
Mariazell: Gebet für Opfer und Angehörige des Grazer Amoklaufes
Mit einem Festgottesdienst in der Mariazeller Basilika ist Mittwochmittag die Sommervollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz zu Ende gegangen. Dem Gottesdienst stand der steirische Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl vor, der eingangs der Messe zum Gebet für die Opfer und Angehörigen des Grazer Amoklaufs vor genau einem Jahr aufrief. "Unsere Gedanken sind in unserer Landeshauptstadt, wo vor genau einem Jahr das Leben mehr oder weniger verstummt ist", so der Bischof wörtlich.
Neben den Mitgliedern der Bischofskonferenz feierten auch Kardinal Christoph Schönborn, emeritierter Erzbischof von Wien, der St. Pöltner Altbischof Klaus Küng und der Abt von Stift Lambrecht, Alfred Eichmann, den Gottesdienst mit. Das Benediktiner-Superiorat von Mariazell gehört zum Stift St. Lambrecht, das heuer sein 950-Jahr-Jubiläum begeht.
Christliche Botschaft als Alternative zur Logik der Mächtigen
In seiner Predigt stellte Bischof Krautwaschl die christliche Botschaft als Alternative zur Logik der Mächtigen in den Mittelpunkt. Viele Menschen seien angesichts der gegenwärtigen Krisen und Herausforderungen auf der Suche nach Orientierung und hofften auf Begleitung, die nicht in die Irre führt. Es sei kein Wunder, "dass so manche nicht ein und aus wissen und sich zurückziehen in ihre kleine Welt, reduziert auf ihre eigenen Kräfte und ihr persönliches Vermögen, anstatt die menschliche Begrenztheit anzunehmen". Gerade in solchen Zeiten brauche es die richtigen Wegweisungen, so Krautwaschl: "Diese finden wir bei Gott, der unser aller Herr ist." An dies zu erinnern, könne als eine der vornehmsten Aufgabe der Bischöfe bezeichnet werden, "gerade heute, wenn Mächtige meinen, sie seien nicht Diener der Völker, sondern die Herren der Welt, die ihre Macht ausleben können - koste es, was es wolle", so der Bischof.
Krautwaschl rief demgegenüber dazu auf, Gottes Größe anzuerkennen, "die auch die komplexesten Situationen Schritt für Schritt begehbar macht". Es gelte, nicht in den eigenen Blasen zu verharren, abgeschottet von den Anderen, "die mit uns im gemeinsamen Haus leben und von denen wir uns nicht entfernen dürfen, weil sie - so wie wir - Gott in sich tragen". Vorbild dafür sei die Mutter Gottes, "denn mittendrin in den Schwierigkeiten ihrer Zeit und ihres persönlichen Lebens hat sie unbeirrt das Vertrauen in Gott gelebt".
Gegen Polarisierung und Vereinfachungen
Der steirische Bischof verwies auf Papst Leo XIV., der dieser Tage am Beginn seines Spanien-Besuchs dazu aufgerufen hatte, die spaltenden und polarisierenden Darstellungen Ihrer gesellschaftlichen Realität und ihrer Geschichte hinter sich zu lassen, um von fruchtlosen Vereinfachungen zu einer fruchtbaren Anerkennung der Komplexität zu gelangen. Es gelte mit den Worten des Papstes, "die Vielschichtigkeit zu schätzen und zu ergründen, zu lernen, sie nicht zu leugnen und sie als Segen anzunehmen sowie "jenen identitären Ansätzen zu entfliehen, die alles zu erklären scheinen, aber die Welt mit Gespenstern und Feinden bevölkern". Klare Kriterien für die Unterscheidung seien etwa die Ausrichtung auf die Würde der Person, die allgemeine Bestimmung der Güter, die Option für die Armen, die Sorge für die Schöpfung und der Einsatz für den Frieden.
So wolle er hier in Mariazell einmal mehr die Einladung aussprechen, "unser Leben unter Mariens Schutz zu stellen, damit wir 'Ihm', unserem Gott, anhangen und nicht den Verführern, die uns die Welt einfach erklären wollen, die von vornherein alles besser wissen und der Versuchung erliegen, ihre eigenen Ideen an die Stelle des Gottvertrauens zu setzen", so Krautwaschl: "Wenn wir unter dem Schutzmantel Mariens eins sind, als eine Kirche mit unserem Papst und inmitten unserer pluralen Gesellschaft, dann werden wir unsere Identitäten als solche erfahren, die einzigartig sind, ohne abzugrenzen."
Quelle: Kathpress