
Ökumene: Kirchen in Oberösterreich betonen gemeinsamen Einsatz
Die christlichen Kirchen in Oberösterreich können bereits auf wichtige Schritte hin zu mehr Gemeinschaft und Zusammenarbeit zurückblicken, wollen sich damit aber nicht zufrieden geben. Das war der Tenor des Ökumene-Empfangs im Linzer Bischofshaus, zu dem Bischof Manfred Scheuer und die Linzer Sektion der Stiftung "Pro Oriente" am Mittwochabend geladen hatten. Sie konnten beim Empfang zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen in Oberösterreich begrüßen, darunter aus der Evangelischen, der Griechisch-, Rumänisch- und Serbisch-orthodoxen Kirche, von Baptisten sowie der Altkatholischen sowie der Neuapostolischen Kirche.
Gerade in den gegenwärtig schwierigen Zeiten sei es umso wichtiger, dass die Kirchen mit einer Stimme sprechen, sagte Pro-Oriente-Obmann Josef Pühringer. Das gelte im Großen wie im Kleinen. Pühringer erinnerte an die Begegnung von Papst Leo XIV. und dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. im vergangenen Jahr in Nicäa (Nizäa) und bezeichnete dies als "Sternstunde der Ökumene". Nicht weniger bedeutsam seien freilich die kleinen ökumenischen Schritte, "die in unseren Pfarren passieren". Es sei höchst erfreulich, dass das ökumenische Klima sich immer mehr verbessert habe, resümierte Pühringer. Besonders ausgeprägt sei dieses mit den evangelischen Christinnen und Christen, zunehmend würden aber auch die Beziehungen zu den orthodoxen Gläubigen wachsen.
Die Zahl der orthodoxen Christinnen und Christen im Land sei stetig im Wachsen. "Wir werden im Sinne von Kardinal Franz König, der Pro Oriente gegründet hat, die Brücken zu ihnen noch intensiver bauen müssen", zeigte sich Pühringer überzeugt. Ökumene beinhalte freilich eine Bring- und Holschuld, hielt der "Pro Oriente"-Obmann fest: "Da gibt es seitens der orthodoxen Mitchristen noch Luft nach oben und auch wir haben unsere Anstrengungen zu intensivieren".
Letztlich gehe es darum, "dass Orthodoxe, Evangelische, Katholiken und Angehörige anderer Kirchen nicht nur friedlich nebeneinander, sondern vor allem miteinander in unserem Land Kirche sind".
Desinformation und organisierte Lüge
Bischof Scheuer ortete in seinen Ausführungen Desinformation und organisierte Lüge als größte Gefahr der Gegenwart. Er verwies in diesem Zusammenhang auch auf die politische Philosophin Hannah Arendt (1906-1975). "Wenn jeder dich immerzu anlügt, dann ist die Folge nicht, dass du die Lügen glaubst", habe Arendt schon 1974 in einem Interview betont, "sondern vielmehr, dass keiner mehr irgendetwas glaubt." Ein Volk aber, das an nichts mehr glaubt, sei seiner Fähigkeiten zu denken und zu urteilen beraubt, letztlich seiner Kapazität zu handeln. Es fehle jedes Sensorium für Menschenwürde, Demokratie und es gebe auch keine Suche nach Wahrheit, warnte Scheuer. "Man kann gar nicht mehr erkennen, was böse ist. Man verliert den Blick für die List und Infamie des Bösen. Und es fehlt an positiver Kraft und am Geschmack für das Gute."
Wahrheit, so der Linzer Bischof weiter, sei ein Geschenk, das es miteinander zu teilen gelte. Es sei kein Besitz, den man für sich beansprucht. Diese Sichtweise befreie die Kirche auch vor der Versuchung, Formen ihrer Präsenz nachzutrauern, die auf Macht beruhten. Die Katholische Kirche verstehe sich heute als Partnerin im Dialog mit anderen Kirchen und Religionen und mit allen Menschen guten Willens im gemeinsamen Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung.
Scheuer verwies zudem auf Papst Leo XIV., der in seiner Sozialenzyklika "Magnifica humanitas" von einem "besorgniserregenden Verlust an historischem Gedächtnis" spricht. "Ohne eine lebendige Erinnerung an die Schrecken des Krieges besteht die Gefahr, dass politische Entscheidungen auf der Grundlage von Machtkalkülen getroffen werden, ohne Weitblick für die langfristigen Folgen", zitierte Scheuer aus dem vor wenigen Wochen veröffentlichten Lehrschreiben.
In diesem Zusammenhang erinnerte der Bischof auch an die Bauernkriege, die vor 400 Jahren Oberösterreich erschütterten, und derer heuer im Land vielfältig gedacht wird. Der Blick in die Geschichte der Reformation und Gegenreformation in Österreich sei für die Katholiken beschämend, so Scheuer. Es sei eine Geschichte von Kriegen, Vertreibung, Intoleranz, Verletzung und Ausgrenzung.
Rückenwind für Pro Oriente
"Pro Oriente"-Präsident Clemens Koja berichtete in seinem Grußwort von vielen Aktivitäten der Stiftung, in Wien wie etwa auch im Nahen Osten und in Südosteuropa. Das Projekt "Healing Memories" werde fortgeführt. Tagungen fanden zuletzt in Amman und in Belgrad statt, einige Veranstaltungen mussten wegen des Nahostkonflikts vorerst abgesagt werden. Im Juli findet in Klosterneuburg das nächste "Colloquium Syriacum" statt, das Theologen der Kirchen der syrischen Tradition zusammenbringt. Parallel dazu findet auch ein Treffen von Jugendlichen aus diesen Kirchen statt.
Sehr viel Unterstützung erfahre "Pro Oriente" vom neuen Vorsitzenden des Kuratoriums, dem Wiener Erzbischof Josef Grünwidl, so Koja weiter. Im Rahmen seiner ersten Privataudienz bei Leo XIV. habe Grünwidl auch dem Papst die Aktivitäten und Ziele der Stiftung näher gebracht, berichtete der "Pro Oriente"-Präsident.
Schließlich bedankte sich der langjährige Pro-Oriente-Generalsekretär Bernd Mussinghoff beim Ökumene-Empfang für die gute Zusammenarbeit mit der Linzer Sektion. Mussinghoff wird im Herbst als theologischer Referent in das Büro von Erzbischof Grünwidl wechseln.
Quelle: kathpress