
Orden an Ministerin: Forderung nach Erhalt von Auslandsfreiwilligendiensten
Die Österreichische Ordenskonferenz hat Bundesministerin Claudia Bauer (ÖVP) zum Erhalt von Auslandsfreiwilligendiensten als Zivildienstersatz aufgefordert. In einem am Donnerstag veröffentlichten offenen Brief warnen die Ordensgemeinschaften vor einer Schwächung der Programme und widersprechen damit den Überlegungen der Ministerin, die Anrechnung solcher Dienste abzuschaffen. Auslandseinsätze seien ein "wichtiger Beitrag für die Gesellschaft, auch in Österreich", betonte die Ordenskonferenz-Vorsitzende Sr. Franziska Madl sowie die Bereichsleiterin Mission und Soziales, Sr. Anneliese Herzig. Auslandsfreiwilligendienste stärkten "Resilienz und Konfliktfähigkeit" und seien keine "Einsätze light" oder Möglichkeit, einem Dienst in Österreich auszuweichen.
"Deshalb setzen sich die beteiligten Organisationen zusammen mit der Österreichischen Ordenskonferenz und anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren dafür ein, dass die Möglichkeit, den Ersatzdienst im Ausland zu leisten, beibehalten wird und allgemein die Auslandseinsätze junger Menschen im Ausland weiterhin die Wertschätzung erfahren, die ihnen zukommt", heißt es wörtlich in dem offenen Brief, der auf der Website der Ordenskonferenz veröffentlicht wurde.
Anlass sind Aussagen Bauers in einem Kathpress-Interview Anfang Mai. Die ÖVP-Ministerin hatte angesichts eines erwarteten Mangels an Zivildienstleistenden die Anrechnung von Auslandsfreiwilligendiensten als Ersatz für den Zivildienst infrage gestellt. Laut Bauer ist die Zahl in den vergangenen Jahren um das 15-fache gestiegen. "Das mögen zwar super Erfahrungen sein, wenn man Kinderbetreuung in Indien oder Wiederbewaldung in Costa Rica betreibt. Aber diese Burschen werden dringender in Österreich gebraucht und deswegen stelle ich die Anrechnung hier deutlich infrage", so die Ministerin mit Verweis auf die Lücke bei Zivildienern bei den rund 1.500 unterschiedlichen Zivildiensteinrichtungen in Österreich. Weiters gehe es bei diesen Freiwilligendiensten "nicht primär um stärkere Resilienz oder zivile Landesverteidigung".
Orden betonen Nutzen für Österreich
Dem hielt die Ordenskonferenz dagegen, dass längere Auslandseinsätze jungen Menschen Erfahrungen mit kultureller Vielfalt, globalen Zusammenhängen und sozialen Herausforderungen vermitteln würden. Junge Menschen würden lernen, "mit Diversität und kulturellen Unterschieden zu leben", Einblicke in die Lebensrealitäten des Globalen Südens gewinnen und Erfahrungen im Bildungs-, Sozial- und Umweltbereich sammeln. "Nicht zuletzt sind diese jungen Menschen herausgefordert, selbst 'Fremde' zu sein und mit vollkommen anderen, auch unkomfortablen und konfliktiven Gegebenheiten zurechtzukommen."
Die dabei erworbenen Fähigkeiten seien für das gesellschaftliche Leben in Österreich von Bedeutung. Es könnten Fähigkeiten erworben werden, "die für das Leben einer Demokratie entscheidend sind", da diese von der Solidarität und vom Engagement der Bürger und Bürgerinnen lebe. Und weiter: "Die Erweiterung des Horizonts kann aktiv zum weltweiten Zusammenhalt und damit zur Friedenssicherung beitragen."
Die Unterzeichner verweisen zudem auf Beiträge zur Demokratiebildung, zum gesellschaftlichen Engagement und zur Friedensförderung. Auslandsfreiwilligendienste könnten somit "aktiv zum weltweiten Zusammenhalt und damit zur Friedenssicherung beitragen", heißt es in dem Schreiben.
Zugleich gäbe es langfristige Effekte für den österreichischen Arbeitsmarkt: Ähnlich wie beim Freiwilligen Sozialen Jahr oder beim Zivildienst würden internationale Freiwilligendienste nicht selten dazu motivieren, später einen sozialen Beruf zu ergreifen.
Kritik von Militärbischof und Hilfswerk
Mit ihrem Brief schließen sich die Orden anderen kirchlichen und entwicklungspolitischen Akteuren an. Bereits Anfang Mai hatte die Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt vor einer Abschaffung der Regelung gewarnt. Eine solche würde "nicht nur Engagement-Möglichkeiten junger Männer einschränken, sondern auch Österreich nachhaltig schaden", erklärte Geschäftsführer Reinhard Heiserer. Viele Rückkehrer würden anschließend Studien oder Berufe im Sozial- und Bildungsbereich wählen.
Auch Militärbischof Werner Freistetter sprach sich zuletzt gegen eine Einschränkung aus. Der Personalmangel in Pflege- und Sozialeinrichtungen sei zwar "akut und real", sagte er Mitte Juni im Kathpress-Interview. Die Rahmenbedingungen für den Inlandszivildienst müssten aber so verbessert werden, dass Lücken geschlossen würden, "ohne die globale Solidarität zu opfern". Österreich solle weiterhin einen "wesentlichen Beitrag zur globalen Solidarität" leisten können.
Quelle: kathpress