
St. Lambrecht begeht Stiftertag im Zeichen des 950-Jahr-Jubiläums
Mit einem feierlichen Stiftertag erinnert das Benediktinerstift St. Lambrecht am Dienstag, 16. Juni, an seinen Gründer Markward von Eppenstein, der laut Überlieferung an diesem Tag vor 950 Jahren verstorben ist. Der Gedenktag zählt seit Jahrhunderten zu den wichtigsten Terminen im Jahreskreis des Klosters. Im Jahr 2026 erhält er jedoch eine besondere Bedeutung: Das Stift begeht sein 950-jähriges Bestehen und lädt um 18 Uhr zu einem Festgottesdienst ein, der als einer der Höhepunkte des Jubiläumsprogramms gilt.
Den Gottesdienst in der barocken Stiftskirche leitet der Abtpräses der Österreichischen Benediktinerkongregation, Johannes Perkmann. Die musikalische Gestaltung übernimmt die Sängerrunde Pöllau. Wie jedes Jahr wird dabei nicht nur des Stifters gedacht, sondern auch aller verstorbenen Mitglieder des Geschlechts der Eppensteiner sowie jener Wohltäter und Förderer, die das Kloster über die Jahrhunderte getragen haben.
Gründung während des Investiturstreits
Die Wurzeln des Stiftes reichen in eine Zeit zurück, als die Obersteiermark noch weitgehend von Wäldern geprägt war. Als Gründer gilt Markward von Eppenstein, einer der bedeutendsten Vertreter jenes Adelsgeschlechts, das im Hochmittelalter zu den mächtigsten Familien im Südosten des Reiches zählte. Die Eppensteiner stellten Herzöge von Kärnten und Markgrafen der Kärntnermark und waren das erste einheimische Herzogsgeschlecht Kärntens. Ihr Name geht auf die Burg Eppenstein bei Obdach zurück, die eine wichtige Verkehrsverbindung über die Alpen kontrollierte.
Historische Forschungen zeigen, dass Markward bereits vor seinem Tod 1076 mit dem Aufbau eines Klosters im Tal der Mur begonnen hatte. Vollendet wurde die Gründung jedoch erst von seinem Sohn, Herzog Heinrich III. von Kärnten. Die politischen Konflikte des Investiturstreits verzögerten das Vorhaben über Jahrzehnte. Erst 1096 erhielt das Kloster eine kaiserliche Bestätigung, 1109 folgte die päpstliche Anerkennung. Das Jahr 1076 gilt dennoch als Gründungsjahr und bildet die Grundlage für das Jubiläum.
Geistlich-politisches Zentrum und Grablege
Von Anfang an war St. Lambrecht mehr als nur ein geistlicher Ort. Die Eppensteiner wollten hier ein religiöses Zentrum schaffen, das zugleich ihre Herrschaft absicherte und als Grablege der Familie diente. Tatsächlich entwickelte sich das Kloster rasch zu einem kulturellen, wirtschaftlichen und spirituellen Mittelpunkt der Region. Die Mönche erschlossen Land, förderten Landwirtschaft und Bildung und prägten das religiöse Leben weit über die Grenzen der heutigen Steiermark hinaus.
Die folgenden Jahrhunderte brachten Blütezeiten ebenso wie Krisen. Das Stift überstand politische Umbrüche, die josephinischen Reformen des 18. Jahrhunderts und die Vertreibung der Mönche während der NS-Zeit. Nach der Rückkehr des Konvents im Jahr 1946 begann ein neuer Abschnitt, in dem sich St. Lambrecht als geistliches Zentrum neu positionierte. Heute verbindet das Kloster benediktinische Tradition mit Bildungsarbeit, Kultur, Pilgerseelsorge und einem starken Engagement für Nachhaltigkeit.
Hören, Suchen und Wachsen
Unter dem Leitwort "Geist voll leben - seit 950 Jahren" steht daher das gesamte Jubiläumsjahr 2026. Abt Alfred Eichmann spricht von einem "Jahr des Hörens, Suchens und Wachsens", das Geschichte und Gegenwart miteinander verbinden soll. Neben Festgottesdiensten umfasst das Programm wissenschaftliche Symposien, Konzerte, Ausstellungen, Wallfahrten und die Neugestaltung des Stiftsmuseums.
Bereits einen Tag nach dem Stiftertag, am 17. Juni, setzt das Kloster seine Veranstaltungsreihe "Geschichte(n) erzählen" fort. Im Mittelpunkt steht diesmal der historische Stiftsgarten, dessen Entwicklung seit dem 17. Jahrhundert nachgezeichnet wird. Zugleich wird das Projekt "Domenico" vorgestellt, das soziale, ökologische, kulturelle und spirituelle Anliegen miteinander verbindet und damit beispielhaft für die heutige Ausrichtung des Klosters steht. (Infos: www.stift-stlambrecht.at)
Quelle: kathpress