
NGO: Dürre und Kämpfe verschärfen Hungerkrise in Tigray
Ausgebliebener Regen, massive Ernteausfälle und erneut aufgeflammte bewaffnete Auseinandersetzungen verschärfen die humanitäre Krise in der nordäthiopischen Region Tigray. Beispielgebend für eine "vergessene Krise" warnt die österreichische Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt anlässlich des "Welternährungstags" am Freitag (16. Oktober) vor einer weiteren Verschlechterung der Versorgungslage. "Nach dem Bürgerkrieg und all seinen schrecklichen Auswirkungen haben die anhaltende Trockenheit und die nun wieder aufgeflammten Kampfhandlungen die äußerst prekäre Nahrungsmittellage in der Tigray-Region zusätzlich verschärft", so Wolfgang Wedan, Globaler Nothilfe-Koordinator von Jugend Eine Welt, in einer Aussendung.
"Die Menschen kämpfen wirklich ums tägliche Überleben", sagte Wedan. So seien Lebensmittel und sauberes Trinkwasser vielerorts kaum noch verfügbar. Weiters würden die Preise für verbliebene Waren steigen; auch Transportwege seien durch Straßensperren und Sicherheitsrisiken blockiert.
Die Folgen des Wetterphänomens El Nino sind laut der NGO in Tigray spürbar. In Teilen der Region sind die lebenswichtigen Regenfälle ausgeblieben, wodurch die Ernte des traditionellen Getreides stark beeinträchtigt ist. Für viele Familien fehle damit eine zentrale Grundlage ihrer Ernährung, hieß es. Auch die Nutztiere litten unter dem Mangel an Wasser und Futter, was Notschlachtungen zur Folge habe.
Als besonders prekär bezeichnete Jugend Eine Welt die Lage im Norden und Osten Tigrays, unter anderem rund um die Stadt Adigrat, wo die langjährigen "Jugend Eine Welt"-Projektpartner, die Salesianer Don Boscos, seit Jahrzehnten tätig sind. Lebensmittel seien entweder kaum erhältlich oder unerschwinglich; weiters erschwerten geschlossene Banken den Zugang zu Bargeld, so das Hilfswerk.
"Die Dürre und der erneute Konflikt verstärken sich gegenseitig", mahnte Wedan. Und weiter: "Wenn die Ernten ausfallen, fehlt den Familien ihre wichtigste Nahrungsquelle. Wenn gleichzeitig die Transportwege blockiert sind, kommen auch dringend benötigte Lebensmittel und Hilfsgüter nicht ausreichend an." Der Nothilfe-Koordinator drängte zur raschen Hilfe: "Denn wenn die letzten Vorräte aufgebraucht sind, droht eine schwere Hungerkatastrophe."
"Jugend Eine Welt"-Nothilfe läuft weiter
Gemeinsam mit den Salesianern setzt Jugend Eine Welt die bestehenden Hilfsmaßnahmen in Tigray fort. Das Programm "Hope for Tigray", das von der Austrian Development Agency gefördert wird, verbinde akute Nothilfe mit Maßnahmen zum Schutz und zur Förderung von Kindern und Jugendlichen, hieß es. Zu den Hilfsleistungen zählen die Versorgung mit Lebensmitteln und sauberem Trinkwasser sowie die Bereitstellung von Nahrungsergänzung für mangelernährte Kinder, Schwangere und stillende Mütter.
Als wichtige Anlaufstelle bezeichnete das Hilfswerk auch die aus Sicherheitsgründen geschlossenen Schulen der Salesianer. "Die Lehrkräfte sind vor Ort. Gemeinsam bieten sie Nachmittagsunterricht und Nachhilfe an", so der Globale Nothilfe-Koordinator von Jugend Eine Welt. Zudem erhalten Betroffene psychosoziale Unterstützung und Kinder finden in eigens gestalteten Bereichen - sogenannten Child Friendly Spaces - geschützte Räume zum Spielen, Lernen und zur Verarbeitung belastender Erlebnisse.
(Infos: www.jugendeinewelt.at; Spendenkonto: AT66 3600 0000 0002 4000, Onlinespenden unter www.jugendeinewelt.at/spenden)
Quelle: kathpress