
"First Volunteer" Doris Schmidauer: Frauensolidarität stärken
Auf die Herausforderungen von Frauen in Leitungspositionen, die Beharrlichkeit kirchlich engagierter Frauen und die Notwendigkeit, kontinuierlich für Gleichberechtigung einzutreten hat Doris Schmidauer, die Frau von Bundespräsident Alexander Van der Bellen und "First Volunteer", im Rahmen einer Dialogreihe des Netzwerks "Frauen.Führen.Kirche" am Freitag hingewiesen. Ihr Fokus liege auf Frauensolidarität über religiöse und politische Grenzen hinweg, betonte Schmidauer im Gespräch mit rund 20 Frauen in kirchlichen Leitungspositionen, moderiert von Sr. Christine Rod, Generalsekretärin der Österreichischen Ordenskonferenz.
In Richtung Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche meinte Schmidauer: "Ich schätze an den Kirchenfrauen ihre Beharrlichkeit und ihre Durchsetzungskraft. Es ist ja schon einiges gelungen." Bis heute gelte es in puncto struktureller Barrieren und starrer Geschlechterbilder in Kirche, Gesellschaft wie Politik "dranzubleiben". Konkret nannte sie die fehlende Sichtbarkeit von Frauen in Leitungspositionen oder fehlende Unterstützung durch andere Frauen und die ungleiche Verteilung unbezahlter Arbeit. Und auch bei der Väterkarenz gebe es in Österreich Aufholbedarf. "Was mich aus strategisch beschäftigt, wie man Frauen insgesamt mehr mobilisieren kann", erklärte Schmidauer ihr Engagement.
Mit Blick auf Veränderungen in der katholischen Kirche - "der Zeithorizont ist die Ewigkeit, aber so lange wollen wir nicht warten" - verwies die ehemalige Geschäftsführerin des Parlamentsklubs der Grünen auf die Delegation der Katholischen Frauenbewegung Österreichs im März dieses Jahres im Vatikan. Im Rahmen der diplomatischen Begegnungen sprach die damalige kfbö-Vorsitzende Angelika Ritter-Grepl - auf Einladung des österreichischen Staatsoberhaupts und seiner Frau Schmidauer - bei Begegnungen mit Papst Leo XIV. sowie mit der Präsidentin des vatikanischen Governatorats, Sr. Raffaella Petrini, über das Thema "gender equality". Diese Verbindungen würden weiter gepflegt und zeigten, wie Frauennetzwerke Türen öffnen könnten, so Schmidauer, die sich in ihrer Rolle als "First Volunteer" als parteiübergreifend und neutral bezeichnete.
Als Ziel ihrer Gespräche mit unterschiedlichen Frauennetzwerken - von Gewerkschaften bis Bürgermeisterinnen - nannte Schmidauer die Stärkung von Frauensolidarität auch über politische Grenzen hinweg, um nachhaltig Veränderungen zu erreichen. Die politische Beraterin verwies zudem auf die Bedeutung von Frauennetzwerken im digitalen Raum. Frauen dürften diesen Raum nicht aufgeben, andernfalls überließen sie ihn anderen, so die "First Volunteer".
Wie wichtig Netzwerke sind, erläuterte Schmidauer anhand der Erfahrungen von Frauen in männerdominierten Organisationen und Branchen. Viele Frauen, die sich in solchen Bereichen nach oben gearbeitet hätten, verließen ihre Positionen wieder, weil sie die Strukturen nicht allein nachhaltig verändern könnten. Umso wichtiger sei es, andere Frauen zu fördern, "mitzunehmen" und ihnen den Weg in Führungspositionen zu erleichtern. Netzwerke könnten dabei für Frauen ein "Hort der Ermutigung und der Inspiration" darstellen, betonte Schmidauer.
Kirchliches Frauen-Netzwerk mit 150 Mitgliedern
Zu den Initiatorinnen des kirchlichen Frauen-Netzwerkes, dem rund 150 Frauen in kirchlichen Leitungsfunktionen angehören, zählen Gabriele Eder-Cakl, Direktorin des Österreichischen Pastoralinstituts (ÖPI), und Maria Habersack, Vorstandsvorsitzende der Vereinigung von Ordensschulen Österreichs. Das Netzwerk organisiert u.a. Dialoggespräche, zuletzt auch am 12. Juli mit der Linzer Pastoraltheologin Klara-Antonia Csiszar. (Infos: www.frauenfuehrenkirche.at)
Quelle: kathpress