
St. Pölten: Kirchenmusik-Werktage setzen auf Ökumene und neue Klänge
Unter dem Titel "Singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen" (Eph 5,19) starten am kommenden Mittwoch (29. Juli) zum elften Mal die "Ökumenischen Werktage für Kirchenmusik" im St. Pöltner Bildungshaus St. Hippolyt. Das viertägige Programm mit Chor-Workshops, Instrumentalunterricht und Einzelstimmtraining wurde 2016 von Johann Simon Kreuzpointner, Leiter der Abteilung Kirchenmusik in der Diözese St. Pölten, ins Leben gerufen und soll neben der Einübung von Gesangs-, Stimm- und Atemtechnik vor allem gemeinschaftsbildend wirken und den ökumenischen Austausch zwischen Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusikern fördern, wie der Präsident der Österreichischen Kirchenmusikkommission im Kathpress-Interview erklärte.
Bis zum 1. August werden heuer unter anderem christlich-populäre Songs und neu adaptierte Chormusik für Firmgottesdienste eingeübt. Zusammen mit Sybille von Both, Diözesankantorin der Evangelischen Kirche Niederösterreich, gestaltet Kreuzpointner das Programm seit vielen Jahren. "Es war mir wichtig, auch die Evangelische Kirche mit ins Boot zu holen, weil wir musikalisch viel voneinander lernen können", sagte Kreuzpointner. Die evangelische Kirchenmusik sei geprägt von Großmeistern wie Bach und evangelischen Kantoren. Die katholische Kirchenmusik sei von lateinischen Messen und Haydn geprägt.
"Ragtime Mass" und Komponistenwerkstatt
Im Plenum wird heuer Kreuzpointners "Ragtime Mass" einstudiert - ein lateinisches Messordinarium für Solisten, gemischten Chor, Streicher und Dixieland-Combo. Das Werk verbindet den traditionellen Messtext in lateinischer Sprache mit den rhythmischen Elementen des Ragtime und Jazz und schlägt so eine Brücke zwischen klassischer Kirchenmusik und populären Musikstilen. Kreuzpointner komponierte die Messe 1990/91; seither wurde sie bei zahlreichen Konzerten und Gottesdiensten im In- und Ausland aufgeführt. "Es soll eine Begegnungszone für den klassischen Chor, der gern lateinische Messen singt, mit neuen geistlichen Liedern sein", sagte Kreuzpointner. In seiner "Komponistenwerkstatt: Wie schreibe ich einen 3- oder 4-stimmigen Kanon" sind die Teilnehmenden aufgefordert, selbst kreativ zu werden.
Neue christliche Popularmusik wird Nikolaus Pesl, Kirchenmusikreferent der Erzdiözese Wien, mit den Chorsängerinnen und Chorsängern erarbeiten. Der Chorleiter, Gitarrist und Schlagzeuger kündigt für sein Programm ein Crossover aus Gospel, Praise und Worship sowie Contemporary Christian Music mit Jazzelementen an.
"Neueste Hits" im evangelischen Gesangbuch
Von Both wird bei den Werktagen "die neuesten Hits", die in dem im kommenden Jahren erscheinenden neuen evangelischen Gesangbuch enthalten sind, vorstellen und mit der Gruppe einstudieren. Der Regionalkantor der Diözese St. Pölten, Christoph Maaß, wird mit den Teilnehmenden Lieder aus dem Gotteslob für Firmgottesdienste einstudieren, die Kreuzpointner als "Zwiebelarrangements" neu adaptiert und modernisiert hat. "Im Kern genügt für die Lieder eine Gitarre und ein zweistimmiger Chor für die Stücke, die je nach Chor und vorhandenen Instrumenten erweitert werden können", so Kreuzpointner.
Für Chorleiter Josef Kaintz, der in Podersdorf und Halbturn Firmgottesdienste und Messen insbesondere für ein jüngeres Publikum gestaltet, sind solche Workshops und die Literatur, die er von den Werktagen ins Burgenland mitnimmt, ein Hauptgrund, das Weiterbildungsangebot regelmäßig zu besuchen, sagte der Kirchenmusiker im Kathpress-Interview. Internationale Gäste würden ihm jedes Jahr neue Inspiration schenken und Handwerkszeug mitgeben.
Die Werktage stehen allen Interessierten offen. Auch kurzentschlossene Chormitglieder, Instrumentalisten und Chorleiterinnen können sich noch für die Weiterbildung anmelden. (Info: www.kirchenmusik-evangelisch.at/event/11-oekumenische-werktage-fuer-kirchenmusik/)
Quelle: kathpress