
Wien: Viel Zuspruch für Ökumenischen Pride Prayer
Unter dem Motto "Atmen und Aufstehen" fand am Mittwochabend der diesjährige ökumenische Pride Prayer in der reformierten Stadtkirche Wien statt. Die Veranstalter luden "queere Menschen, Verbündete sowie alle Interessierten ein, gemeinsam Glauben, Hoffnung, Widerstandskraft und Gemeinschaft zu feiern". Pfarrer Gregor Jansen vom Leitungsteam der römisch-katholischen Regenbogenpastoral Österreich zeigte sich im Interview mit den Medien der Erzdiözese Wien im Anschluss sehr erfreut über den regen Zuspruch und die volle Kirche. "Die Kirche war gefüllt mit gutem Geist und vielen Menschen aus unterschiedlichsten Lebenssituationen", so Jansen.
Der Pride Prayer wird seit mehr als zehn Jahren im Rahmen der Vienna Pride in wechselnden evangelischen und katholischen Kirchen gefeiert und von evangelischen, katholischen, altkatholischen und freikirchlichen Akteurinnen und Akteuren gemeinsam gestaltet. Liturgie, Musik und Organisation werden dabei ökumenisch verantwortet. Ziel ist es nach Angaben der Veranstalter, kirchliche Räume als Orte der Sichtbarkeit, Stärkung und Begegnung für queere Menschen zu öffnen.
Jansen berichtete im Interview, dass er immer wieder von Teilnehmenden angesprochen werde, die ihm für diese Initiative dankten "und sich so auch mit der Kirche versöhnen können", denn leider komme es immer noch vor, dass queere Menschen in ihren Pfarren bzw. Kirchen keinen Platz finden.
Unter den Veranstaltern des Pride Prayer befinden sich u. a. der Verein EvanQueer, die römisch-katholische Regenbogenpastoral, die Altkatholische Kirche sowie die Metropolitan Community Church (MCC). Auch das ökumenische Vienna Christian Queer Network (VCQN) ist beteiligt, das seit 2025 kirchliche Angebote rund um die Vienna Pride organisiert. Eine ökumenische Gruppe nimmt auch jedes Jahr an der Vienna Pride teil. Auch Jansen ist immer mit dabei. Dabei würden die Mitglieder der Gruppe immer wieder positiv angesprochen, berichtete der Pfarrer. Die Menschen fänden es gut, "dass auch die Religionen vertreten sind und auch gläubige Menschen ein Zeichen für ein Miteinander setzen".
"Toleranz allein reicht nicht aus"
Die Obfrau des Vereins "Queer Glauben Wien", Claudia Marleen Schröder, hatte im Vorfeld des Pride Prayer gegenüber Kathpress betont, dass sich queere Christinnen und Christen mehr als bloße Duldung wünschten: "Toleranz allein reicht nicht aus."
Nötig seien Akzeptanz, sichtbare Unterstützung und sichere Räume für Gläubige unabhängig von sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität. Franz Harant, Leiter der katholischen Regenbogenpastoral Österreich, sah dies ähnlich. So seien Regenbogenfahnen an Kirchen oder die Teilnahme kirchlicher Gruppen an Pride-Veranstaltungen Ausdruck von Offenheit.
Für Harant sind die zunehmenden Aktivitäten kirchlicher Gruppen während des Pride Month ein wichtiges Signal. Gleichzeitig warnte er vor einem raueren gesellschaftlichen Klima. Hass und Hetze gegenüber LGBTIQ-Personen nähmen zu: "Rechtspolitische Parteien und rechtskatholische Kräfte trainieren die Öffentlichkeit gegen LGBTIQ* zu sein. Das ist unchristlich und widerspricht der Botschaft Jesu, dem es um Inklusion geht." Gerade deshalb brauche es eine Pastoral, die Menschen in ihrer Verschiedenheit wahrnehme, wertschätze und einbeziehe, so der katholische Seelsorger.
Quelle: kathpress