
Steiermark: Diözese feiert 20 Jahre Palliativausbildung
Mehr als 600 Absolventinnen und Absolventen haben in den vergangenen 20 Jahren in der Steiermark einen Palliativ-Basislehrgang abgeschlossen, der darauf vorbereitet, Menschen mit schweren Erkrankungen und Sterbende sowie deren Angehörige in einer extrem schwierigen Zeit zu begleiten. "Der Mensch steht im Mittelpunkt und die Würde des Menschen - bis zu einem würdigen Ende. Das verbindet die Kirche und den Palliativlehrgang", würdigte der steirische Bischof Wilhelm Krautwaschl bei einem Festakt im Grazer Minoritensaal den Wert des Lehrgangs, der vom Katholischen Bildungswerk der Diözese Graz-Seckau in Kooperation mit der Universitären Palliativmedizinischen Einrichtung am LKH-Universitätsklinikum Graz veranstaltet wird.
In den späten 1990er Jahren wurde in Österreich mit dem Ausbau der Palliativversorgung begonnen. Anfang der 2000er Jahre folgten politischen Initiativen. Aus diesem Kontext entstand der Lehrgang "Interprofessioneller Palliativ-Basislehrgang", der sowohl die unantastbare Würde des Menschen und das Recht auf Bildung vereint, betonte Martina Platter, Geschäftsführerin des Katholischen Bildungswerks.
Die positiven und lebensverlängernden Auswirkungen der Palliativbegleitung hob der Festredner und frühere Palliativmediziner Gian Domenico Borasio hervor. Laut dem Mediziner sei belegt, dass eine frühzeitige Palliativpflege weniger Depressionen, eine höhere Lebensqualität und geringere Kosten verursache sowie weniger aggressive Therapien nötig mache.
Höhere Lebenserwartung als "Nebenwirkung"
"Als Nebenwirkung gibt es eine höhere Lebenserwartung", so Borasio. Es gebe dennoch viel Widerstand gegen die Palliativmedizin, weil "wirtschaftliche Interessen dadurch gestört sind". Mit Menschen am Lebensende werden Milliarden verdient und Palliativmedizin untergrabe dieses Geschäft. Als Eckpunkte der Palliativbetreuung nannte Borasio Hoffnung, Würde, Dankbarkeit, Lebenssinn und Spiritualität. "Die Lebensqualität steigt massiv durch Dankbarkeit und spirituelles Wachstum. Im Angesicht des Todes weiß man, worauf es ankommt", sagte er.
Der aktuelle "Interprofessionelle Palliativ-Basislehrgang" 2025/2026 umfasst 30 ECTS-Punkte mit einem Arbeitsaufwand von mehr als 700 Stunden, ergänzt durch ein Praktikum und eine Projektarbeit. Er richtet sich u. a. an Ärztinnen und Ärzte, Mitarbeitende der Gesundheits- und Krankenpflege, Seelsorgerinnen und Seelsorger, Psychologinnen und Psychologen sowie ehrenamtlich Tätige mit einschlägiger Erfahrung.
Beteiligt am Aufbau des Kurses waren der damalige Vorstand der Universitären Palliativmedizinischen Einrichtung, Hellmut Samonigg, und der langjährige Grazer Caritasdirektor Franz Küberl. 2006 startete der Lehrgang unter Führung der Caritas, seit 2021 ist er im Katholischen Bildungswerk der Diözese Graz-Seckau verankert. (Info: https://bildung.graz-seckau.at/einrichtung/202/ausundweiterbildungen/artikel_ausbildung/article/35530.html)
Quelle: kathpress