
Vorarlberg: Totentanz-Theater erinnert an NS-Opfer Carl Lampert
Das Schicksal des von den Nationalsozialisten hingerichteten Priesters Carl Lampert (1894-1944) steht im Mittelpunkt der Theaterinszenierung "Alles ist hin. Totentanz auf dem Liebfrauenberg". Das eigens für den Friedhof der Basilika Rankweil entwickelte Stück ist Teil der diesjährigen Carl-Lampert-Woche, die unter dem Titel "Remanenz. Von der Gegenwart des Vergangenen" danach fragt, wie die Vergangenheit bis heute nachwirkt. Die Aufführungen finden am 11., 12. und 13. November jeweils um 19.30 Uhr statt. Dabei verwandelt sich der Friedhof der Basilika in eine Bühne, auf der eine Lebende der Todin begegnet, begleitet von Schauspiel, Musik, Licht und Singstimmen des Vorarlberger Landestheaters, kündigten die Veranstalter an.
Von der erhöhten Perspektive des überdachten Wehrgangs aus verfolgt das Publikum das Geschehen zwischen Grabsteinen und alten Mauern. Der Tod tritt als Frau auf, als "Todin", die ihre Gesprächspartnerin durch verschiedene literarische Welten führt. Dantes Jenseitsreise, Goethes Faust, die Erinnerungslandschaften Carlos Ruiz Zafóns, Bulgakows teuflischer Besucher und Saramagos Vorstellung einer Welt, in der plötzlich niemand mehr stirbt, bilden die Stationen dieses ungewöhnlichen Totentanzes, heißt es in der Ankündigung. In der Mitte steht Carl Lampert, dessen Schicksal die Frage aufruft, "was einem Menschen genommen werden kann und worüber selbst die Gewalt nicht uneingeschränkt verfügt".
Den Text schrieb Elisabeth Heidinger eigens für den Aufführungsort. Regie führt Stephanie Gräve, die zugleich die Todin verkörpert. Elke Maria Riedmann spielt die Lebende, Johannes Lepper übernimmt die Sprecherrolle. Musik für Orgel und Violine sowie die Stimmen eines "Bürger:innenchors" begleiten die Inszenierung.
Das Theaterstück ist eine Kooperation der Pfarre Rankweil und dem Mesnerstüble Rankweil. Der Kulturverein Mesnerstüble veranstaltet das Theaterstück im Rahmen der Kulturfesttage "Von den letzten Dingen", die noch bis 13. November auf dem Rankweiler Liebfrauenberg stattfinden. Im Mittelpunkt stehen dabei Erinnerungskultur, Tod und Vergänglichkeit sowie die Frage, wie Gesellschaften mit dem Gedenken an vergangene Generationen umgehen. Das Programm umfasst neben dem Totentanz-Theater "Alles ist hin" unter anderem Lesungen, einen Märchenabend sowie ein interkulturelles Totenmahl. (Info: www.mesnerstueble.com)
Carl-Lampert-Woche
Am 13. November 1944 wurde Carl Lampert im Zuchthaus Roter Ochse in Halle an der Saale hingerichtet. Die Nationalsozialisten hatten den 50-Jährigen wegen seiner Haltung und seines Widerstands gegen das Regime verfolgt.
Rund um den 13. November beschäftigt sich die Carl-Lampert-Woche im Rahmen verschiedener Veranstaltungen mit seinem Erbe. Die Inszenierung "Wolke von Zeugen" fragt etwa am 14. November in der Pfarrkirche Höchst, was Johannes den Täufer, den vor rund 2.000 Jahren hingerichteten Kirchenpatron von Höchst, mit Carl Lampert verbindet. Am 13. November wird zudem um 19 Uhr in der Stadtpfarrkirche St. Martin in Dornbirn eine Gedenkmesse zum 15. Jahrestag der Seligsprechung Lamperts gefeiert. (Info: www.kath-kirche-vorarlberg.at/portal/aktuelles/article/12222.html)
Quelle: kathpress