
Kindergartensozialarbeit: Caritas drängt auf dauerhafte Finanzierung
Soziale Probleme in Familien frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern: Das ist das Ziel des seit 2024 laufenden Caritas-Pilotprojekts "Kindergartensozialarbeit" (KISA), dessen Finanzierung nun im Juli ausläuft. Eine am Montag in Graz präsentierte Studie zum steirischen Projektteil zeigt positive Effekte bei der Unterstützung belasteter Familien, der Entlastung pädagogischer Teams sowie bei der Prävention von Bildungs- und Gesundheitsproblemen. Die Projektträger - an dem Kinderbildungs- und Betreuungseinrichtungen in der Steiermark, Salzburg und Oberösterreich beteiligt sind - fordern daher eine dauerhafte Verankerung der Kindergartensozialarbeit im Bildungs- und Sozialsystem.
An dem Pilotprojekt in der Steiermark, Salzburg und Oberösterreich sind insgesamt 52 Kinderbildungs- und Betreuungseinrichtungen beteiligt. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter beraten Eltern direkt in den Einrichtungen, vermitteln bei Bedarf an weitere Hilfsangebote und organisieren Elterncafés, Vorträge und Workshops.
"Es geht darum, frühzeitig Unterstützung anzubieten und nicht erst zu reagieren, wenn Krisen entstanden sind", sagte Friedrich Mayer, Leiter der Caritas-Kindergartensozialarbeit und einer der Projektentwickler. Kindergärten seien zunehmend mit psychosozialen Problemlagen konfrontiert, für deren Bearbeitung pädagogischen Fachkräften häufig Zeit sowie spezifische Ausbildung fehlten, so Mayer zur Ausgangslage.
Finanziert wurde das Projekt bisher durch das Sozialministerium, in der Steiermark zusätzlich durch die Mega Bildungsstiftung und die Diözese Graz-Seckau. Eine reguläre Finanzierung ist aktuell aber nicht vorgesehen; durch Mittel des Sozialministeriums soll das Angebot zunächst für ein weiteres Jahr in reduziertem Umfang fortgeführt werden.
Studie zeigt positive Wirkung
Gleichzeitig bestätige eine aktuelle Evaluierung des Sozialforschungsinstituts "xsample" die hohe Wirksamkeit des Angebots, das vom Sozialministerium in Auftrag gegeben wurde: Familien erhielten niederschwellige Unterstützung, Kinder profitierten von besseren Chancen und Pädagoginnen und Pädagogen würden entlastet.
Für die Untersuchung des Sozialforschers Thomas Lederer-Hutsteiner wurden 18 Kindergärten einbezogen. Befragt wurden 57 Eltern nach Beratungen sowie sieben Leitungskräfte und 77 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Ergebnis: Mehr als 81 Prozent der Eltern bewerteten die Unterstützung als "sehr hilfreich". 75,4 Prozent gaben an, durch die Beratung besser eigene Lösungen für ihre Anliegen entwickeln zu können und sicherer im Umgang mit belastenden Situationen zu sein. Auch die pädagogischen Teams sehen einen deutlichen Nutzen: Rund 80 Prozent bewerteten die Kindergartensozialarbeit positiv, 91 Prozent nannten mehr Sicherheit bei Fragen des Kindeswohls und bei Gefährdungsmeldungen.
"Die Kindergartensozialarbeit ist ein hochkomplexes Tätigkeitsfeld in einer besonders sensiblen Einrichtung", so Lederer-Hutsteiner von "x-sample". Die Herausforderungen reichten von Entwicklungsauffälligkeiten und gesundheitlichen Belastungen von Kindern bis zu finanziellen Problemen, rechtlichen Fragen, Migration oder psychosozialen Belastungen in Familien. Entscheidend für die Wirksamkeit seien ein niederschwelliger Zugang, Vertrauen und eine klare organisatorische Trennung zwischen Sozialarbeit und Kindergartenalltag.
Auch Walter Prügger, Geschäftsführer der Kinderbildungs- und Pfarrkindergärten-Stiftung (KIB3) der Diözese Graz-Seckau, strich KISA als Ergänzung der elementarpädagogischen Arbeit hervor. Zwar habe es anfangs in manchen Einrichtungen Vorbehalte gegeben, inzwischen werde die Sozialarbeit aber als Unterstützung der Teams wahrgenommen.
Kindergartensozialarbeit
Das Pilotprojekt läuft seit 2024 in Salzburg, Oberösterreich und der Steiermark. Insgesamt sind 52 Kinderbildungs- und Betreuungseinrichtungen beteiligt. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter stehen Eltern zu fixen Zeiten für Beratungsgespräche zur Verfügung, vermitteln bei Bedarf an weitere Hilfsangebote und organisieren unter anderem Elterncafés, Vorträge und Workshops. 2025 wurden laut Caritas 1.605 Elternberatungen durchgeführt und 1.022 Teilnahmen an Elternangeboten verzeichnet.
Quelle: kathpress