
Wien: Erstes Mutter-Kind-Haus Österreichs für haftentlassene Frauen
In Wien wurde am Donnerstag das erste Mutter-Kind-Haus Österreichs für haftentlassene Frauen eröffnet. Dabei handelt es sich um das Mutter-Kind-Haus Justitia Collegialität der St. Elisabeth-Stiftung der Erzdiözese Wien. Die feierliche Eröffnung nahmen Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ), der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl und die St.-Elisabeth-Stiftung-Geschäftsführerin Nicole Meissner gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Justiz, Sozialarbeit und Zivilgesellschaft vor. Das Projekt in der Burggasse im siebten Bezirk bietet haftentlassenen Müttern mit ihren Kindern Wohn- und Unterstützungsangebote, um nach der Haft ein selbstbestimmtes und sicheres Leben führen zu können. Auch Frauen, die allein leben, steht das Mutter-Kind-Haus offen.
Justizministerin Sporrer unterstrich bei der Eröffnung die Bedeutung des Hauses für die erfolgreiche Resozialisierung der Bewohnerinnen: "Mit dieser Einrichtung schaffen wir einen sicheren Raum, in dem Frauen nach ihrer Haftentlassung neu anfangen können. Hier bieten wir ihnen die entscheidenden Voraussetzungen für einen gelungenen Übergang in ein selbstbestimmtes Leben: stabile Wohnverhältnisse, gezielte Unterstützung und die Stärkung familiärer Bindungen." Damit leiste man nicht nur einen wichtigen Beitrag für die Zukunft der betroffenen Frauen und ihrer Kinder, "sondern auch für die Sicherheit unserer gesamten Gesellschaft, weil erfolgreiche Resozialisierung Rückfälle verhindert", sagte Sporrer.
Erzbischof Grünwidl segnete das neue Projekt und erklärte: "Es ist unsere Kernaufgabe als Kirche, Menschen am Rand unserer Gesellschaft zu begleiten und ihnen zu zeigen: Wichtiger als deine Vergangenheit ist deine Zukunft. Genau das möchten wir in diesem Mutter-Kind-Haus für haftentlassene Mütter und ihre Kinder ermöglichen."
Das Mutter-Kind-Haus wirke weit in die Gesellschaft hinein, sagte Nicole Meissner von der St. Elisabeth-Stiftung: "Mit dem Mutter-Kind-Haus Justitia Collegialität schaffen wir einen Ort der Sicherheit, Orientierung und Zuversicht - einen Ort, an dem Frauen und ihre Kinder Halt finden, neue Perspektiven entwickeln und die Chance auf einen selbstbestimmten Neuanfang erhalten. Was hier im Kleinen beginnt, wirkt weit in unsere Gesellschaft hinein."
Projekt für vulnerable Zielgruppe
Frauen machen laut Justizministerium zwar nur 6,89 Prozent der Insassinnen und Insassen in österreichischen Justizanstalten aus, doch nach der Haft stehen sie vor besonders komplexen Herausforderungen: Wohnungslosigkeit, Obsorgefragen, gesundheitliche Belastungen und die Integration in den Arbeitsmarkt. Im neuen Mutter-Kind-Haus gibt es 15 Wohneinheiten für haftentlassene Frauen mit ein bis drei Kindern. Es gibt eine intensive, interdisziplinäre Betreuung in den Bereichen Sozialarbeit, Sozialpädagogik und Psychotherapie, Arbeitsintegration durch Berufsorientierung, Bewerbungstraining und AMS-Vermittlung. Dazu kommen Bildungs- und Freizeitangebote für Mütter und Kinder. Insgesamt sollen dadurch auch Kindesabnahmen und kriminelle Rückfälle vermieden werden.
Hinter dem Haus stehen Engagement und finanzielle Unterstützung durch die Erzdiözese Wien, das Bundesministeriums für Justiz und die Privatstiftung Collegialität.
Die St. Elisabeth-Stiftung der Erzdiözese Wien unterstützt schwangere Frauen, wohnungslose alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern und Familien in schwierigen Lebenssituationen sowie obdachlose Menschen. Das vielseitige Angebot der Stiftung umfasst einen Beratungsbereich mit einer Familien-, Rechts- und Schwangerenberatungsstelle sowie einem psychotherapeutischen Angebot, einen Wohnbereich mit fünf Mutter-Kind-Einrichtungen und einem eigenen sozialpädagogischen Team sowie Startwohnungen. Direkte Hilfe bietet die Stiftung auch über das Sachspendenlager an.
Das Mobil betreute Wohnen ermöglicht ein weitgehend selbstständiges Wohnen mit bedarfsorientierter Begleitung. Mit dem Sozialen Wohnungsmanagement können Wohnungen an obdachlose Menschen vermittelt werden. Ebenso bietet die Stiftung einen Arbeitsintegrationsbereich an, zu welchem die Web- und Kreativwerkstatt, klassische Arbeitsintegration, Mamas Werkstatt sowie Mamas Café gehören.
Die St. Elisabeth-Stiftung führt das Österreichische Spendengütesiegel, Spenden sind steuerlich absetzbar (Spendenkonto: IBAN: AT30 1919 0000 0016 680).
(Infos: www.elisabethstiftung.at)
Quelle: kathpress