
Katholische Frauenbewegung: Taufberufung kennt kein Geschlecht
Die Katholische Frauenbewegung Österreichs (kfbö) hat am Hochfest der Apostel Petrus und Paulus (29. Juni) an die Gleichheit aller Christinnen und Christen in der Taufe erinnert. Berufung und kirchliche Teilhabe seien unabhängig von Herkunft, Stand und Geschlecht zu verstehen, hieß es in einer Stellungnahme am Montag. "Die Taufe macht uns gleich, nicht irgendwann, nicht in einer fernen Kirche der Zukunft, sondern jetzt. Die Taufe begründet die aktive Teilhabe und Mitverantwortung aller. Die Mitgestaltung durch Laien ist keine progressive Forderung, sondern Lehre der Kirche", wurde darin die kfbö-Vorsitzende Angelika Ritter-Grepl zitiert.
Bezug nahm die Frauenorganisation dabei auf den Paulus-Brief an die Galater (Gal 3,28), in dem es heißt: "Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus." Dieser Vers, so die kfbö, sei die "ekklesiologische Grundlage einer synodalen Kirche". Betont wird in der Stellungnahme zudem die Bedeutung unterschiedlicher kirchlicher Charismen unabhängig von biologischen Merkmalen. Das Fest der Apostel Petrus und Paulus stehe für Struktur, Amt und Kontinuität einerseits sowie Charisma, Sendung und Gleichheit im Geist andererseits, wobei es die Kirche bloß kleiner statt heiliger machen würde, vernachlässige man das "paulinische Erbe".
Ritter-Grepl verwies auf den hohen Anteil von Frauen in der pfarrlichen Arbeit in Österreich. Rund 90 Prozent der kirchlichen Tätigkeit in Pfarren werde von Laien getragen, der überwiegende Teil davon von Frauen in Funktionen wie Lektorinnen, Kommunionspenderinnen, Katechetinnen oder als Pfarrgemeinderätinnen. "Wenn morgen alle Frauen aus Österreichs Pfarren wegbleiben, bricht die Kirche zusammen. Das ist keine Übertreibung, das ist der Alltag, den wir kennen. Es ist Zeit, diesen Alltag zu benennen, zu würdigen und die strukturellen Konsequenzen daraus zu ziehen", so Ritter-Grepl.
Was die internationale Ebene betrifft, verwies die kfbö auf die Unterstützung von Frauenprojekten in Tansania, Indien, auf den Philippinen und in Lateinamerika im Rahmen ihrer Aktion Familienfasttag (teilen.at). Frauen übernähmen dort vielfach Leitungs- und Organisationsaufgaben in ihren Gemeinden. Auch hier bestätige sich "Was Paulus lehrte, leben Frauen seit Jahrzehnten: Sie organisieren, leiten, schützen und begleiten, aus personaler Berufung, auch gegen kirchliche Widerstände." Die kfbö stehe "solidarisch an ihrer Seite. Denn ihre Berufung und unsere Berufung kommen aus derselben Quelle", so Ritter-Grepl. (Info: www.kfboe.at)
Quelle: kathpress