
New York: Kultusministerin Bauer trifft Rabbi Schneier
Kultusministerin Claudia Bauer ist in New York mit Rabbi Arthur Schneier (96), einen der bedeutendsten österreichisch-amerikanischen Brückenbauer, zusammengetroffen. Bauer hielt am Mittwoch im Anschluss an die Begegnung in einer Aussendung fest: "Rabbi Schneiers Lebensgeschichte berührt mich tief: Er musste als Kind aus Wien fliehen und ist Österreich dennoch verbunden geblieben. Sein Lebensweg mahnt uns, jüdisches Leben in Österreich, Europa und weltweit entschlossen zu schützen und zu stärken. Es muss sicher, sichtbar und selbstverständlich sein. Denn wer jüdisches Leben bedroht, bedroht unsere Demokratie."
Der 96-jährige Schneier wurde in Wien geboren, floh 1936 nach Budapest, überlebte den Holocaust und wanderte 1947 in die USA aus. Seit mehr als sechs Jahrzehnten ist er Rabbiner der Park East Synagogue in New York. Mit der von ihm gegründeten "Appeal of Conscience Foundation" setzt er sich weltweit für Religionsfreiheit, Menschenrechte und den Dialog zwischen Glaubensgemeinschaften ein. Schneier ist u.a. mit Kardinal Christoph Schönborn freundschaftlich verbunden.
Immer wieder war Schneier auch in Österreich. 2018 sprach er etwa bei der Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Novemberpogrome im österreichischen Parlament. 2010 wurde er mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien ausgezeichnet wurde. Kardinal Schönborn hielt damals die Laudatio.
Kampf gegen Hass
Bauer sprach laut Aussendung mit Schneier darüber, wie jüdisches Leben nicht nur geschützt, sondern auch sichtbar und selbstverständlich gelebt werden kann. Im Mittelpunkt standen der Kampf gegen Hass im Netz, Bildung und Erinnerungsarbeit sowie die Frage, wie verhindert werden kann, dass Jüdinnen und Juden pauschal für Entscheidungen der israelischen Regierung verantwortlich gemacht werden.
Nach dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 ist die Zahl antisemitischer Vorfälle in Österreich und weltweit stark gestiegen und bleibt auf einem alarmierend hohen Niveau. In Österreich dokumentierte die Meldestelle der Israelitischen Kultusgemeinde allein 2025 insgesamt 1.532 Vorfälle, so viele wie nie zuvor. Auch in den USA bleibt die Bedrohung für jüdische Gemeinden groß. Die österreichische Nationale Strategie gegen Antisemitismus 2.0 umfasst 49 Maßnahmen, vom Schutz jüdischer Einrichtungen über Bildung und digitale Prävention bis zu Erinnerungskultur und internationaler Zusammenarbeit.
Beim Gespräch in New York sei es jedoch nicht nur um Programme und Zahlen gegangen, "sondern vor allem um die Erfahrungen eines Mannes, der Verfolgung selbst erlebt und sein Leben dennoch der Verständigung gewidmet hat", so Ministerin Bauer.
Quelle: kathpress