
Freikirchen-Verantwortliche: "Wollen Beitrag für Österreich leisten"
Rund 20.000 Mitglieder zählen derzeit die "Freikirchen in Österreich". Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von fünf Bünden, die gemeinsam unter einem Dach firmieren und dergestalt in Österreich staatlich anerkannt sind. Rund 225 Gemeinden in ganz Österreich gehören dazu. Vorsitzender ist aktuell Pastor Peter Zalud, als Generalsekretärin fungiert Claudia Krupensky. In einer neuen Folge des Podcasts "Wer glaubt, wird selig" geben Zalud und Krupensky einen Einblick in die "Freikirchen in Österreich". "Wir sind noch eine sehr junge Kirche von den Strukturen her, flexibel und im Aufbau", so Zalud, "aber das Herzblut und das Engagement in vielen unserer Gemeinden ist beachtlich. Und wir wollen unseren Beitrag für das Land leisten und unsere christliche Verantwortung wahrnehmen."
Zalud und Krupensky gehören der "Freien Christengemeinde - Pfingstgemeinde in Österreich" an. Daneben gehören zu den "Freikirchen in Österreich" noch der Bund der Baptistengemeinden in Österreich, der Bund Evangelikaler Gemeinden in Österreich, die Elaia Christengemeinden und die Mennonitische Freikirche Österreich. Laut Statut wechselt der Vorsitz alle zwei Jahre unter den Bünden.
Die Freikirchen "wollen Räume schaffen, wo der Glaube wirklich reifen und sich entwickeln kann in Form von kleinen Gruppen", erläuterte der Vorsitzende. Was etwa seine eigene Freikirche besonders ausmache, so Zalud, sei das Lob Gottes: "Wir sind sicherlich eine Bewegung, die dafür bekannt ist, Gott bewusst groß zu machen, zu loben und zu ehren", so der Pastor. Nachsatz: "Das wird uns auch manchmal negativ ausgelegt." Er sei aber überzeugt: "Gerade in Zeiten der Krise und der Herausforderungen ist es immer wieder gut, bewusst Gott groß zu machen, Gott zu loben, für das, was er uns auch zugesagt hat." Eine besonders wichtige Rolle spiele auch der Heilige Geist, "dass wir wirklich ganz bewusst auf diese Kraft des Heiligen Geistes vertrauen".
Die freikirchlichen Gottesdienste seien auch "etwas lebendiger, manchmal auch etwas lauter und etwas beschwingter und auch emotionaler" als in anderen Kirchen. Zentral sei für die Freikirchen zudem auch das Bemühen, das Wort Gottes im Alltag der Menschen zu verankern.
Generalsekretärin Krupensky berichtete zudem von einem vielfältigen gesellschaftlichen Engagement der einzelnen Gemeinschaften und Gruppen, seien es sozial-diakonische Dienste, der Einsatz gegen Menschenhandel oder gegen Christenverfolgung weltweit.
Taufe erst ab 14
Einige weitere Einblicke: Die Freikirchen finanzieren sich durch Spenden. Die Freikirchen unterscheiden zudem zwischen außerordentlichen und ordentlichen Mitgliedern. Kinder werden nicht getauft, da dies für die Freikirchen einer bewusst getroffenen Glaubensentscheidung bedarf. Kinder würden gesegnet, gemeinsam mit den Eltern und die ganze Gemeinde betet für sie. Etwa ab dem 14. Lebensjahr sei die Taufe möglich.
Mit der staatlichen Anerkennung ist in Österreich auch das Recht und die Pflicht zum schulischen Religionsunterricht verbunden. Im Fall der Freikirchen bedeutet das, dass ca. 2.500 Kinder von 130 Religionslehrerinnen und Religionslehrern unterrichtet werden, berichtete Krupensky.
Annäherung an die Ökumene
Im Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) sind derzeit 18 Kirchen vertreten, darunter mit den Baptisten nur einer der fünf Bünde der Freikirchen. Krupensky räumte ein, dass es unter den Freikirchen teils noch - historisch bedingt - Skepsis gegenüber dem ÖRKÖ gebe, man bemühe sich nun aber von beiden Seiten um eine Annäherung und sei im Gespräch.
Pastor Zalud ergänzte: "Wir wollen nicht als Fordernde kommen oder als jemand, der etwas erwartet. Wir stellen vielmehr die Frage: Was können wir an Beitrag leisten zum Gemeinwohl in unserem Land? Und hier wollen wir in Ergänzung zu den anderen Kirchen im Land unseren Anteil übernehmen." Dazu gelte es, im ökumenischen Gespräch "Vorurteile abzubauen, Missverständnisse zu klären, Beziehungen zu knüpfen und neue Räume der Begegnung zu schaffen". Wie Krupensky anfügte, würde die Ökumene auf lokaler Ebene an vielen Orten bereits sehr gut funktionieren.
Bis zu 700 Mio. Mitglieder
Weltweit zählen rund 500 bis 700 Mio. Christinnen und Christen zu den Freikirchen, wobei es weder genaue Zahlen noch genaue Zuordnungen und schon gar keine straffen weltweiten Strukturen gibt. Ein klarer Blick auf die jeweils konkrete Kirche sei deshalb notwendig, räumte Zalud ein. Die Bezeichnung "Freikirche" allein sei noch kein Gütesiegel, so der Pastor, der auch jedwede politische Instrumentalisierung zurückwies.
Zur Frage, was er vom Papst halte, meinte der Pastor, er wolle zwischen der Institution des Papsttums und den Persönlichkeiten unterscheiden, die dieses wichtige Amt bekleiden. "Ich habe gerne mit Freude die Bücher der vergangenen Päpste gelesen und bin darin sehr fündig geworden an wertvollen Gedanken, Erkenntnissen und Einsichten", so Zalud wörtlich, der im Podcast auch sehr freimütig über seine eigene Lebensgeschichte erzählte: Katholisch aufgewachsen, fand er nach einer schweren familiären Krise bei einer freikirchlichen Gemeinde eine neue Heimat.
Konferenz "Lead 26"
Am 6. und 7. November findet in Wien (Expedithalle Wien, Absberggasse 27, 1100 Wien) die Konferenz "Lead 26 - Führen mit Charakter" statt. Pastor Zalud ist einer der Referenten: "Wir wollen gemeinsam in ergänzender und wertschätzender Weise Verantwortungsträger und Führungskräfte in unserem Land ermutigen, gerade in diesen herausfordernden Zeiten sich der Substanz des Glaubens an Jesus Christus gewahr zu werden und das praktisch hineinfließen zu lassen in den Arbeitsalltag." Nachsatz: "Das kann ein sehr, sehr wichtiger und positiver Beitrag für unsere Gesellschaft sein."
Weiters mit dabei als Referentinnen und Referenten sind u. a. Nicky Gumbel, Begründer der Alpha-Kurse, der Para-Schwimmer und TV-Moderator Andreas Onea, der im Rollstuhl sitzende deutsche Schauspieler und Autor Samuel Koch, die Wiener Politikerin Gudrun Kugler oder der für die katholische Kirche im "Weg der Versöhnung" engagierte Wiener Diakon Johannes Fichtenbauer.
Der von der ökumenischen Radioagentur Studio Omega produzierte Religionspodcast "Wer glaubt, wird selig" ist auf der Website der katholischen Kirche in Österreich (www.katholisch.at), www.studio-omega.at, https://studio-omega-der-podcast.simplecast.com sowie allen gängigen Podcast-Plattformen abrufbar.
(Website der Freikirchen in Österreich: https://freikirchen.at/)
Quelle: kathpress