
Wiener Rosenkranz-Rapper übersetzt Bibelverse in Sprache der Jugend
Den päpstlichen Segen für seinen "Rosenkranz-Rap" hat der Wiener Künstler "Freeman Vienna" bereits. Zusammen mit Bischof Hermann Glettler reiste Philipp Michalitsch Ende April in den Vatikan, um Papst Leo XIV. sein Projekt vorzustellen. "Mama Mary" heißt der Song, in dem er zusammen mit dem Priesterseminaristen Sebastian Cotroneo ("PietroPizzi") und Matthias "Maron" Haberler den "Siegreichen Rosenkranz" in Rap-Culture-Manier interpretiert, um die Bibelverse in die Lebenswelten von Jugendlichen zu holen. Doch der Rosenkranz-Rap ist mehr als ein Lied. Den Beat - man könnte auch sagen die "beads" (engl. Rosenkranzperlen) - will Freeman an Jugendliche weitergeben. Auf YouTube stehen sie in Instrumental-Version allen zur Verfügung, die sich selbst am Rosenkranz-Rap versuchen wollen.
"Jesus, der von den Mächtigen verspottet worden ist" (Lk 23,12) oder "Jesus, der mit den Sündern gegessen hat" (Mk 2,15) sind zwei der Geheimnisse des Rosenkranzes, die Jugendliche mit ihrer eigenen Lebenswelt verknüpfen können. Übersetzt bedeute das: "Gottes Liebe bleibt bestehen und ist stärker als Mobbing" und "Du musst nicht perfekt sein. Gott ist dein bester Bro, egal was", erzählt Michalitsch im Kathpress-Interview. Dafür könne er persönlich ein Zeugnis abgeben. Auch er habe sich oft unverstanden gefühlt und - in einem christlichen Haushalt aufgewachsen - Kirche oft mit Zwang verbunden.
"Watsche von Gott"
"Dass es Gott gibt und er allmächtig ist, habe ich nie angezweifelt, aber in meiner rebellischen Phase wollte ich mein Ding machen, und was der Priester gesagt hat, war für mich nicht per se Gesetz", so der Musiker. Zudem sei die Welt "ja auch laut. Da gibt es auch andere Strömungen, die mit dem konkurrieren, woran wir glauben." Nach vielen Irrwegen habe er schlussendlich eine "Watsche" von Gott bekommen - "und zwar eine, die gesessen hat". Danach sei für ihn nichts mehr gleich gewesen. Das Beten des Rosenkranzes habe ihm aus der Krise geholfen. Und nun wolle er das Gebet weitergeben. Die Musik sei perfekt dafür geeignet. Schirmherr des "Rosenkranz-Raps" ist im Übrigen der frühere Jugendbischof Stephan Turnovszky.
"Früher war ich ein Arschloch. Ich geb' es zu - und wenn mich wer rettete, dann warst das du. Was hier die meisten immer noch nicht verstehen: Gott liest man nicht in Büchern, Gott kann man sehen", heißen Zeilen seines Liedes "Holy Ghost". Genau das will "Freeman" den Jugendlichen mit dem Rosenkranz-Rap vermitteln - auch in der Firmbegleitung, bei seinen Workshops "Rap and Pray", die er in der Erzdiözese Wien abhält. So war es auch zuletzt in seiner Mitarbeit beim Verein "Kisi - God's singing Kids".
"Mehr als nur ein Fashion Piece"
"Die Kinder und Jugendlichen sollen sich mit Neugier, Kreativität und über Freiräume ihren Glauben erschließen und nicht unbedingt nach 'Schema'", erklärt der christliche Rapper. Für ihn sei die Bibel zunächst auch ein 2000 Jahre altes Buch gewesen, das schwer zu lesen war. "Beim Rosenkranz-Rap werden nicht die Rosenkranzgesätzchen gerappt, sondern der siegreiche Rosenkranz wird auf unser Leben draufgespielt." Die Zeilen "Mama Mary sing Dir ein Lied! Hammer Combi, weil Du mich liebst, führst Du mich zu deinem Sohn am Beat, Beat, Beat - Repeat!" sollten für die Jugendlichen mehr "relatable", also nachvollziehbarer sein, so Michalitsch. Es sind "59 Perlen und mehr als nur ein Fashion Piece", rappt Musikerkollege "Maron".
