
Sonntagsöffnung: Sonntagsallianz kritisiert Vorarlberger Lockerung
Die Allianz für den freien Sonntag Österreich (Sonntagsallianz) hat die geplante Ausweitung der Sonntagsöffnung für kleine Nahversorger in Vorarlberg scharf kritisiert. Die Lockerung für personallos betriebene oder ausschließlich von Inhabern geführte Lebensmittelgeschäfte in ausgewählten Gemeinden sei "ein Schritt in die falsche Richtung" und untergrabe den Schutz des arbeitsfreien Sonntags, auch wenn es als "Ausnahme" bezeichnet werde, erklärte der gewerkschaftliche Sprecher der Sonntagsallianz, Philipp Kuhlmann, am Mittwoch in einer Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur Kathpress.
Hintergrund ist die am Dienstag in Vorarlberg beschlossene Sonntagsöffnung für kleine Nahversorger. Diese sollen unter bestimmten Bedingungen ab Juli an Sonn- und Feiertagen von 7 bis 18 Uhr öffnen dürfen; so muss etwa der Inhaber selbst im Laden stehen und die Verkaufsfläche darf nicht größer sein als 400 Quadratmeter. Mit der Regelung wolle die Landesregierung die Dorfläden im ländlichen Raum unterstützen, hieß es. Profitieren sollen 65 Gemeinden, in denen es maximal ein Lebensmittelgeschäft gibt. Für alle anderen Verkaufsstellen bleibt die bisherige Regelung bestehen: Sie dürfen an Sonn- und Feiertagen Waren des täglichen Bedarfs maximal zwei Stunden zwischen 7 und 12 Uhr verkaufen.
Kuhlmann wies auch das Argument zurück, wonach automatisierte Selbstbedienungsläden anders zu bewerten seien als herkömmliche Geschäfte. "Es macht keinen Unterschied, ob die Konkurrenz für zivilgesellschaftliches Engagement, kulturelle, sportliche oder religiöse Aktivitäten von Geschäften mit oder ohne Personal ausgeht", erklärte der gewerkschaftliche Sprecher der Sonntagsallianz. Auch automatisierte Verkaufsstellen verursachten Aufwand, etwa weil "irgendwer am Ende ja doch bei Störungen ausrücken, die Geschäfte überwachen" müsse.
Weiters verwies die Sonntagsallianz auf negative Beispiele aus Deutschland und anderen Bundesländern. Von dort kenne man "die Begleiterscheinungen wie Müll, Vandalismus und zusätzliches Verkehrsaufkommen". Die Digitalisierung ändere nichts daran, "dass gemeinsame freie Zeit für möglichst viele Menschen einen unverzichtbaren Wert für die gesamte Gesellschaft darstellt".
Kritik übte der Sprecher auch an der marktwirtschaftlichen Argumentation für längere Öffnungszeiten. "Wer glaubt, der Markt würde das schon regeln, übersieht, dass dem Markt die Menschen egal sind." Die nun vorgesehene Ausnahme schaffe "schädliche Lücken im Schutz des arbeitsfreien Sonntags".
Kritik kam auch seitens des ÖGB Vorarlberg. Landesvorsitzender Reinhard Stemmer sprach von einem "gefährlichen Dammbruch und einem klaren Angriff auf den arbeitsfreien Sonntag". Auch die Gewerkschaft GPA, in der die Mitarbeitenden im Handel organisiert sind, kritisierte die geplante Ausweitung der Sonntagsöffnung für Lebensmittelgeschäfte, da damit auch der Druck auf die Beschäftigten steige.
Neben Kirchen und kirchlichen Organisationen - unter ihnen die Katholische Aktion Österreich - sind auch der ÖGB und die Arbeiterkammer Mitglieder der Sonntagsallianz. (Infos: www.freiersonntag.at)
Quelle: kathpress