
Erdbebenhilfe in Venezuela: Jesuiten vor Wiederaufbau von Schulen
Nach den schweren Erdbeben in Venezuela haben die Jesuiten gemeinsam mit ihren Einrichtungen und internationalen Partnern die Nothilfe ausgeweitet und bereiten nun den langfristigen Wiederaufbau vor. Das berichtet die österreichische Hilfsorganisation "Menschen für andere - jesuitenweltweit" nach einem zweiwöchigen Besuch ihrer Geschäftsführerin Katrin Morales in Venezuela. "Ich habe Verzweiflung erlebt, aber ebenso eine beeindruckende Solidarität und große Dankbarkeit der Menschen", fasst Morales ihre Eindrücke zusammen.
Nach Angaben der Organisation dient die Jesuitenschule San Ignacio in Caracas als zentrales Hilfszentrum. Dort sortieren und erfassen mehr als 100 Freiwillige Sachspenden und koordinieren die Verteilung von Lebensmitteln, Trinkwasser und Hygieneartikeln. Eine eigens entwickelte digitale Plattform ermöglicht es Betroffenen, ihren konkreten Bedarf zu melden, damit Hilfsgüter gezielt ausgegeben werden können. "Uns ist es sehr wichtig, dass unsere Hilfe den Menschen Würde gibt, dass sie selbst auswählen können und das Benötigte ordentlich verpackt erhalten", sagte die ehrenamtlich tätige Koordinatorin des Hilfszentrums.
Besonders betroffen sind die Küstenregionen des Landes. Dort dauern Rettungs- und Bergungsarbeiten an. Nach Angaben der Hilfsorganisation leben zahlreiche Familien in provisorischen Zeltunterkünften, während viele Menschen ihre Wohnungen, Arbeitsplätze und persönlichen Dokumente verloren haben. Kinder, die ihre Eltern verloren haben, befinden sich in Notunterkünften. Ein freiwilliger Feuerwehrmann aus Mexiko schilderte laut Morales die Lage mit den Worten: "Uns fehlen Gerät und Ausrüstung, aber wir alle hier tun, was wir können. Am schlimmsten ist es, wenn wir tote Kinder bergen."
Von Soforthilfe bis Betroffenen-Begleitung
Die Jesuiten bündeln ihre Hilfe über verschiedene Werke. Das Bildungsnetzwerk Fe y Alegría, der Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS), Pfarren sowie die Jesuitenuniversität übernehmen unterschiedliche Aufgaben, angefangen von der humanitären Soforthilfe über Rechtsberatung bis hin zur psychosozialen Begleitung von Betroffenen. Es gehe dem Orden darum, "Gutes zu tun - und das gut, geplant und koordiniert", wird Provinzial P. Alfredo Infante zitiert.
Im Mittelpunkt der nächsten Phase steht der Wiederaufbau des Bildungswesens. Nach technischen Überprüfungen seien 25 Schulen des Netzwerks Fe y Alegría derzeit nicht nutzbar. Vor Beginn des neuen Schuljahres müssten sie saniert oder wiederaufgebaut werden, damit rund 17.000 Schülerinnen und Schüler wieder unterrichtet werden können.
Steigender Hilfsbedarf
Zugleich rechnen die Jesuiten mit einem deutlich steigenden Unterstützungsbedarf. An der teilweise beschädigten Jesuitenschule Jesús Obrero in Caracas werde sich der Anteil der Kinder, die ein Stipendium benötigen, voraussichtlich von 20 auf 40 Prozent verdoppeln. Zudem werde mehr kostenlose Schulverpflegung erforderlich sein, da viele Familien ihre wirtschaftliche Existenz verloren hätten.
Für die Not- und Wiederaufbauhilfe konnten nach Angaben von jesuitenweltweit und dem internationalen Xavier Network bislang rund 1,4 Millionen Euro an Spenden eingeworben werden. Die Mittel sollen in den Wiederaufbau der Schulen sowie in langfristige Hilfsmaßnahmen für die betroffenen Gemeinden fließen. "Nach der akuten Nothilfe wird nun entscheidend sein, den Menschen eine langfristige Perspektive zu geben - durch Bildung, psychosoziale Begleitung und den Wiederaufbau ihrer Lebensgrundlagen", betonte Morales.
(Spendeninfo: "MENSCHEN FÜR ANDERE - Sozialprojekte jesuitenweltweit", Konto bei Erste Bank, IBAN: AT94 2011 1822 5344 0000.)
Quelle: kathpress