Es mag auch das besondere Aussehen des Künstlers sein, das Jugendliche anspricht: Seine "Bekehrung" ist auf seinem Körper tätowiert abzulesen. Wie "Maria Knotenlöserin" den Weg auf den Arm des Rappers fand, zeigt das Video zu "Mama Mary". Die Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes sind hebräisch auf seinen Händen und seinem Arm verewigt. Ebenso das Bild seines Namenspatrons, des heiligen Filippo Romolo Neri, dessen besonderes Anliegen die Jugendlichen waren, sowie betende Hände und Himmelschlüssel auf der Brust und die Evangelisten auf seinen Beinen. "Ein Priester kann sein Kollar ablegen, aber bei mir sieht man, was Sache ist. Ich krieg den Namen des Herrn nicht mehr weg", sagt Michalitsch - schmunzelnd auf seine Hände zeigend - im Kathpress-Interview.
Bischöflicher Segen mit Beatbox-Einlage
Seine Zeilen widmet Michalitsch Gott spätestens seit einem internationalen Battle-Rap im Jahr 2019 in Wien-Simmering, an einem "alles andere als christlichen Ort", so der Rapper. Damals riss sich der Künstler unbeabsichtigt seinen Rosenkranz vom Hals. "Der Moment war roh, ungeplant und symbolisch aufgeladen. Er wurde für mich zum Wendepunkt: Den darauffolgenden Erfolg habe ich Gott gewidmet."
Die Idee zum Rosenkranz-Rap stammt aber von dem damals 91-jährigen und mittlerweile verstorbenen Josef Pirmann, der über einen Artikel im Wiener "Sonntag" auf den Künstler aufmerksam wurde. Er rief Michalitsch an, als dieser gerade am Wallfahrtsort Fatima war. "Er hatte so ein Feuer für den Rosenkranz - ein so starkes Gebet, das viele Junge nicht kennen. Er bat mich, über die Musik Jugendliche dafür zu begeistern, ihn wieder zu beten."
Schon 2022 erklärte Michalitsch, mit seinem Rap beim Papst vorstellig werden zu wollen. Um zur Audienz geladen zu werden, brauchte es aber bischöfliche Empfehlungen. Die erhielt der Rapper vom Schirmherrn des Projekts "Rosenkranz-Rap", dem Wiener Weihbischof Turnovszky, dem Salzburger Erzbischof Franz Lackner, dem Salzburger Bischofsvikar Gerhard Viehhauser und dem Innsbrucker Bischof Glettler, zuständig für Kunst und Kultur in der Bischofskonferenz. Letzterer zeigte sich nach dem Papstbesuch "beatboxend" in einem Video mit dem Künstler auf Social Media. "Es hat mich echt tief beeindruckt, wie sehr er imstande war, den Spirit des Raps mitzunehmen", erzählt Michalitsch rückblickend.
Begegnung mit dem Papst
Am 29. April dieses Jahres war es dann so weit: "Ich habe dem Papst erzählt, dass ich christlichen Rap mache, der Jugendliche mit einer anderen Sprache erreichen will. Nach seinem zustimmenden Nicken bin ich auf die Knie gegangen, und er hat mich für meine Jugendarbeit gesegnet." Zuvor sei es "kurz peinlich" gewesen. "Ich kam bei Leo XIV. zu stehen, und mein Handywecker hat geläutet - eine Gebetserinnerung für meine Firmpatenkinder."
Segnen ließ der Rapper auch seinen Rosenkranz und mitgebrachte Rosenkranzperlen - "natürliche Rubinsteine, nicht gezüchtet", erklärt der Rapper, der seine Gebetsketten selbst knüpft. Seither trägt er die gesegneten Perlen um den Hals: einen siegreichen Rosenkranz, gefolgt von einer weißen Perle für die Begegnung mit dem Papst und einem Rosenkranz zum Heiligen Josef.
Der Papst höre seines Wissens nach eher Michael Bublé und Sound of Music. Im Protokoll habe es auch gelb unterstrichen geheißen, es sei nicht vorgesehen, den Rosenkranz-Rap vorzutragen, lacht Michalitsch. Sein Papstbesuch könne Jugendlichen aber jedenfalls als Inspiration dienen: "Mit neuer Musik kann man zum Kirchenoberhaupt kommen, wenn man nur fest daran glaubt." Nun träumt der Künstler davon, ein Rap-Rosenkranz-Konzert am Petersplatz zu geben.
Quelle: Kathpress