
Caritas: Südsudan zwischen Hunger, Flucht und Klimakrise
Die politische Instabilität, Fluchtbewegungen aus dem benachbarten Sudan und die Folgen der Klimakrise verschärfen die Not von Millionen Menschen im Südsudan. Zum 15. Jahrestag der Unabhängigkeit des jüngsten und gleichzeitig ärmsten Staates der Welt am Donnerstag (9. Juli) ruft Caritas-Österreich-Vizepräsident Alexander Bodmann nach einem Besuch in dem Land in Ostafrika zu weiterer internationaler Unterstützung und Spenden für Hilfsprojekte auf. "Die Hilfe wirkt, die Hilfe kommt an. Wir müssen nur weiter unterstützen", sagte Bodmann der Nachrichtenagentur Kathpress. Auch wenn die große Aufbruchsstimmung der Zeit unmittelbar nach der staatlichen Unabhängigkeit von 2011 weitgehend verschwunden sei, habe er vielerorts Hoffnung erlebt.
Nach Einschätzung Bodmanns ist es im Südsudan bisher nicht gelungen, die politischen Voraussetzungen für eine stabile Entwicklung zu schaffen. Zwar seien Regierung und das Parlament mit Vertretern aller fünf Volksgruppen besetzt; wesentliche Vereinbarungen aus dem 2018 geschlossenen Friedensabkommen, wie eine Volkszählung und nationale Wahlen, seien jedoch bis heute nicht umgesetzt. Präsident Salva Kiir sei gesundheitlich stark angeschlagen und könne kaum die Regierungsgeschäfte führen, Vizepräsident Riek Machar ist inhaftiert. Immer wieder kämen ethnische Konflikte auf. Unter diesen Voraussetzungen sei der Aufbau einer funktionierenden staatlichen Verwaltung kaum möglich. Der Bürgerkrieg im benachbarten Sudan belastet das Land zusätzlich. Mehr als eine Million Menschen sind in den Südsudan geflüchtet oder zurückgekehrt.
Humanitäre Lage "katastrophal"
Bodmann bezeichnete die humanitäre Lage als "katastrophal". Knapp zwei Drittel der 13 Millionen Einwohner leiden unter Unterernährung, darunter mehr als zwei Millionen Kinder. Im Flüchtlingslager Malakal im Norden traf Bodmann eine Großmutter, die mit ihren drei Enkeln vor dem Bürgerkrieg im Sudan geflohen war, nachdem Tochter und Schwiegersohn getötet worden waren. Lebensmittelhilfe gibt es im Lager nur für eine Woche, danach sind die Menschen auf sich allein gestellt. "Sie sind angewiesen, dass andere Menschen, die dort untergebracht sind, sie irgendwie versorgen durch einen Fisch, der im Nil gefangen wird oder irgendwelche Gräser; aber es ist jedenfalls nicht ausreichend, um sich ausreichend zu ernähren", so Bodmann.
Internationale Kürzungen bei Mitteln für die Entwicklungszusammenarbeit, darunter das Aus für die Hilfe der US-Entwicklungsbehörde USAID, haben laut dem Caritas-Vizepräsidenten spürbare Folgen. Gesundheitszentren und Ausgabestellen für Lebensmittel mussten schließen. Flüchtlingslager können nicht ausgebaut werden, weil Geld fehlt.
Zeitgleich Überschwemmungen und Dürre
Als dritte große Ursache für die Not nannte Bodmann den Klimawandel. Dessen Auswirkungen seien im Südsudan unmittelbar sichtbar. Entlang des Weißen Nil sei der Fluss an manchen Stellen auf die dreifache Breite angeschwollen und habe ganze Dörfer und landwirtschaftliche Flächen überflutet. Gleichzeitig herrsche nur wenige Kilometer entfernt große Trockenheit. "Diese Gleichzeitigkeit von entweder Überschwemmung oder Dürre, die sieht man dort wirklich sehr, sehr eindeutig", berichtete Bodmann. Selbst während der Regenzeit habe es erst fünfmal geregnet, obwohl früher tägliche Niederschläge üblich gewesen seien.
Der bisher verlässliche Wechsel zwischen Trocken- und Regenzeit sei verloren gegangen. Bauern wüssten vielfach nicht mehr, wann sie säen oder ernten sollen. Dabei verfüge der Südsudan über fruchtbare Böden und gute Voraussetzungen für Landwirtschaft. Die Wetterextreme machten diese Potenziale jedoch immer schwerer nutzbar. Gleichzeitig fehlten vielerorts Bildung und staatliche Strukturen. Rund drei Viertel der Bevölkerung seien Analphabeten, die Hälfte der Kinder gehe nicht zur Schule.
Caritas-Hilfe, die langfristig wirkt
Bei seiner Reise besuchte Bodmann mehrere Caritas-Projekte. In einem gemeinsam mit UNHCR und anderen Hilfsorganisationen aufgebauten Flüchtlingslager in der Stadt Renk ist quasi ein funktionierendes Dorf entstanden, mit Schulen, Wasserversorgung und kleinen Geschäften. In einer nur per Boot erreichbaren Gemeinde finanzierte die Caritas ein Wasserwerk und stellte ein System auf die Beine, in dem kleinste Geldbeiträge der Bevölkerung drei Arbeiter finanzieren, die die Anlage warten und dauerhaft in Betrieb halten. "Das ist wesentlich besser und nachhaltiger, als wenn man einfach nur eine Wasseranlage hinstellt, weil wenn die nach einem halben Jahr nicht mehr funktioniert", so Bodmann.
Nahe der Hauptstadt Juba unterstützt die Caritas gemeinsam mit der Vinzenz-Gemeinschaft einen Schulcampus mit Kindergarten, Volks- und Berufsschule. Besonders beeindruckt habe ihn eine ehemalige Schülerin, die heute selbst Maurerinnen und Maurer ausbildet, schilderte Bodmann. Auf die Frage nach ihrer Motivation habe sie geantwortet, "sie möchte helfen, den Südsudan aufzubauen".
Caritas Österreich bittet weiter um Spenden für Projekthilfe im Südsudan. Mit 18 Euro kann eine geflüchtete Familie einen Monat lang mit Nahrungsmitteln wie Mais, Bohnen, Öl und Salz versorgt werden. 26 Euro finanzieren Gemüse-Saatgut für ein Jahr. Mit 9 Euro monatlich erhält ein von Unterernährung betroffenes Kind therapeutische Zusatznahrung.
(Spendenkonto: Caritas, IBAN: AT23 2011 1000 0123 4560, Kennwort: Zukunft ohne Hunger; online unter www.caritas.at/helfen, weitere Infos: https://www.caritas.at/spenden-helfen/auslandshilfe/auslandsprojekte/afrika/suedsudan)
Quelle: kathpress