
Neuer evangelischer Dekan zu Uni-Budget: Die fetten Jahre sind vorbei
"Die fetten Jahre sind vorbei": Mit diesen Worten hat der neue Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, Prof. Markus Öhler, das neue Studienjahr angesichts der in Aussicht gestellten Kürzungen im Uni-Budget eröffnet. Die Fakultät hatte - ebenso wie die katholisch-theologische - zur Teilnahme an der Großdemonstration am Donnerstag aufgerufen; auch Öhler ist mitmarschiert, wie er in der aktuellen Folge des Theologie-Podcasts "Diesseits von Eden" betonte. Das sei aus seiner Sicht eine Selbstverständlichkeit, da es alle gleichermaßen betreffe und es daher wichtig sei, Präsenz und Solidarität zu zeigen. Zudem wollte er auf diese Weise "auf die Bedeutung evangelischer Theologie" für die Universität wie für die Gesellschaft hinweisen.
"Es geht darum, deutlich zu machen, dass evangelische Theologie als Wissenschaft unverzichtbar ist", erklärte in dem Gespräch auch die letzte Dekanin und Wiener Kirchenhistorikerin Prof. Uta Heil. Bei Sparmaßnahmen würden gerade die kleineren Fächer rascher unter Druck geraten - und dazu zähle die Evangelisch-Theologische Fakultät mit ihren aktuell rund 180 Studierenden ebenso wie andere Geisteswissenschaften. Sparmaßnahmen würden sich an geisteswissenschaftlichen Fakultäten letztlich nur durch Einsparungen beim Personal ergeben - entsprechend gehe man davon aus, dass es Kürzungen geben werde - auch wenn man zuversichtlich bleibe, dass die noch offenen Stellen wie etwa eine Professur im Bereich der Pastoraltheologie demnächst besetzt werden.
Sparmaßnahmen "nach dem Gießkannenprinzip"
"Die große Sorge ist, dass kurzfristige Sparvorgaben nach dem Gießkannenprinzip umgesetzt werden und frei werdende Stellen einfach unbesetzt bleiben" - mit erheblichen Folgen, da darunter die Lehre leide und dies auch "ohne langfristige Entwicklungsperspektive" erfolge, erklärte Heil weiter. Die Unsicherheit werde jedenfalls steigen, zeigte sich Öhler überzeugt; "und damit steigt auch der Bedarf an Moderation und Erklärungen für unpopuläre Entscheidungen".
Dabei seien die Zahlen an Studierenden trotz allem stabil - 25 Studienanfänger in der Fachtheologie gab es heuer; hinzu komme außerdem, dass der seit zwei Jahren gemeinsam mit der katholisch-theologischen Fakultät durchgeführte Masterstudiengang "Religion in Europe" sich gut entwickle und aktuell etwa 15 Studierende zähle. Eine forcierte Debatte über die Sinnhaftigkeit theologischer Fächer an öffentlichen Universitäten gebe es aktuell nicht, zeigten sich Öhler und Heil überzeugt.
Wachsender Bedarf an Aufklärung in digitaler Gesellschaft
Im Gegenteil: Gerade in interdisziplinären Projekten würde der Theologie mit Respekt und Anerkennung begegnet - und die vielfältigen Kompetenzen, die ein so komplexes Studium wie jenes der Theologie vermittle, seien dringend notwendig in einer immer digitaler werdenden Gesellschaft. Öhler: "Die Fähigkeit zu prüfen, wo Fake News entstehen, wie Informationen manipuliert werden und welche Inhalte künstliche Intelligenz ohne reale Grundlage erzeugt, wird immer wichtiger. Das betrifft die wissenschaftliche Theologie ebenso wie ihre Vermittlung in Kirche und Gesellschaft. In den kommenden Jahren wartet hier viel Arbeit auf uns. Darauf müssen und wollen wir vorbereitet sein."
(Podcast-Folge "Evangelische Theologie in Österreich: Wofür sie steht und kämpft" zum Nachhören und Nachlesen: https://diesseits.theopodcast.at/evangelische-theologie-in-oesterreich-wofuer-sie-steht-und-kaempft)
Quelle: kathpress