
Begräbnisleiterin über KI: Abschiednehmen braucht menschliche Nähe
Die Künstliche Intelligenz hat inzwischen auch Eingang in die Begräbniskultur gefunden. Sie kann Stimmen und Erscheinungsbilder nachbilden und damit sogar Verstorbene scheinbar wieder sprechen lassen. Jüngst präsentierte der Wiener Dompfarrer Toni Faber seinen "Fabertar", der im Erscheinungsbild des Dompfarrers und mit dessen Stimme digital Trauerreden halten kann. Für die steirische Begräbnisleiterin Angela Lendl geht dieser Trend in eine falsche Richtung. Abschiednehmen brauche menschliche Nähe, wie sie im Interview mit der Diözese Graz-Seckau betonte.
"Dieser 'Fabertar' ist erst der Anfang. Warum sollte sich das auf Herrn Faber beschränken? Es könnte auch der Papst mein Begräbnis halten, oder doch gleich Gott selbst?", so Lendl. Technisch sei vieles möglich, "aber ist auch alles, was wir können, gut für uns?". Sicherlich gebe es gute Einsatzmöglichkeiten für KI. Davon ausgenommen sei aber das Begräbnis. "Hier geht es darum, einen lieben Menschen zu verabschieden und loszulassen. Das ist schmerzhaft. Das ist etwas zutiefst Persönliches, was eine künstliche Intelligenz nicht vermitteln kann, die sich an Vorgefertigtem orientiert und nicht emotional an der Situation beteiligt ist", betonte die Pastoralreferentin im Seelsorgeraum Graz Südost mit dem Schwerpunkt Trauer.
Angehörige einbinden
Das Gespräch mit den Angehörigen auf Augenhöhe hat für Lendl einen besonderen Stellenwert: "Mein Vater war Diakon und hat selbst hunderte Begräbnisse gehalten. Von ihm habe ich gelernt, die Sprache der Menschen zu sprechen und nicht die der Theologen." Die Menschen einmal zum Lächeln zu bringen und sich kurz zu fassen, nehme sie sich bei jedem Begräbnis zum Ziel. Im Vorgespräch werde auch besprochen, ob die Angehörigen den Ablauf selbst mitgestalten wollen, was es persönlicher mache. Musik sei etwa das Element, das den Menschen am wichtigsten sei. "Das war ihr Lieblingslied", "da haben sich Oma und Opa das erste Mal geküsst" und Ähnliches, berichtete Lendl.
Im Vorgespräch würden Angehörige ihr auch von den Verstorbenen erzählen oder einen Lebenslauf mitbringen. Gemeinsam würden auch Lesung und Fürbitten ausgesucht. Bei offenen Konflikten - etwa mehreren Beziehungen oder Streit um Geld - könne sie diese entweder direkt ansprechen oder sich bei der Person melden, die der Bestattung den Auftrag erteilt hat. "Wenn Belastendes da ist, spreche ich das bei der Feier nicht an, baue aber das Thema Loslassen, Heilung und Vergebung stärker ein, z. B. indem ich in den Lebenslauf eine Art Meditation einbaue", berichtet Lendl. Und weiter: "So kann jeder sich Gedanken machen und die schönen Dinge, die es ja auch immer gibt, werden hervorgeholt, ohne das Negative schönzureden."
Quelle: kathpress