
Bischof Marketz: Glaube ist ein Geschenk für kommende Generationen
Wenn zu Allerseelen der Verstorbenen gedacht wird und Fragen nach Leid und dem "Warum?" auftauchen, verspricht der christliche Glaube nicht, auf alles eine Antwort zu geben, aber er schenkt Hoffnung. Das hat der Kärntner Bischof Josef Marketz beim Allerseelenrequiem am Montagabend im Klagenfurter Dom betont. "Der Tod hat nicht das letzte Wort. Gott hat das letzte Wort. Und dieses Wort heißt Leben". Dieser Glaube sei kein Besitz, "den wir für uns behalten sollen", so der Bischof. Er sei ein Geschenk, das weitergegeben werden möchte. Die Hoffnung, die keine "billige Vertröstung" sei, sondern ein Vertrauen, das auch in schweren Zeiten trägt, werde im Leben vermittelt und bleibe nach dem Tod für Folgegeneration tragende Säule.
Ein neues Schreiben der Glaubenskongregation in Rom mit dem Titel "Venite ad me" habe ihn zu Überlegungen zur Weitergabe des Glaubens in dieser Zeit veranlasst, erklärte der Bischof. Darin werde auf 80 Seiten beklagt, "dass unsere Kultur keinen Raum mehr lässt für einen solchen Glauben und dass diese frohe Botschaft des liebenden und barmherzigen Gottes immer weniger weitergegeben wird". Tatsächlich wäre vieles im religiösen Leben nicht mehr selbstverständlich, sagte Marketz. Viele Menschen hätten wenig Bezug zur Kirche und Kinder wüchsen manchmal auf, ohne dass ihnen jemand vom Glauben erzählt.
"Wir können darüber klagen", fuhr der Bischof fort. "Aber vielleicht ist es wichtiger, uns zu fragen: Wie können wir selbst den Glauben weitergeben? Ich denke, vor allem durch unser Leben." Kinder und Jugendliche würden sich an ihren Familien und Mitmenschen ein Vorbild nehmen - ob sie anderen mit Respekt begegnen, verzeihen und in schwierigen Situationen Hoffnung bewahren können. So bedeute den Glauben weiterzugeben nicht zuerst, möglichst viele religiöse Regeln und Formulierungen zu vermitteln oder Bibelverse zu erklären. Es bedeute vielmehr, Menschen erfahren zu lassen, dass sie geliebt und angenommen sind.
"Vor allem sollen wir einladend sein. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit offenen Händen. Nicht mit Vorwürfen, sondern mit Verständnis. Nicht mit Angst, sondern mit Hoffnung", fuhr Marketz fort. Jesus habe seinen Jüngern in einer Situation der Angst und des Abschieds gesagt: "Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen." Gott fordere keine Vollkommenheit. Das tröstliche Bild "Bei Gott ist Platz für alle. Niemand ist vergessen. Niemand muss draußen bleiben" sei eine Einladung an alle Generationen.
"Vieles von dem, was wir besitzen, wird einmal vergehen. Aber etwas kann bleiben: die Liebe, die wir geschenkt haben, das Vertrauen, das wir weitergegeben haben, und die Hoffnung, die wir anderen Menschen zugesprochen haben", sagte Marketz. So werde der Glaube von Generation zu Generation weitergegeben, wenngleich nicht immer vollkommen oder ohne Fragen und Zweifel. Aber vielleicht würden die eigenen Kinder und Enkelkinder einmal sagen: "Von diesem Menschen habe ich gelernt, zu beten. Von ihm habe ich gelernt, auf Gott zu vertrauen."
Quelle: kathpress