
Salzburg: Hochschulwochen zum Thema Identität eröffnet
Vor einer voll besetzten Großen Aula wurden am Montagmorgen die heurigen "Salzburger Hochschulwochen" eröffnet. Vom 3. bis 9. August lädt die renommierte und älteste Sommerhochschule im deutschen Sprachraum, die heuer ihr 95-jähriges Bestehen feiert, unter dem Generalthema "Wer wir sind und sein wollen. Identität: Superkraft und Problemzone" wieder zu Vorträgen, Workshops und Diskussionen im Grenzgebiet von Theologie, Philosophie, Sozial- und Naturwissenschaften ein. Eröffnet wurde die "smarte Salzburger Sommerfrische" traditionell vom Salzburger Erzbischof Franz Lackner. Weitere Grußworte sprachen u.a. die Salzburger Landeshauptfrau Karoline Edtstadler sowie der Rektor der Universität Salzburg, Bernhard Fügenschuh.
Auf den Zusammenhang der Frage nach der je eigenen, einzigartigen Identität des Menschen und der christlichen Idee der Seele, die dem Menschen geschenkt ist, verwies Erzbischof Lackner in seinen Eröffnungsworten. Der Gedanke, "dass jeder Mensch auf geheimnisvolle Weise einzigartig ist und Einzigartiges schafft" lade zum Staunen und Nachdenken ein. Das Christentum füge diesem Gedanken jedoch eine wichtige Wendung hinzu, indem es den Menschen nicht als Monade, sondern als soziales Wesen denkt und fragt: "Wer bin ich für dich?" Identität hänge christlich daher stets mit dem Mitmenschen und der Beziehung zum Mitmenschen zusammen, betonte Lackner.
Landeshauptfrau Caroline Edtstadler (ÖVP) würdigte die Hochschulwochen als einen traditionsreichen Ort des "genauen Nachdenkens" und der Bearbeitung zentraler Fragen der Gegenwart "aus einer klaren Haltung heraus und unseren Werten verpflichtet". Zur im Titel des Hochschulwochen-Themas anklingenden "Superkraft" erweise sich Identität immer dann, wenn diese Reflexion mit "Empathie und Erneuerungswillen" sowie der Bereitschaft einhergehe, einander zuzuhören. "Das Zuhören ist die wahre Superkraft unserer Gemeinschaft", so die Landeshauptfrau.
Bedrängende Erfahrung von Disruption
Auch Rektor Fügenschuh verwies auf den Zusammenhang von Identität und Gemeinschaft. Ohne menschliche Gemeinschaft und Gesellschaft wäre die Frage nach Identität schließlich sinnlos. Hinter der Frage der Identität stehe daher immer auch die Sehnsucht nach Anerkennung und Wertschätzung, so Fügenschuh. Grußworte sprach außerdem als Vertreter der Stadt Salzburg Bürgermeister-Stellvertreter Kay-Michael Dankl (KPÖ PLUS). Er appellierte, bei aller Bedrängnis durch die Krisen der Gegenwart nicht die Zuversicht zu verlieren, dass Herausforderungen gemeistert werden können. "Unsere Vorstellung, wie wir sein wollen, ist weiter entwickelt als je zuvor. Es gibt mannigfaltige Identitäten und viel Verbindendes", so Dankl.
Auf die lebensweltliche Brisanz von Identität verwies der Obmann der Hochschulwochen, Prof. Martin Dürnberger. "Durch die Ritzen des Alltags dringt aktuell gerade die Erfahrung von Disruption, Bruch und Transformation. Und diese Erfahrung stellt uns ganz explizit vor die Frage, wer wir eigentlich sind und sein wollen inmitten dieser Veränderungen." Zur "Superkraft" werde Identität, wo sie dazu befähige, mit diesen Brüchen umzugehen - zugleich lauere darin auch eine Gefahr: "Man kann alles zur Identitätsfrage hochjazzen und damit billig mobilisieren, man kann damit das Neue, Fremde, Andere abwerten und mit einem kernigen Mia san Mia innere Diversität ausblenden."
Dichtes Vortrags- und Workshop-Programm
Die seit 1931 existierenden Salzburger Hochschulwochen sind die älteste Sommeruniversität im deutschen Sprachraum. Unter den Vortragenden sind heuer der renommierte Soziologe Andreas Reckwitz, der Politikwissenschaftler Reinhard Heinisch, der Astrophysiker Franz Kerschbaum und der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz. Außerdem wird auch das franziskanische Jubiläumsjahr (800. Todestag des hl. Franziskus) thematisch berücksichtigt.
Neben dem dichten Vortrags-, Workshop- und Diskussionsprogramm werden in ihrem Rahmen u. a. ein "Theologischer Preis" für ein Lebenswerk sowie die sogenannten "Publikumspreise" für den wissenschaftlichen Nachwuchs vergeben. Den "Theologischen Preis" für ein Lebenswerk erhält in diesem Jahr die Theologin und Ordensfrau Martha Zechmeister. Die Verleihung findet am 5. August in der Aula der Universität Salzburg statt.
Sommerfest im Garten des Erzbischofs
Tags darauf findet am 6. August die Verleihung der "Publikumspreise" für den wissenschaftlichen Nachwuchs statt. Hierbei treten drei Kandidaten in 20-minütigen Vorträgen "gegeneinander an" - und das Publikum entscheidet schließlich per Voting, welcher Vortrag am meisten überzeugt hat. (Infos: www.salzburger-hochschulwochen.at/theologischer-preis und www.salzburger-hochschulwochen.at/publikumspreis)
Im Anschluss an die Verleihung der Publikumspreise findet traditionell ab 17 Uhr das Sommerfest im Garten von Erzbischof Franz Lackner statt. Eingeladen sind dazu - u. a. mit einer Talkrunde mit Erzbischof Lackner und Obmann Dürnberger - alle Teilnehmenden der Hochschulwochen. Ein besonderes Highlight ist zudem das Format "Meet the Artist" am 6. August, bei dem sich der Schauspieler Jens Harzer in einem moderierten Künstlergespräch den Fragen der Teilnehmenden stellen wird. Er spielt in diesem Jahr bei den Salzburger Festspielen im Stück "Schnee von gestern, Schnee von morgen" - eine Uraufführung von Peter Handke.
Den Festvortrag zum Abschluss der Hochschulwoche am 9. August hält heuer der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz. Zudem wird im Rahmen des Festaktes von Erzbischof Lackner traditionell das Thema der Hochschulwochen des kommenden Jahres genannt. (Infos: www.salzburger-hochschulwochen.at)
Quelle: kathpress