
Weinbau im Stift Klosterneuburg: "Tradition heißt nicht Stillstand"
Sinkender Weinkonsum, Klimawandel, Preisdruck und die Ausbreitung der Amerikanischen Rebzikade zwingen auch Österreichs traditionsreiche Weinbaubetriebe zur Anpassung. "Tradition heißt aber nicht Stillstand", betonte Weingutsleiter des Stifts Klosterneuburg Peter Frei im Gespräch mit Kathpress. So hat das 900 Jahre alte Weingut mit alkoholfreiem Wein sowie Traubensaft und Verjus auf veränderte Konsumgewohnheiten reagiert. Zugleich bleibe der Weinbau ein zentraler Bestandteil der jahrhundertealten Klostergeschichte, meinte Frei. Die Geschichte des Weinguts ist eng mit der Gründung des Stifts Klosterneuburg im Jahr 1114 verwoben; heute werden auf 120 Hektar Reben angebaut.
Das Stift Klosterneuburg betreibt seit Jahrhunderten Weinbau, und wie "uns die Geschichte gelehrt hat, kann ein Schädling eine Branche nicht so leicht ausrotten", meinte Frei zur aktuellen Ausbreitung der Amerikanischen Rebzikade, die als Überträgerin der Goldgelben Vergilbung eine erhebliche Gefahr für den Weinbau darstellt. Laut Medienberichten soll es etwa im Burgenland bereits Rodungsbescheide für befallene Weingärten geben.
Die Reblaus habe zu Forschungen und neuen Züchtungen geführt, Ähnliches werde nun auch bei der Rebzikade notwendig sein. "Wir hoffen, dass bis zum Finden einer Lösung nicht allzu große Schäden passieren", so Frei. Eine besondere Herausforderung sieht er in den heutigen nachhaltigen Produktionsmethoden: Der weitgehende Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel erhöhe die Anfälligkeit der Pflanzen.
Es wird weniger getrunken
Auch der Markt verändert sich. Den seit Jahren rückläufigen Weinkonsum spüre man auch in Klosterneuburg, so Frei. Die Kundinnen und Kunden seien einerseits preissensibler geworden, achteten andererseits aber stärker auf Qualität, Regionalität und Nachhaltigkeit. "Dadurch wird vielleicht weniger Wein getrunken", sagte der Weingutsleiter. Das Stiftsweingut reagiere auf die Entwicklung mit einem breiteren Sortiment, wie Traubensaft, Verjus und entalkoholisiertem Wein.
Zusätzlich steht der österreichische Weinbau international unter Druck. Für ein Weingut der Größe von Stift Klosterneuburg sei ein gewisser Exportanteil unumgänglich, erklärte Frei. Von den aktuellen US-Zöllen sei das Stift aufgrund seines vergleichsweise geringen US-Geschäfts nicht unmittelbar stark betroffen. Schwieriger sei die Situation auf dem europäischen Markt: Französische und italienische Weine würden nach Österreich drängen sowie auf wichtige Exportmärkte wie Deutschland und Skandinavien. Gleichzeitig sinke auch dort der Weinkonsum. Das führe regelmäßig zu Preiskämpfen, denen sich auch das Stiftsweingut nicht entziehen könne.
Weinbau mit Geschichte
Der Weinbau ist im Stift nicht nur historisch, sondern auch wirtschaftlich und kulturell von Bedeutung. Markgraf Leopold III. ließ 1114 den Grundstein zur Stiftskirche legen, bei der Weihung der Stiftskirche 1136 soll bereits Wein aus dem eigenen Weingut ausgeschenkt worden sein. Auch wissenschaftlich hat Klosterneuburg eine lange Weinbautradition: 1860 wurde dort die erste Weinbauschule der Welt gegründet. Auf Initiative der Augustiner-Chorherren wurde zudem erstmals die Rebsorte St. Laurent ausgepflanzt.
Die Chorherren von Klosterneuburg sind eine "Priestergemeinschaft", die vor allem in der Pfarrseelsorge tätig ist. Die Chorherren betreuen 23 Pfarren in der Erzdiözese Wien, eine in der Diözese St. Pölten sowie weitere Pfarren in den USA und in Norwegen. Das Stift zählt derzeit 39 Chorherren, dazu kommen rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den verschiedensten Bereichen des Stifts, das auch ein bedeutendes wirtschaftliches, kulturelles und wissenschaftliches Zentrum ist.
Quelle: kathpress