
Papst fordert Respekt und Schutz für Boots-Migranten
Mit eindringlichen Worten hat Papst Leo XIV. um Respekt für die Würde jener Menschen geworben, die auf dem Seeweg nach Europa flüchten. Am Hafen von Arguineguín in Mogán auf Gran Canaria sagte der Papst am Donnerstag: "Hier kommen so viele verwundete Menschenleben an, denen fast alles genommen wurde, aber niemals ihre Würde." Das Drama von Bootsflüchtlingen und Migranten müsse zu einer "Gewissensprüfung" werden - für Herkunfts- und Transitländer und insbesondere "für Europa, das nicht die Menschenwürde proklamieren kann und sich gleichzeitig daran gewöhnen darf, dass das Mittelmeer und der Atlantik zu Friedhöfen ohne Grabsteine werden", betonte der Papst, und weiter: "Die Menschenwürde hat keinen Reisepass und verliert ihren Wert beim Überqueren einer Grenze nicht."
"Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, Tote zu zählen", mahnte Leo XIV. in seiner Ansprache an dem auch als "Hafen der Schande" bekannt gewordenen Ort. Im Herbst 2020 hatten Tausende Bootsmigranten dort schutzlos auf einer Hafenmole ausharren müssen, bis ihnen notdürftig geholfen wurde. Leo XIV. warf einen Gedenkkranz ins Meer und segnete ein aus Holzfragmenten von Flüchtlingsbooten gefertigtes Kreuz.
In seiner emotionalen Ansprache rief Leo XIV. dazu auf, Migranten als konkrete Menschen zu sehen, die "Teil unserer Familie sind". Nachdrücklich dankte er allen, die sich an Rettungsaktionen, Aufnahme und Begleitung beteiligen. Auch die Kirche dürfe sich "weder von diesen Gewässern abwenden noch von irgendeinem Ort, an dem Hunger, Durst, Gewalt, Angst oder Exil weiterhin die Menschenwürde verletzen", so der Papst. Menschenhändler und mafiöse Organisationen, die Migranten ausbeuten, bezeichnete er wörtlich als "Ungeheuer". Sie versklavten Frauen und Kinder.
"Möge die Geschichte uns nicht vorwerfen, dass wir den Schmerz derer, die leiden, zu einem alltäglichen Anblick an unseren Küsten gemacht haben. Denn heute stellt uns hier am Ufer des Meeres jedes Leben, das ankommt, die Frage, was von unserer Menschlichkeit übrigbleibt. Früher oder später wird sich zeigen, ob wir diese Menschlichkeit zu bewahren wussten oder ob wir zuließen, dass die Gleichgültigkeit uns gelenkt hat", sagte der Papst.
"Legale und sichere Wege, Rettung und Hilfe"
Es reiche nicht aus, Ankünfte zu verwalten, Grenzen zu sichern oder Todesfälle zu beklagen. "Jedes Boot, das ankommt, bringt nicht nur Migranten mit sich; es bringt eine Frage mit sich: Welche Welt haben wir geschaffen, wenn so viele Brüder und Schwestern den Tod riskieren müssen, um Leben zu suchen?", sagte Leo. Die Menschenwürde erfordere "legale und sichere Wege, Rettung und Hilfe, echte Zusammenarbeit gegen Menschenhändler, wirksamen Opferschutz, ernsthafte Aufnahme- und Integrationsprozesse sowie politische Maßnahmen, die es jedem Menschen ermöglichen, in seiner Heimat in Würde zu leben".
Der Papst weiter: "So wie es das Recht gibt, Zuflucht zu suchen, wenn das Leben bedroht ist, gibt es auch das Recht, nicht auswandern zu müssen: das Recht, in der eigenen Heimat zu bleiben, ohne Hunger, ohne Krieg, ohne Verfolgung, ohne Gewalt, ohne dass das Land unbewohnbar wird, ohne dass Korruption den Armen das Brot raubt, ohne dass Waffen die Zukunft der Kinder zerstören."
Verneigung vor Würde der Migranten
Bei dem Treffen mit dem Papst gaben Mitarbeiter von Hilfsorganisationen wie der Caritas, aber auch Geflüchtete selbst Einblick in das Drama der Migration. Der Kapitän eines Schiffs der kanarischen Seenotrettung berichtete, er habe zusammen mit seinem Team in den vergangenen Jahren schätzungsweise mehr als 20.000 Menschen gerettet. "Diese Zahl schmerzt und bleibt im Gedächtnis", sagte der Mann. "Ich würde mir wünschen, dass wir nie wieder jemanden retten müssen. Lasst uns als Gesellschaft daran arbeiten, diese Tragödie zu verkleinern und eine gerechtere Welt zu schaffen", so der Kapitän.
Verlesen wurde auch der Bericht einer nigerianischen Frau, die Opfer von Menschenhandel und Missbrauch wurde, als sie versuchte, nach Europa zu gelangen. An sie richtete Papst Leo ein besonders Wort: "Auch wenn man dich wie einen Gegenstand behandelt hat, möchte die Kirche dir heute sagen: Du bist eine Tochter und eine Schwester, du bist ein Segen. Dein Leben gehört nicht denen, die dir Schaden zugefügt haben; dein Körper gehört nicht denen, die dich ausgenutzt haben."
Appell an Migranten
An die Adresse aller Migranten gewandt, sagte der Papst: "Ich möchte mich vor eurer Würde verneigen. Ihr seid keine Zahlen und keine Aktennummern. Ihr seid Menschen mit einer Familie und einem Zuhause, das ihr zurückgelassen habt; mit Träumen, die niemand das Recht hat, zu missachten. Aber ich möchte euch auch sagen, dass euer Leben geschützt werden muss. Überlasst eure Existenz nicht denen, die damit Handel treiben. Glaubt nicht denen, die euch ein leichtes Paradies im Tausch für euren Körper, euer Geld, euer Schweigen oder eure Freiheit versprechen. Diese falschen Versprechungen sind 'Sirenengesänge', sie sind Gewerbe des Todes."
Quelle: kathpress