
Scheuer: Qualitativer Journalismus wesentlich für Demokratie
Ein Plädoyer für einen "qualitativ hochwertigen Journalismus hat der Linzer Bischof Manfred Scheuer abgelegt. Ein solcher Journalismus sei ein westlicher Pfeiler der Demokratie, sagte der Bischof am Mittwochabend beim traditionellen Medienempfang der Diözese Linz, zu dem er in den Bischofsgarten geladen hatte. Zahlreiche Medienschaffende aus Oberösterreich und darüber hinaus waren der Einladung des Bischofs nach Linz gefolgt.
Scheuer zitierte in seiner Ansprache aus einer Studie der Rundfunk- und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) aus dem Jahr 2025, der zufolge rund 54 Prozent der Befragten ein eher geringes oder gar kein Vertrauen in österreichische Nachrichtenmedien zeigten, wohingegen 46 Prozent Vertrauen äußern. "Das Vertrauen ist damit gesellschaftlich verankert, bleibt aber insgesamt fragil", so der Bischof, der von einer "Krise des Journalismus" sprach, die die digitale Transformation samt KI mit sich bringe.
Wahrheit ist Gemeingut
Scheuer: "Es ist Realität, dass die Abonnentenzahlen zurückgehen, in Redaktionen gespart wird, digitale Plattformen einfache Wahrheiten für sich beanspruchen. Diese Plattformen meinen, eine Deutungshoheit über die Welt zu haben." Der Bischof zitierte in diesem Zusammenhang den Journalisten Fritz Jergitsch: "Soziale Medien zersetzen unsere gemeinsame Definition der Realität und damit die Grundlage der Entscheidungsfindung."
Papst Leo XIV. weise in seiner Enzyklika "Magnifica Humanitas" darauf hin, dass die Suche nach der Wahrheit ein wesentlicher Bestandteil der Demokratie sei, betonte der Bischof. "Wenn die Frage nach dem, was wahr ist, ihre Bedeutung verliert und an ihre Stelle ein Pragmatismus tritt, der sich mit dem begnügt, was nützlich oder wirksam zu sein scheint, wird das demokratische Leben schwächer. Denn es lebt nicht nur von Regeln und Verfahren, sondern vor allem von einer redlichen Beziehung zu den Fakten und einer realen Ausrichtung auf das Wohl des Einzelnen und des sozialen Ganzen", zitierte Scheuer den Papst.
Es gehe nicht darum, die KI zu verteufeln oder zu vergöttern, sondern darum, sie zu entwaffnen, denn, so der Papst in seiner Enzyklika: "Die Wahrheit ist ein Gemeingut und nicht das Eigentum derer, die Macht oder Sichtbarkeit besitzen." Es brauche eine "Ökologie der Kommunikation", die unter anderem seriösen Journalismus und Orte des Austauschs erfordere, an denen Argumentation und Überprüfung mehr zählten als die unmittelbare Reaktion.
Deuter der Wirklichkeit und Säule der Demokratie
Die Medien würdigte Bischof Scheuer als Deuter der Wirklichkeit und des politischen und gesellschaftlichen Geschehens sowie als wesentlichen Pfeiler der liberalen Demokratie. "Sie stehen in Beziehung zu den Menschen hier in Oberösterreich und sind unverzichtbare Vermittlungsinstanzen. Sie eröffnen den Menschen Zugänge zur gesellschaftlichen Teilhabe und zum demokratischen Diskurs. Daraus ergibt sich die Unverzichtbarkeit Ihrer Tätigkeit."
Das Vakuum, das eine Gesellschaft erfahren würde, die über keinen unabhängigen, redlichen und qualitativen Journalismus verfügt, würde sie zersetzen, zeigte sich der Bischof überzeugt: "Wahrheit ist nicht auf Knopfdruck zu haben, die Suche danach muss freilich dem Druck auf schnelle Antworten und Bewertungen standhalten. Das ist oft schwer auszuhalten. Aber ich hoffe sehr, dass es uns gelingen wird, eine Kommunikation, die der Wahrheitssuche dient, weiter zu fördern, zu stabilisieren und zu stärken."
Die Kirche werde sich in diesen Diskurs einbringen, so Bischof Scheuer, der den Medienschaffenden für ihre Wahrheitssuche, für ihre Arbeit im Dienst der Menschen und für die mediale Begleitung kirchlicher Themen dankte.
Quelle: kathpress