
Weihbischof Freitag: Arbeit und Gebet nicht voneinander trennen
Wie kann religiöse Praxis in alltäglichen Tätigkeiten verankert werden? Ein großes Vorbild dabei ist für den Grazer Weihbischof Johannes Freitag der Karmeliterbruder Lorenz von der Auferstehung (1614-1691). Der Ordensmann, Koch und Schuster habe Papst Leo XIV. geprägt, wie dieser unlängst bekannte, auch Papst Franziskus (2013-2025) habe sich auf Bruder Lorenz berufen, sagte Freitag laut Mitteilung der Diözese Graz-Seckau dieser Tage bei einer Veranstaltung des Bildungsforums der Grazer Minoriten.
Freitag stellte den im 17. Jahrhundert lebenden Laienbruder als einfachen Ordensmann vor, dessen Spiritualität ohne äußere Besonderheiten auskam. "Sein Motto war, dass Gott stets da ist", sagte der Weihbischof. Arbeitszeit habe er nicht von der Gebetszeit unterschieden, was "ein revolutionärer Gedanke" gewesen sei, so Freitag. Arbeit und Alltag seien für Bruder Lorenz deshalb zum Gebet geworden, "weil alles zusammengehört, weil Gott immer und überall dabei ist".
Die Spiritualität des Karmeliters sei bis heute von Bedeutung, sagte Freitag, da sie Glauben in alltägliche Lebensvollzüge übersetze. Gott werde dabei nicht als abstraktes Prinzip verstanden, sondern als in allen Handlungen gegenwärtig gedacht.
"Ich wende die Omelette aus Liebe zu meinen Mitbrüdern und repariere Schuhe mit Dankbarkeit für das Leder und das Leben des Tieres", sei beispielsweise von Lorenz überliefert. "Und das, obwohl er von seiner Arbeit nicht sonderlich begeistert war."
Zentral sei dabei die Überzeugung, dass jede Tätigkeit im Bewusstsein der Gegenwart Gottes geschehen könne. "Jede und jeder kann Gott im Alltag finden", betonte Freitag. Diese Sichtweise führe zu innerer Freiheit und Gelassenheit im Umgang mit den Herausforderungen des Lebens. Auch die Annahme, dass menschliche Kontrolle begrenzt sei, spiele dabei eine Rolle. "Jeder Atemzug ist ein Geschenk Gottes, das man sich nicht kaufen kann", so der Weihbischof.
Lorenz von der Auferstehung, geboren als Nicolas Herman in Lothringen, trat nach Kriegserfahrungen in den Karmeliterorden ein und lebte ab 1640 in Paris als Laienbruder, unter anderem in der Klosterküche und als Schuster. Seine wenigen überlieferten Briefe und Gesprächsnotizen wurden später unter dem Titel "Die Übung der Gegenwart Gottes" veröffentlicht und zählen zu den klassischen Texten christlicher Mystik.
Vortragsreihe über Gegenwart Gottes
Das Bildungsforum der Minoriten startet nächste Woche eine Vortragsreihe, die den Titel "Die Gegenwart Gottes erleben" trägt. Teile des Formats sind Vorträge ebenso wie angeleitete Übungen, Zeiten der Stille und Gesprächsphasen, teilte die Diözese Graz-Seckau mit. Die Auftaktveranstaltung findet am 8. Juli um 18 Uhr im Arkadensaal des Minoritenzentrums in Graz statt.
Die Reihe umfasst mehrere Termine bis April 2027 und widmet sich unterschiedlichen Zugängen zur spirituellen Praxis im Alltag. Als Referentinnen und Referenten sind unter anderem Sr. Magda Schmidt (Franziskanerin), P. Egon Homann (Stift Admont), P. Johannes Paul Abrahamowicz (Stift Göttweig), P. Leo Thenner (Salvatorianer) sowie Abt Alfred Eichmann (Stift St. Lambrecht) und Sr. Anna Elvira Kurz (Ursulinen Graz) vorgesehen. Die Teilnahme ist einzeln oder als Gesamtreihe möglich; der Teilnahmebeitrag beträgt 125 Euro für die gesamte Reihe oder 23 Euro pro Termin.
Quelle: kathpress