
"Islam-Beobachtungsstelle": Mazal will in Beirat auf Qualität achten
An der vom Land Niederösterreich in Kooperation mit der Fachhochschule Wiener Neustadt eingesetzten "Beobachtungsstelle Radikaler Islam" und am Beirat der von der Landesregierung dafür eingesetzten Geschäftsstelle wurde zuletzt Kritik laut. Mit Prof. Wolfgang Mazal hat jetzt eines der vier Beiratsmitglieder gegenüber der Nachrichtenagentur Kathpress (Donnerstag) Stellung genommen und die Kritik zurückgewiesen. "Ich sehe es als meine Hauptaufgabe, insgesamt auf Qualität zu achten", betonte er.
Anders als oft dargestellt, handle es sich laut Beschluss der Landesregierung bewusst um keinen "wissenschaftlichen Beirat" der Beobachtungsstelle, sondern um einen "Beirat" der Geschäftsstelle, der im Rahmen eines Gesamtkonzepts eine eigenständige Aufgabe hat, so Mazal. Der Beirat fungiere nicht als wissenschaftliches Begleitorgan der Beobachtungsstelle, sondern als eigenständige Einheit mit Scharnierfunktion zwischen der an der FH Wiener Neustadt angesiedelten Beobachtungsstelle, der Politik und der Praxis.
Insofern sei der Beirat "eine Art Puffer zwischen der Politik, der Praxis und den an der FH Wiener Neustadt tätigen Forschern", die sich dort wissenschaftlich mit Aktivitäten befassen, die mit radikalen islamischen Ideen zusammenhängen. Aufgabe des Beirats sei es nicht, Islamforschung zu betreiben, sondern Empfehlungen an die Forschenden, die Politik und die Praxis abzugeben.
Es sei ihm bewusst, dass Fragen und Themen rund um radikale Ausprägungen des Islam immer in der Gefahr stünden, politisch instrumentalisiert zu werden - "von welcher Seite auch immer", erklärte Mazal. Aber: "Dass der Beirat selbst kein politisches Schindluder treiben wird, ist auch dadurch sichergestellt, dass die Beschlüsse nur einstimmig gefällt werden können, was für mich wichtig war", betonte Mazal und fügte hinzu: "Wenn man so will, kann auch gegen meine Stimme dort nichts hinausgehen."
Der an der Universität Wien lehrende Hochschullehrer - er ist auch Präsident des Katholischen Laienrats Österreichs - sieht es als seine "persönliche Aufgabe in diesem Beirat, darauf zu achten, dass die Forschenden methodisch sauber arbeiten, und dass in den Empfehlungen des Beirats religiöse Aspekte geachtet und von anderen Aspekten getrennt werden".
Forschung an FH Wiener Neustadt
Ergänzend wies Mazal darauf hin, dass die Aufgabe der Forschenden an der Fachhochschule Wiener Neustadt nicht islamwissenschaftlicher Natur im engeren Sinn sei. Vielmehr gehe es um die Schaffung von Evidenz über Aktivitäten, die auf radikalen islamischen Vorstellungen fußen und sich dann konkret in Schulen, beim Sport usw. manifestierten. "Deswegen wurde die Beobachtungsstelle auch nicht an einer theologischen Fakultät eingerichtet, sondern an einer Institution, die in vielen Forschungsprojekten Zugang zu praktisch tätigen Einrichtungen wie Schulen oder Polizei hat", führte Mazal aus.
Ziel der Beobachtungsstelle sei es, einen "längst überfälligen Beitrag zur Versachlichung der Diskussion über radikale Erscheinungsformen des Islam" zu leisten. Er habe die "Hoffnung, dass eine wissenschaftlich fundierte Arbeit einen Beitrag zum Fortschritt der Gesellschaft ermöglicht und dass daraus Anregungen für Politik und Praxis für einen Umgang mit Alltagsproblemen gewonnen werden können, die viele Menschen in unserem Land hoch emotionalisiert erleben", so Mazal.
Offener Brief von Religionswissenschaftlern und Theologen
Etliche bekannte Religionswissenschaftler und Theologen hatten vergangene Woche in einem Offenen Brief ihr Befremden über die personelle Zusammensetzung des Beirats der im Jänner eingerichteten neuen Beobachtungsstelle geäußert und damit die Debatte um die Stelle angefacht. "Eine kritische Auseinandersetzung mit demokratiefeindlichen und extremistischen Strömungen innerhalb des Islam - wie auch in allen Religionen - ist wichtig. Aber sie muss sachlich, differenziert und mit wissenschaftlicher Expertise erfolgen", hielten die 18 Unterzeichner fest. Unter ihnen sind der Islamwissenschafter Rüdiger Lohlker, die Vorstände der Religionswissenschaft-Institute an den Universitäten Wien und Graz, Lukas K. Pokorny und Franz Winter sowie der Leiter des Zentrums Theologie interkulturell und Studium der Religionen an der Uni Salzburg, Martin Rötting.
Das Land Niederösterreich wies die erhobene Kritik zurück. Es gehe bei der Beobachtungsstelle nicht darum, den Islam zu erforschen, sondern radikale, demokratiefeindliche, freiheitsfeindliche und frauenfeindliche Strömungen frühzeitig zu erkennen und zu bekämpfen, erklärte das Büro von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) auf Anfrage der Austria Presse Agentur (APA). "Dafür muss man nicht den Islam studiert haben. Dafür muss man aber wissen, was wir schützen wollen: unsere Demokratie, unsere Freiheit und unsere Werte", hieß es weiter.
Für fachliche Diskussionen stehe die Beobachtungsstelle an der Fachhochschule Wiener Neustadt jeder und jedem offen. "Wer Radikalisierung erst dann ernst nimmt, wenn der Staatsschutz eingreifen muss, handelt zu spät", wurde betont. Auch Landeshauptfrau-Stellvertreter Udo Landbauer (FPÖ) wies die Kritik zurück.
Quelle: kathpress