
Rekordhitze: KOO fordert mehr Klimafinanzierung für Globalen Süden
Angesichts der zunehmenden Folgen der Erderhitzung fordert die Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Zusammenarbeit und Weltkirche (KOO) eine deutliche Aufstockung der internationalen Klimafinanzierung. Reiche Staaten müssten ihre Zusagen gegenüber besonders vom Klimawandel betroffenen Ländern des Globalen Südens einhalten, erklärte die kirchliche Fachstelle. Während Europa bereits die zweite Hitzewelle in diesem Sommer erlebt, sind viele Partnerorganisationen der KOO in mehr als 100 Ländern seit Jahren mit den Folgen der Klimakrise konfrontiert. "Denn Klimagerechtigkeit erreichen wir nur gemeinsam, und nur wenn auch in schwierigen Zeiten über den nationalen Tellerrand hinaus geplant und gehandelt wird", betonte die KOO.
Kritik übte die KOO auch an der österreichischen Bundesregierung: So sei am 10. Juli im Nationalrat nicht nur über das Doppelbudget 2027/2028 abgestimmt worden, sondern auch bekannt geworden, dass die Mittel für internationale Klimafinanzierung bis 2028 um rund 50 Prozent gekürzt werden. Betroffen seien etwa Beiträge zum Fonds für Schäden und Verluste, zum Green Climate Fund sowie weitere Anpassungsprojekte in Ländern des Globalen Südens. Dies treffe auf bereits zuvor reduzierte Mittel für die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit.
Konkret forderte die KOO von Österreich, bis zur UN-Klimakonferenz COP31 im November in Antalya mehrjährige finanzielle Zusagen für den Zeitraum 2027 bis 2030 vorzulegen. Diese sollten sowohl zusätzliche Mittel für konkrete Klimaprojekte als auch Beiträge zum Green Climate Fund, zum Fonds für Schäden und Verluste und zum Anpassungsfonds umfassen.
Zur Finanzierung schlägt die KOO etwa eine dauerhafte Besteuerung der Gewinne fossiler Unternehmen, Schuldenerlasse für Länder des Globalen Südens sowie einen schnelleren Abbau fossiler Subventionen vor. Klimagerechtigkeit könne nur durch internationale Zusammenarbeit erreicht werden, betonte die Organisation.
Großteil der Klimamittel als Kredite
Die derzeitige Unterstützung reiche jedoch nicht aus, kritisierte die KOO unter Berufung auf einen aktuellen Bericht der NGO Oxfam. Demnach hätten Industriestaaten für das Jahr 2024 zwar 137 Milliarden US-Dollar an internationaler Klimafinanzierung gemeldet. Ein großer Teil davon seien jedoch Kredite, die zurückgezahlt werden müssten und damit die Schuldenlast vieler Länder des Globalen Südens weiter erhöhten. Oxfam schätze den Anteil tatsächlicher Zuschüsse auf lediglich 33 bis 45 Milliarden US-Dollar. Davon entfielen nur 15 bis 18 Milliarden US-Dollar auf Anpassungsmaßnahmen.
Auch der internationale Fonds für Schäden und Verluste (Fund for Responding to Loss and Damage, FRLD) zeigt laut KOO die Lücke zwischen Bedarf und vorhandenen Mitteln: In seiner ersten Förderrunde hätten den 250 Millionen US-Dollar an verfügbaren Mitteln Projektanträge im Umfang von 2,8 Milliarden US-Dollar gegenübergestanden. Aufgrund der hohen Nachfrage habe der Fonds jedoch keine Förderentscheidung treffen können.
Klimawandel bedroht Armutsbekämpfung
Als Folgen des übermäßigen globalen CO2-Ausstoßes zählen laut KOO Überschwemmungen, Dürren und Stürme, Versalzung von landwirtschaftlichen Böden, steigender Meeresspiegel und Verlust von Arten. "All das bedroht die Erfolge der Armutsbekämpfung der letzten Jahrzehnte", warnte die Kirchenfachstelle.
Die KOO verwies zudem auf die Berichte des Weltklimarats (IPCC), die sowohl die wachsenden Risiken der Erderhitzung als auch Möglichkeiten für Klimaschutz, Anpassung und den Umgang mit unvermeidbaren Schäden und Verlusten aufzeigen. Für eine globale Transformation hin zu einer klimasicheren Zukunft seien jedoch erhebliche politische, technische und finanzielle Anstrengungen notwendig.
Auf die Bedeutung internationaler Solidarität verwies laut KOO auch Papst Leo XIV. in seiner Botschaft an den Austrian World Summit im Juni. Er hat darin für Gesellschaften geworben, in denen das Gemeinwohl Vorrang vor reinem Profitstreben habe und wirtschaftliche Entwicklung auf Solidarität und Achtung der Menschenwürde gründe.
Quelle: kathpress