
Glockengeläut gegen Hunger: Grünwidl fordert mehr Hilfe statt Waffen
Mehr Investitionen in die Bekämpfung des Hungers statt in Waffen fordert der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl. Der weltweite Hunger sei "wirklich zu lösen", wenn die Weltgemeinschaft internationale Hilfsprojekte stärker unterstütze, so Grünwidl anlässlich des österreichweiten Glockengeläuts gegen den Hunger am Freitag. Wenn statt vieler Milliarden für Waffen internationale Projekte gegen Hunger finanziert würden, wäre "vieles möglich". An der von der Österreichischen Bischofskonferenz in Kooperation mit der Caritas getragenen Aktion beteiligen sich rund 3.000 katholische Pfarren. Weltweit leiden laut FAO-Bericht 2026 rund 645 Millionen Menschen an Hunger.
Die Kirchenglocken werden am Freitag um 15 Uhr österreichweit für fünf Minuten läuten. Schon zuvor setzten Grünwidl und Caritasdirektor Klaus Schwertner im Wiener Stephansdom im Rahmen eines Pressetermins gemeinsam ein Zeichen gegen Hunger und die Folgen der Klimakrise. Besonders betroffen seien Menschen in Ländern des Globalen Südens, wo Dürren und Überschwemmungen Ernten zerstörten und bestehende Krisen verschärften, hieß es.
Hunger ist vermeidbares Schicksal
Grünwidl betonte, die Glocken sollten nicht Schuldgefühle erzeugen, sondern "Menschen aufmerksam machen, wach machen und auf dieses Problem hinweisen". Niemand könne den Hunger allein aus der Welt schaffen, "aber wenn viele einen kleinen Beitrag leisten, dann kann Großes möglich werden".
Hunger, Klimakrise und Frieden seien globale Herausforderungen, "die man nicht isoliert betrachten darf" und gemeinsam bewältigt werden könnten, sagte Grünwidl. So habe die Klimakrise Hunger und Unterernährung noch einmal verschärft.
Besonders drastisch sei aktuell die Lage im Südsudan, "wo Konflikte, Armut und die Folgen der Klimakrise zusammenwirken und Millionen Menschen in existenzielle Not bringen", so der Caritasdirektor der Erzdiözese Wien. Hunger sei jedoch kein unvermeidbares Schicksal. Laut Schwertner sind Fortschritte noch immer möglich, als Voraussetzung nannte er jedoch politischen Willen, internationale Zusammenarbeit und Solidarität.
Gleichzeitig gerieten internationale Hilfsprogramme zunehmend unter Druck, kritisierte Schwertner: "Gerade jetzt braucht es globale Solidarität statt Rückzug." Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe seien keine freiwillige Wohltat, sondern Ausdruck gemeinsamer Verantwortung. Er forderte auch von der österreichischen Bundesregierung, ihr Engagement - wie im Regierungsprogramm festgeschrieben - und den Kampf gegen Hunger konsequent als politische Priorität zu stärken.
Die Caritas unterstützt im Südsudan unter anderem Ernährungszentren für unterernährte Kinder, Schulmahlzeiten sowie Programme zur Sicherung von Lebensgrundlagen durch klimaangepasste Landwirtschaft. Mit 20 Euro schenken Spenderinnen und Spender Kindern im Südsudan etwa warme Mahlzeiten für einen Monat, informierte die Hilfsorganisation.
Tödtling-Musenbichler: Folgen von Ungleichheit
Auch Caritas-Präsidentin Nora Tödtling-Musenbichler verwies darauf, dass Hunger dort entstehe, "wo Konflikte, Klimakrise und Ungleichheit zusammenkommen - und wo politisches Handeln ausbleibt". Als aktuelles Beispiel nannte sie den Norden Ugandas, wo Menschen infolge einer schweren Dürre an Hunger sterben. Solidarität dürfe nicht an Staatsgrenzen enden; erforderlich seien rechtzeitige Unterstützung und langfristige Maßnahmen zur Sicherung der Lebensgrundlagen.
Das Glockengeläut geht auf einen Beschluss der Österreichischen Bischofskonferenz aus dem Jahr 2025 zurück. Mit der Aktion zur Sterbestunde Jesu soll auf Menschen aufmerksam gemacht werden, die weltweit von Hunger betroffen sind.
(Caritas Spendenkonto: Erste Bank, BIC: GIBAATWWXXX, IBAN: AT47 2011 1890 8900 0000, Kennwort: Hungerhilfe oder Online-Spenden: www.caritas.at/hunger)
Quelle: kathpress