
Mariazell: 30. Roma-Wallfahrt verbindet Glauben und Erinnerung
Die Marienverehrung hat für viele Roma eine besondere Bedeutung. Am 9. August pilgern Roma, Sinti und Lovara aus Österreich und anderen europäischen Ländern bereits zum 30. Mal gemeinsam zur Basilika Mariazell. Heuer werde die Basilika wieder zu einem Ort, "an dem wir nicht nur unseren Glauben, sondern auch unsere Kultur leben können", erklärte Manuela Horvath, Referatsleiterin der Roma-Pastoral der Diözese Eisenstadt, im Kathpress-Interview. Die Messe um 10 Uhr wird Weihbischof Franz Scharl feiern, der in der Österreichischen Bischofskonferenz für die Seelsorge an Migranten, anderssprachigen Gemeinden sowie für die Volksgruppen der Roma, Sinti und Jenischen zuständig ist.
Auch die Gemeinschaft und der Austausch mit Menschen außerhalb der Volksgruppe sollen bei der Feier im Mittelpunkt stehen, sagte Horvath. So werden Lieder auf Romanes und Deutsch gesungen, darunter auch Lieder aus dem Gotteslob. Musikalisch gestaltet wird die Messe von der jungen Gruppe Post Meridiem, die aus einer Roma- und einer Nicht-Roma-Musikerin besteht und mit ihrer Musik Freundschaft und Verbundenheit zum Ausdruck bringt.
In der Diözese Eisenstadt organisiert die Romapastoral die Reise nach Mariazell. Eine Gruppe mit rund 60 Personen startet am Sonntag um 6 Uhr in Oberwart. Aufgrund der Nachfrage wurde erstmals auch ein Bus für Wallfahrerinnen und Wallfahrer aus Wien organisiert, berichtete Horvath. Unterstützt wird die Fahrt durch eine Förderung aus der Volksgruppenförderung des Bundeskanzleramts.
Ein besonderes Zeichen setzen Kinder und Jugendliche mit einer eigens gestalteten Wallfahrtskerze. Das Thema Frieden wurde dabei künstlerisch aufgegriffen. Der Gabenzug werde sich mit der Geschichte sowie der aktuellen Situation von Roma und Sinti in Österreich und Europa beschäftigen, kündigte Horvath an.
Gedenken
Im August 1996 wurde der Bittgang zur Magna Mater Austriae - nach dem Verbot durch die Nationalsozialisten - von den österreichischen Roma-Vereinen wieder ins Leben gerufen. In Österreich erinnert der Nationale Holocaust-Gedenktag für Roma und Sinti an die Ermordung von rund 4.300 Roma und Sinti in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Zum zweiten Mal fand heuer im Vorfeld eine Kranzniederlegung im Weiheraum beim Äußeren Burgtor in Wien statt. "Die Erinnerung an die traurige Vergangenheit soll ein Impuls sein, die Zukunft menschenwürdig zu gestalten", sagte Pfarrer Matthias Platzer, der geistliche Assistent der Romaseelsorge der Diözese Eisenstadt gegenüber Kathpress.
Die Kirche habe eine Gedenkkultur, die Verstorbene im Gedächtnis behalte, so der Priester. Im Burgenland ist das Anzünden von Kerzen ein zentraler Teil der Gedenkkultur für verfolgte und ermordete Roma. Orte wie das Mahnmal für das Roma-Attentat in Oberwart, Gedenktafeln in Jabing oder der Kirchenpark in Neusiedl am See bieten eigens gestaltete Plätze, an denen Angehörige und Bürger Kerzen, Blumen und Steine ablegen.
Quelle: kathpress