
Schauspieler Hochmair: Ministrantenzeit prägte Zugang zu "Jedermann"
Schauspieler Philipp Hochmair sieht seine frühe Beschäftigung mit Kirche und Friedhof als prägend für seinen heutigen Zugang zur Rolle des "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen. "Der Friedhof war eine Gegenwelt. Er hat eine Ruhe ausgestrahlt, eine Ordnung, die meiner Seele gefallen hat", so Hochmair im Sommergespräch von radio klassik Stephansdom und der Kirchenzeitung "Der Sonntag"; das ganze Interview wird am 3. August um 19:00 Uhr gesendet. Besonders seine Zeit als Ministrant in der Wiener Pfarre Starchant habe ihn geprägt.
"Ich glaube schon, dass mich ein Nachhall aus der Zeit in diesem Stück trägt, wo es um Glauben, um Vergehen, um Sterben und um eine Hoffnung geht, dass nach dem Tod noch was ist", sagt der Schauspieler. Seine Verbindung zum Thema Tod beschreibt Hochmair nicht als belastend. Im Gegenteil. Aufgewachsen gegenüber dem Ottakringer Friedhof habe ihn die Welt rund um Begräbnisse und Friedhöfe interessiert. Während seines Zivildienstes in einem Pflegeheim habe er die Begleitung sterbender Menschen als natürliche Erfahrung erlebt.
Aktiv als Ministrant
Sein Zugang zu Religion beschreibt der 52-Jährige weniger über ein Bekenntnis als über eine persönliche Prägung und sein "Ministrantendasein". Die Rituale, das Evangelium und die kirchlichen Feste hätten ihn als Ministrant fasziniert. "Darüber ergibt sich eine Religiosität, dass man eine Art Bekundung zu einer Religion ausdrückt oder etwas beiträgt zu einem Glauben, der da ist, ja." Hochmair war acht Jahre lang in der Kirche aktiv, obwohl seine Eltern nicht regelmäßig am kirchlichen Leben teilnahmen.
Hochmair verkörpert die Figur des "Jedermann" seit 2013 in seinem Soloprogramm "Jedermann Reloaded" und seit 2024 bei den Salzburger Festspielen. Die Auseinandersetzung mit Tod und Vergänglichkeit begleitet ihn nach eigenen Angaben schon seit seiner Jugend. Bereits als Schüler habe er Goethes "Totentanz" auswendig gelernt und erstmals die Erfahrung gemacht, dass Literatur und Vortrag eine besondere Wirkung entfalten können.
Der "Jedermann" in der Regie von Max Reinhardt wurde am 22. August 1920 zur Eröffnung der ersten Salzburger Festspiele vor dem dortigen Dom aufgeführt. Das Stück, das seither in keiner Saison fehlt, umgibt inzwischen einen Mythos. Über die Jahre verkörperten Schauspielstars wie Klaus Maria Brandauer, Ulrich Tukur, Curd Jürgens, Peter Simonischek, Tobias Moretti oder Lars Eidinger die Titelrolle. Die österreichisch-französische Schauspielerin Roxane Duran spielt 2026 die Buhlschaft.
Quelle: kathpress