
Schöpfungszeit: Katholische Aktion fordert ökologische Umkehr
Die bewusste Hinwendung zur "Mit- und Umwelt" erhöht die Chancen auf eine lebenswerte Zukunft für alle Menschen: Daran hat das Präsidiumsteam der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ) anlässlich der am 1. September beginnenden "ökumenischen Schöpfungszeit" erinnert. "Dazu braucht es auf allen Ebenen und allen Lebensfeldern eine konsequente sozial-ökologisch-spirituelle Lebenspraxis, sowohl auf der individuellen Seite als auch auf struktureller Ebene", ruft KAÖ-Präsident Ferdinand Kaineder in einer Aussendung vom Dienstag auf. Der Hitzesommer zeige einmal mehr, dass überall eine ökologische Umkehr und ein neues Verständnis von Mitweltgerechtigkeit notwendig seien. Die Schöpfungszeit verstehe sich als Einladung an Einzelne ebenso wie an Verantwortungsträger.
"Wir sehen einerseits eine Art von 'Klimaangst' und andererseits das Gefühl des Nichts-Tun-Könnens. Diese gefährliche Mischung, die derzeit vor allem von rechtspopulistischen Kräften bewirtschaftet wird, spornt uns an zum Handeln", so Kaineder. Die allerorten sichtbaren und spürbaren Fakten der Klimaveränderung würden durch mentale Scheuklappen verdrängt. Eine große Mehrheit der Bevölkerung wünsche sich mehr Klimaschutz-Maßnahmen von Politik und Wirtschaft.
Die Katholische Aktion sieht darin einen Nährboden für einen glaubwürdigen und ernst gemeinten Klimaschutz durch ein konsequentes Klimaschutzgesetz. Kaineder: "Österreich braucht dringend ein Gesetz, das den Klimaschutz im Namen hat. Denn es geht um den Schutz unserer Lebensbasis für die Zukunft. Auch eine Wirtschaft, die den Klimakatastrophen weiter ausgesetzt wird, ist nicht zukunftsfähig."
Von der Bundesregierung fordert die KAÖ ein Klimaschutzgesetz mit klaren Zielen, Maßnahmen und Verbindlichkeiten. Dazu zählt sie einen Stopp der Errichtung neuer Autobahnen und Schnellstraßen, einen konsequenten Ausstieg aus allen fossilen und Einstieg in erneuerbare Energieträger sowie einen Plan zur Reduktion des Energieverbrauchs. Zudem müssten umweltschädliche Förderungen wie steuerbefreites Kerosin zum Fliegen, Dieselprivileg oder Pendlerpauschale beendet und der Bodenverbrauch reduziert werden.
Kaineder: "Es braucht ein tiefgreifendes Umdenken und ein Nachjustieren von Lebensentwürfen. Die Schöpfungszeit kann ein Antrieb dafür sein, politisch und wirtschaftlich endlich eine Gestalterrolle einer sozial-ökologisch-nachhaltigen Gesellschaft einzunehmen."
Eigene Lebenspraxis reflektieren
Auch jeder Einzelne könne und solle in der Schöpfungszeit seinen Beitrag leisten, so die Katholische Aktion. Die kirchliche Laienorganisation regt an, die eigene Lebenspraxis etwa bei Ernährung und Konsum, Energie und Ressourcen, Mobilität, Gemeinschaft und politischem Engagement zu reflektieren und gegebenenfalls zu verändern. "Gerade diese Zeit einer genügsameren Lebenspraxis eröffnet die Chance, im Weniger das Wesentliche zu erkennen und zu genießen", ist Kaineder überzeugt.
Als konkrete Beispiele dafür werden unter anderem regionaler und saisonaler Einkauf und die Reduktion des Fleischkonsums genannt, zudem weniger Plastik und Lebensmittelverschwendung, ein geringerer Strom- und Wasserverbrauch, die Nutzung von Öffis, Carsharing und Mitfahrgelegenheiten sowie der Verzicht auf Flugreisen. Auch gemeinschaftliche Aktivitäten wie gemeinsame Gärten, Tauschbörsen, Vorträge und Gottesdienste könnten einen genügsamen Lebensstil stärken. Zum politischen Engagement zählt die KAÖ unter anderem Petitionen, Briefe an Zuständige, Kooperationen und die Übernahme politischer Verantwortung.
Quelle: kathpress