Peter Thiel liest Benedikt XVI.: Wiener Theologe widerspricht
Der libertäre US-Tech-Milliardär hat zuletzt immer wieder mit Aussagen und Vorträgen zu schillernden theologischen Begriffen wie Antichrist, Apokalypse und "Katechon" für mediales Aufsehen gesorgt. In Österreich fand er diesbezüglich u.a. im Innsbrucker Sozialethiker Wolfgang Palaver einen scharfen Kritiker. Nun hat Thiel in einem Beitrag für die Zeitschrift "First Things" nachgelegt und sich darin als Bewunderer von Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. entpuppt, bei dem er Momente seiner Apokalyptik-Deutung zu erkennen glaubt.
Widerspruch kommt von einem weiteren österreichischen Theologen: Der Wiener Dogmatiker Bernard Mallmann zeigte in einem Gastbeitrag auf "communio.de" auf, dass Thiels Benedikt-Lektüre "fehl geht": "Peter Thiel und Joseph Ratzinger denken beide apokalyptisch. Der eine malt sich den Weltuntergang aus, der andere spricht von der großen Hoffnung der Rettung durch das Gericht hindurch".
Zwei Lesarten von Apokalyptik
In seinem Beitrag "The Pope and the Antichrist" liege Thiel prinzipiell richtig mit der Einschätzung, dass Ratzinger von Beginn seines theologischen Wirkens bis zuletzt die Fragen des Endes durchdacht habe. Doch schenke Kontemplation, die Ratzinger als Lebenshaltung der Endzeit verstehe, kein esoterisches Wissen über Zeit und Stunde, sondern offenbare eine mystische Erfahrung der Christusbeziehung. Nicht der technische Fortschritt, den Thiel beschwört, erlöse den Menschen, "sondern diese einfache Grundbestimmung des Menschen, in Beziehung zu leben und eine Beziehung zu Gott zu haben", so Mallmann.
Während Thiel eine katastrophische "Roadmap der Endzeit" beschwöre, der nur durch Einschreiten der Tech-Eliten zu entkommen sei, meine die biblische Apokalyptik den Hinweis auf die "rettende und richtende Tat Gottes". So sei Apokalyptik eben keine Hellseherei, "die mit panischem Schrecken unhintergehbar Besitz ergreift" und sie erlaube auch keine Schlussfolgerungen aus geschichtlichen Umständen. Im Gegenteil nehme das Wissen um die Rettung in Jesus Christus die Angst vor dem Ende.
Thiel: Hans Küng als Antichrist
In seinem Aufsatz geht Thiel auch den biografischen Pfaden nach, die Ratzinger u.a. in die Auseinandersetzung mit dem Theologen Hans Küng und dessen "Projekt Weltethos" geführt haben. Ähnlich wie Ratzinger, der Küngs Projekt kritisch sah, distanziert sich auch Thiel von Küngs Idee, ein verbindendes Ethos des Friedens und der Verständigung zu suchen, das anstelle des "apokalyptischen Pathos" trete.
Tatsächlich würde Ratzinger jedoch diese Form der Vereinfachung nicht mittragen, zeigte sich Mallmann überzeugt. Ratzinger sehe nicht schwarz oder weiß, sondern wäge ab und vermöge das Gute selbst dort zu sehen sowie zu akzeptieren, wo er aus seinen Überzeugungen nicht voll und ganz dahinter stehe. Außerdem seien die von Thiel propagierten technischen Entwicklungen für Ratzinger nicht eine Lösung, sondern Teil des Problems: "Die eigentliche Gefährdung der Menschheit macht Ratzinger in einer technischen Entwicklung aus, die Peter Thiel mit tatkräftigen Investitionen vorantreibt. Es sind die Bedrohung der Atomwaffen und die Versuchung der steten Selbstoptimierung des Menschen, die ihn letztlich zu zerstören drohen." (Beitrag im Wortlaut: https://www.herder.de/communio/theologie/warum-peter-thiel-in-seiner-lektuere-von-benedikt-xvi-fehl-geht-apokalyptische-allianz/)
Quelle: kathpress
