
Südwind fordert Maßnahmenplan gegen Fast Fashion
Der entwicklungspolitische Verein Südwind fordert strengere Vorschriften für den Export gebrauchter Kleidung aus Europa. Laut einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht über den Secondhand-Sektor in Uganda gelangen jährlich bis zu 100.000 Tonnen Altkleidung aus dem Globalen Norden nach Uganda, rund 40 Prozent davon seien nicht wiederverwendbar und würden als Abfall anfallen. Nach Angaben von Südwind entspricht dies dem Ladevolumen von rund 2.000 Lkw. "Mit unserer alten Kleidung exportieren wir nicht zuletzt massive Umwelt- und Sozialprobleme", kritisierte Südwind-Expertin Lena Gruber in einer Aussendung. Laut der Studie sollen zwischen 700.000 und indirekt bis zu fünf Millionen Menschen in dem Secondhand-Sektor arbeiten; davon hätten viele weder Arbeitsverträge noch soziale Absicherung.
"Der globale Secondhand-Markt ist bei weitem kein nachhaltiger Kreislauf. Die Arbeiterinnen und Arbeiter in Ugandas Secondhand-Sektor zahlen den Preis für unseren Fast-Fashion-Konsum", mahnte die Südwind-Sprecherin für Mode-Lieferketten. Und weiter: "Gemäß dem Prinzip 'Aus den Augen aus dem Sinn' werden Europas Müllprobleme auf den Globalen Süden abgewälzt (...)." Das Fast-Fashion-System habe den Secondhand-Handel damit zu "einer Müllfalle für den Globalen Süden gemacht".
Dringend nötig sei daher, dass künftig nur wiederverwendbare Kleidung exportiert werden dürfe, so Südwind. Zudem seien größere Sortierkapazitäten in den Herkunftsländern, strengere Exportkontrollen sowie Sanktionen bei Falschdeklarationen erforderlich. Überdies plädierte der Verein für Maßnahmen gegen die Überproduktion von Kleidung, darunter Abgaben auf Billigmode sowie eine stärkere Herstellerverantwortung über den gesamten Lebenszyklus von Textilien.
Soziale und ökologische Krise
"Unter den Bergen an Altkleidern, die nach Uganda kommen, verbirgt sich eine tiefe soziale und ökologische Krise", so die Autorin des Berichts, die ugandische Gewerkschafterin und Forscherin Faith Irene Lanyero. "Hunderttausende Arbeiterinnen und Arbeiter schuften oft ohne freien Tag unter gefährlichen Bedingungen, ohne soziale Absicherung, ohne Gewerkschaftsvertretung und meist ohne Chance auf ein existenzsicherndes Einkommen." Die wachsenden Müllberge würden gar zu einer Bedrohung für angrenzende Siedlungen; als Beispiel nannte Lanyero den Einsturz der Kiteezi-Deponie 2024 mit 35 Todesopfern. Befragte berichteten von Arbeitswochen mit bis zu 70 Stunden sowie gesundheitlichen Belastungen durch Staub, Hitze und schwere körperliche Arbeit.
Als besonders gefährdet gelten Frauen; so fehle etwa der Zugang zu Toiletten, Mutterschutz oder Kinderbetreuung. Viele Frauen müssten daher ihre Babys mit in die gefährliche Arbeitsumgebung nehmen. Gleichzeitig verrichteten sie oft die am schlechtesten bezahlten Jobs, wie das Tragen von Altkleider-Ballen, Bügeln mit Holzkohle, oder das Ausbessern oder Waschen von Kleidung, so der Bericht.
Trotz aller Probleme würde der Secondhand-Sektor in Uganda vielen Menschen eine wichtige Chance geben, so sei für viele Familien der Handel mit gebrauchter Kleidung die einzige Einkommensquelle. "Secondhand kann Teil einer nachhaltigen Modewirtschaft sein und hochwertige Secondhand-Ware den Bedarf an Neuproduktion reduzieren. Das zeigen einige ugandische Designer:innen, die aus Altkleidern neue Produkte entstehen lassen", so Gruber. "Nachhaltig und respektvoll kann das nur gelingen, wenn die Müllflut aus Europa gestoppt und politische Lösungen für das Fast Fashion-Problem umgesetzt werden."
(Link: https://www.suedwind.at/aktiv-werden/petitionen/justfashion/)
Quelle: kathpress