
Steirischer Generalvikar: "Die Pfarren sind bleibend wichtig"
Für den scheidenden steirischen Generalvikar Erich Linhardt hat sich das Modell der "Seelsorgeräume" bewährt, wie er im Bilanz-Interview mit dem steirischen "Sonntagsblatt" (Donnerstag) betont. Er sei sehr froh, so Linhardt, dass in der Diözese Graz-Seckau in seiner Amtszeit keine Pfarre aufgehoben wurde. Das Entscheidende der kirchlichen Tätigkeit "geschieht draußen in den Pfarren und in Begegnungen, die bleiben. Wir brauchen Menschen, die anderen begegnen, in jedem Menschen Jesus sehen und sie das auch spüren lassen!" Er sei immer offen gewesen für neue Ideen, aber er wüsste aktuell kein besseres Modell, so der Generalvikar: "Die Pfarren sind bleibend wichtig. Das Vor-Ort-verankert-Sein der Menschen darf nicht verloren gehen."
So sei er auch nach wie vor überzeugt, dass sich das Modell "Seelsorgeraum" für die Weitergabe des Evangeliums sehr eigne: "Denn das ist unser Maßstab - alles, was wir tun, hat der Verkündigung zu dienen." Es gebe auch Interesse aus anderen österreichischen Diözesen am steirischen Modell, berichtete Linhardt. Freilich: "Die Seelsorgeräume sind in ihrer Entwicklung unterschiedlich weit - und das ist klar, denn das ist neben dem Personal von vielen Faktoren abhängig."
Er vergleiche dies gern mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65), wo es mitunter auch lange dauerte, bis Konzilsbeschlüsse umgesetzt wurden. Linhardt: "Große Veränderungen brauchen ihre Zeit. Daher war ich immer sehr nachsichtig und langmütig - auch, weil Langmut eine wesentliche christliche Tugend ist -, und ich habe manches Zugeständnis gemacht und mit Kompromissen gearbeitet." Mit Zwang erreiche man nichts, "dadurch wird manchmal mehr kaputt". Neues müsse wachsen und brauche Zeit.
Linhardt hob im Rückblick die gute Zusammenarbeit mit Bischof Wilhelm Krautwaschl hervor und unterstrich, dass ihm ein gutes Arbeitsumfeld für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stets ein besonderes Anliegen gewesen sei: "Was wir als Kirche verkünden, müssen wir auch in diesem Haus leben. Und ich ärgere mich sehr, wenn ich höre, dass Vorgesetzte mit ihren Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern schlecht umgehen." Er habe immer appelliert, ihm Missstände zu melden, "denn als Generalvikar ist es meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es allen gut geht". Zugleich sei er keiner, der "drüberfährt". Auch in Konfliktgesprächen habe er sich immer Mühe gegeben, "einen guten Ton zu finden und niemanden zu verletzen".
Dass die Kirche Zukunft hat, steht für Linhardt außer Frage, "weil sie Gottes Werk ist, und er die letzte Kraft und Bestimmung darstellt". Mit anderen Worten: "Das, was wir als Kirche transportieren, ist großartig und wichtig." Er sei überzeugt, "dass das, was wir verkündigen, die einzige Möglichkeit der Veränderung des Menschen und der Welt zum Guten ist. Es gibt für mich -plakativ gesagt - keinen anderen Fortschritt als die Gottesbeziehung. Weil sie den Menschen im Inneren verändert und dadurch dem Guten zum Durchbruch verhilft. Das letzte Wort hat Gott, und das ist das Wort des Lebens und der Liebe."
Aufgrund dieser Überzeugung könnten ihm auch negative Nachrichten nicht den Boden wegreißen: "Das, was politische Verantwortungsträger heute zum Teil anrichten, haben zum Beispiel die römischen Kaiser auch schon gemacht: Dem anderen etwas wegnehmen, immer mehr haben wollen, der Chef sein wollen (...) das liegt in dem von der Ursünde geprägten menschlichen Sein. Der Mensch will sein wie Gott. Aber er scheitert immer wieder. Das Einzige, was wirklich etwas verändert, ist die Gottesbeziehung, die mein Herz verändert", so der Generalvikar abschließend. Nachsatz: "Dass das Gute stärker als das Schlechte ist, kann man im Kleinen üben."
Neuordnung der Diözesanleitung
Erich Linhardt (69) ist seit September 2015 Generalvikar der Diözese Graz-Seckau. Ende August wird er emeritieren. Sein Nachfolger als Generalvikar wird ab 1. September Weihbischof Johannes Freitag, der wiederum von Lukas Grangl als Diözesandirektor für Ressourcen, Steuerung und Organisation unterstützt werden wird. Beide werden das Generalvikariat mit gemeinsamer Verantwortung leiten. Linhardt wird als Bischofsvikar für Caritas weiter im Dienst der Diözese tätig sein.
Quelle: kathpress