
Lackner: Kirche kann angesichts des Ukraine-Kriegs nicht schweigen
Von großer Betroffenheit der in Salzburg versammelten Bischöfe aus ganz Europa über die Schilderungen des Kiewer Großerzbischofs Swjatoslaw Schewtschuk hat der Salzburger Erzbischof Franz Lackner berichtet. Das Oberhaupt der mit Rom unierten griechisch-katholischen Kirche hatte bei der Vollversammlung des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) von der anhaltenden Kriegssituation in seinem Land berichtet. Angesichts der dramatischen Lage "kann die Kirche nicht schweigen und einfach zur Tagesordnung übergehen, sondern muss sich zu Wort melden", reagierte darauf der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz in der ORF-Sendung "Salzburg heute" (Donnerstag).
Ein kalter Winter stehe der Ukraine bevor, die Infrastruktur sei zerstört, die Menschen litten unter den Folgen des Krieges, betonte Lackner. Wenn es um den Beitrag zum Frieden gehe, habe die Kirche eine Verantwortung auf mehreren Ebenen. Eine davon sei, zum Frieden aufzurufen - was die CCEE-Vertreter am Freitag mit dem zum Abschluss der Vollversammlung veröffentlichten, aber schon am Donnerstag beschlossenen gemeinsamen Friedensappell für die Ukraine in die Tat umgesetzt haben.
Die Bischöfe fordern darin, dass angesichts des größten militärischen Konflikts in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg niemand gegenüber den Gräueltaten gleichgültig bleiben oder sich an die Verletzung zivilisatorischer Normen gewöhnen dürfe. Ein gerechter und nachhaltiger Frieden in allen Konfliktgebieten sei anzustreben, wobei wahrer Friede nicht erzwungen werden könne oder politischer Handel sei, sondern in Menschen selbst beginne. In Anlehnung an den heiligen Franz von Assisi und Papst Leo XIV. appellierten die Bischöfe an alle Menschen guten Willens, sich mit Gebet, Versöhnung und konkretem Handeln für einen "unbewaffneten und entwaffnenden Frieden" einzusetzen.
Lackner wies im ORF-Interview darauf hin, dass der Frieden zunächst auch im eigenen Umfeld und in den Herzen der Menschen gelebt werden müsse. Auch in Österreich gebe es Unzufriedenheit und in mehreren Bereichen eine Tendenz zur Radikalisierung. Hier müsse die Kirche ansetzen, sich einbringen und nach Wegen suchen, einen Beitrag zum gesellschaftlichen Frieden zu leisten. Zudem gelte es in Europa, Fragen rund um den Beginn und das Ende des Lebens aus dem christlichen Glauben heraus anzusprechen und zu vertreten, was laut dem Erzbischof zunehmend schwieriger werde.
Der Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) ist der Zusammenschluss der Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenzen Europas. Er wurde 1971 gegründet und umfasst 39 Mitglieder, die gemeinsam die katholische Kirche in 45 europäischen Ländern vertreten. Ziel des Rates ist es, die Zusammenarbeit zwischen den Bischofskonferenzen zu fördern und gemeinsame Antworten auf gesellschaftliche, kulturelle und pastorale Herausforderungen zu entwickeln.
Quelle: kathpress