
Grünwidl: Erzdiözese Wien braucht mehr "Lernorte des Glaubens"
Die heimischen Pfarrgemeinden müssen nach Ansicht von Erzbischof Josef Grünwidl noch viel stärker "Lernorte des Glaubens" werden. Er habe den Eindruck, so der Wiener Erzbischof im Interview mit "radio klassik Stephansdom" und dem Wiener "Sonntag", "dass man in unserer Zeit über alles reden kann, es gibt keine Tabuthemen. Aber über den eigenen Glauben oder über Glaubenserfahrungen zu reden, nämlich auch in einer guten, geerdeten Form, und auch ganz ehrlich über die Schwierigkeiten und natürlich auch über die schönen Glaubenserfahrungen zu reden, das geschieht zu wenig". Dafür bräuchte es besondere Räume und hier sehe er "unsere Gemeinden als Lernorte des Glaubens".
Es sei wichtig, "erzählen zu können über den eigenen Glauben, zu hören, wie es anderen geht, sich auszutauschen und einander zu bestärken". In dieser Hinsicht orte er große Defizite, so Grünwidl.
Freilich fange man nicht bei Null an: "Auch in den Pfarrgemeinden gibt es spirituelle Angebote, nicht in allen 600 Pfarren, aber es gibt doch punktuell Pfarren, die sich besonders bemühen und auch Schwerpunkte setzen - Glaubensgespräche, Bibelrunden, Gebetskreise", so der Erzbischof. Vielleicht seien sie noch zu unbekannt "und vielleicht sind wir immer noch auch in der Kirche in diesem Denken gefangen, dass es genügt, wenn man am Sonntag die Messe besucht".
Es sei gut und wichtig, "dass wir am Sonntag zusammenkommen, um Eucharistie zu feiern. Das allein ist aber zu wenig." Es brauche auch Hilfen für den Alltag, es brauche Lernorte: "Wie lernt man beten? Was heißt Christsein? Und dazu braucht es auch spirituelle Tankstellen unter der Woche."
Zur Frage, aus welchen spirituellen Quellen er selbst schöpfe, sagte der Erzbischof: "Mir ist der heilige Benedikt sehr nahe, weil ich aus einer von Benediktinern betreuten Pfarre komme und auch rund um die Matura überlegt habe, ob ich in ein Benediktinerkloster eintreten soll." Ein Buch mit Gedanken des heiligen Benedikt - ein Ratgeber für Manager - habe ihn geprägt: "Wie leitet man, wie kann man führen? Und ich nenne vor allem die Benediktregel, so auf den Punkt gebracht: 'Ora et labora et lege'." Das Dritte werde oft vergessen: "Bete, arbeite und lies." Das sei eine sehr geerdete Zusammenfassung christlicher Spiritualität, so Erzbischof Grünwidl.
Quelle: kathpress