
Bischof Scheuer: "Der Toten zu gedenken ist Menschenpflicht"
Auf die Notwendigkeit einer zu bewahrenden und zu pflegenden "Kultur der Trauer" hat der Linzer Bischof Manfred Scheuer bei einem Gottesdienst am Allerseelentag (2. November) im Linzer Mariendom hingewiesen. "Der Toten zu gedenken, ist ein Liebesdienst sowohl der Angehörigen wie auch der christlichen Gemeinde, letztlich eine Menschenpflicht", so Scheuer. Schließlich würde sich im Eingedenken und in der Erinnerung an die Toten jener Widerstand gegen den Tod zeigen, der Zukunft und Menschlichkeit schenke, verwies Scheuer auf eine berühmte Rede des Auschwitz-Überlebenden Elie Wiesel 1987 im Deutschen Bundestag. Dort sagte Wiesel: "Erinnerung heißt, den Glauben an die Menschheit zu erneuern, der Menschheit zum Trotz, und unserer schwachen Anstrengung Sinn zu verleihen".
Heute indes stelle er ein immer höheres Maß an "Teilnahmslosigkeit" und "Interesselosigkeit, Berührungstabus" und eine "Unfähigkeit zu trauern" wahr, so Scheuer den Arzt und Psychoanalytiker Alexander Mitscherlich zitierend. "Für Tränen, die geweint werden müssten, gibt es Tabletten. Gefühlsstimulierungen werden rein in den Konsumbereich verlagert." Damit jedoch werde das Menschsein auf Bedürfnisse und Funktionen reduziert und Wirklichkeit verkürzt. Dagegen könne man gerade mit einem Tag wie Allerseelen darauf hinweisen, dass "die Seele Raum für Trauer braucht", so der Linzer Bischof weiter. Wo man die Trauer zulasse, schwinde auch die Apathie "gegenüber dem Leiden und der Trauer anderer".
Quelle: kathpress