökonom: Klimakrise ist Frage der Generationengerechtigkeit
Die Klimakrise ist mehr als nur ein technisch-ökonomisches oder politisches Problem: "Sie ist eine ethische Frage zwischen ärmeren und reicheren Menschen heute, aber auch zwischen der heutigen und der zukünftigen Generation". Darauf hat der Wiener Systemwissenschaftler und Ökonom Thomas Schinko hingewiesen. Schließlich würde eine fortschreitende Klimakrise die Lebenschancen nachfolgender Generationen massiv beeinträchtigen. Daher stimme er auch ganz mit der Analyse von Papst Franziskus in seiner Enzyklika "Laudato si'" (2015) überein und sehe die Notwendigkeit zu einem auch Religionen umfassenden Schulterschluss im Kampf gegen die Klimakrise, sagte Schinko in einer neuen Folge des Podcasts "Der Sozialkompass" der Katholischen Sozialakademie Österreichs (ksoe).
Dass der Klimawandel und dessen Folgen nicht nur die Menschen von heute, sondern auch jene, die künftig auf der Erde leben werden, betreffen, hätten gerade junge Menschen in den vergangenen Jahren durch die Fridays-For-Future-Bewegung sichtbar gemacht. Viele ihrer Forderungen seien eng mit Fragen der Gerechtigkeit verbunden gewesen. Mittlerweile habe die Bewegung allerdings und bedauerlicherweise einen Rückschlag erlebt, so Schinko: "Klimathemen erleben gerade einen extremen Backlash" - auch in den Medien seien sie nur mehr selten zu finden.
Gemeinschaftliches Handeln als Ausweg aus Ohnmacht und Frustration
Dennoch habe die Klimabewegung den richtigen Weg gewiesen, dass nur gemeinschaftliches Handeln aus der Krise führen könne, so Schinko weiter. Es gebe sehr wohl individuellen Handlungsspielraum, den man jenseits von Ohnmachts- und Frustrationserleben nutzen könne: "Wenn man gemeinschaftlich aktiv wird und damit kollektive Wirksamkeit erlebt - das ist das Wichtige."
Als wichtige klimapolitische Weichenstellung begrüßte Schinko, der als empirischer Ethiker, der am Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien forscht, außerdem den jüngsten UN-Beschluss von Ende Mai. Dieser betont die Verantwortung der Staaten für die Folgen der Klimakrise und nimmt die Länder des Globalen Nordens stärker in die Pflicht, ihre moralische Verantwortung für den Klimaschutz zu erfüllen. Dies sei vor allem in Bezug auf Klimagerechtigkeit eine wichtige Entscheidung, so Schinko.
"In der Klimakrise entstehen Konflikte gerade um jene Fragen, was Menschen und Gesellschaften als gerecht oder ungerecht empfinden", erklärte Schinko und verwies darauf, dass vielfach jene Regionen der Welt, die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben, am stärksten von dieser betroffen seien: "Der Globale Süden hat ganz andere Perspektiven auf die Klimakrise als der Globale Norden." Viele Länder Afrikas, Asiens und des Pazifiks würden die Folgen bereits heute unmittelbar erleben - durch Extremwetter, steigende Meeresspiegel oder den Verlust von Lebensgrundlagen.
(Der Podcast "Der Sozialkompass" kann über alle gängigen Podcast-Plattformen sowie über die ksoe-Website unter https://www.ksoe.at/podcast/158202/was-hat-klimapolitik-mit-gerechtigkeit-zu-tun-thomas-schinko nachgehört und abonniert werden)
Quelle: kathpress