
Klosterstudie: Männer leben in Ordensgemeinschaften länger
Der Lebensstil in einer Ordensgemeinschaft erhöht die Lebenserwartung von Männern messbar und gleicht den biologischen und gesellschaftlichen "Gender Gap" fast vollständig aus. Das zeigen die langfristigen Ergebnisse der "Deutsch-Österreichischen Klosterstudie" unter der Leitung des Demografen Marc Luy. "Es gibt kein einfaches Rezept für ein langes Leben, wie täglich einen Apfel oder drei Tomaten essen. Es ist ein Zusammenspiel aus vielen verschiedenen Dingen", erklärte Luy im Interview mit der Kooperationsredaktion der österreichischen Kirchenzeitungen (aktuelle Ausgabe). Doch im Orden treffen günstige lebensverlängernde Faktoren zusammen. Beispielhaft dafür steht wohl der bekannte Benediktinerbruder David Steindl-Rast, der am vergangenen Sonntag seinen 100. Geburtstag feierte.
Während die Statistik Austria für im Jahr 2025 geborene Buben eine um 4,45 Jahre geringere Lebenserwartung als für Mädchen errechnet - konkret stehen 80,15 Jahre bei den Buben 84,6 Jahren bei den Mädchen gegenüber -, sterben Ordensmänner im Durchschnitt wesentlich später als Männer außerhalb von Klöstern. "Dass Männer im Allgemeinen jünger sterben als Frauen, liegt stärker am Lebensstil als an genetischen Faktoren", erklärte Luy.
Als wesentliche Säulen für die Langlebigkeit von Ordensmännern identifiziert seine Studie das Leben in der Gemeinschaft, den geregelten Tagesablauf aus Arbeit und Gebet sowie eine klare spirituelle Mission. Die Gemeinschaft fungiere dabei ähnlich stabilisierend wie eine Ehe: Ein geregelter Ernährungsplan und die soziale Kontrolle im Konvent führten im Durchschnitt zu einem gesünderen Lebensstil mit deutlich weniger Rauch- oder Suchtproblemen. Zudem falle es in einer Gemeinschaft früher auf, wenn ein Mitglied physisch oder psychisch "abgleite", berichtete Luy vom Institut für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW).
Glaube und strukturierter Alltag
Der strukturierte Alltag mit festen Zeiten für Gebet und Meditation reduziere zudem nachweislich Stress, was sich positiv auf die mentale und körperliche Gesundheit auswirke. "Auch wenn im Ordensleben nicht alles perfekt läuft, ist es grob gesagt ruhiger. Der Glaube gibt grundlegende Stabilität und Sicherheit. Eine klare Aufgabe motiviert." Ähnliche Parameter lassen sich laut dem Langlebigkeitsforscher auch in den weltweiten "Blue Zones" beobachten - jenen Regionen, in denen überdurchschnittlich viele Menschen das 100. Lebensjahr erreichen.
Sozialer Ausgleich im Kloster
Ein bemerkenswertes Ergebnis der Klosterstudie betrifft den sozialen Status: In der Allgemeinbevölkerung haben höher gebildete Schichten eine signifikant höhere Lebenserwartung als weniger gebildete Menschen. "Diese Unterschiede fallen bei Ordensleuten völlig weg", so Luy. Vor allem Ordensmänner mit formal niedrigerer Bildung "profitieren" gesundheitlich massiv vom Klosterleben, da der Lebensstandard, die medizinische Versorgung und der Alltag für alle Mitglieder gleich sind.
Vom modernen und oft kostspieligen "Longevity"-Trend unterscheidet sich das Ordensleben laut dem Wissenschaftler in einem zentralen Punkt: "Ordensleute pflegen ihren Lebensstil nicht, um länger zu leben. Das ist eher ein Nebeneffekt." Gepflegt werde der Trend zudem von jenen, die "es sich leisten können", also vor allem von jenen, die ohnehin schon eine bessere Gesundheit und höhere Lebenserwartung haben. Er erreiche daher "wahrscheinlich nicht die, die es eigentlich am dringendsten bräuchten".
Klosterstudie
Die "Deutsch-Österreichische Klosterstudie" hat ihre Wurzeln in der Diplomarbeit des Demographie-Professors Luy. Er erarbeitete sie in den Jahren 1996 bis 1998 in Bamberg zum Thema "Die Mortalität in bayerischen Frauen- und Männerklöstern im Zeitraum 1910-1985". Seit 2010 wird die Langlebigkeits-Forschung der Klosterstudie auf die gesamte Gesundheit ausgeweitet. (Info: www.klosterstudie.at)
Quelle: kathpress