
Zsifkovics: Heiliger Martin weist Weg zu Optimismus und Miteinander
Angesichts zahlreicher Krisen und Herausforderungen in der heutigen Zeit hat der Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics in seinem Hirtenbrief zum Martinsfest dazu aufgerufen, den Heiligen als Vorbild für Optimismus und Nächstenliebe zu nehmen. "Ein Blick in unsere Kirche und Gesellschaft genügt, um festzustellen, um zu sehen, dass Unzufriedenheit, Unruhen, Frustration und Resignation sich verbreiten, zu einer 'Volkskrankheit' unserer Tage geworden sind", schreibt der Bischof. Der Patron des Burgenlands sowie Christinnen und Christen heute würden aus dem Glauben an die Auferstehung Christi heraus ihren Mitmenschen Hoffnung, Mut und Optimismus für das Leben im Alltag spenden.
"Die wirtschaftlichen, geopolitischen und klimatischen Probleme unserer Zeit lassen wenig Hoffnung und Optimismus aufkommen", verwies der Bischof auf die hohe Inflation, Teuerung und Verarmung oder den Krieg in der Ukraine und im Nahen Osten. Auch die Probleme in der Kirche seien zu benennen: sinkende Zahlen der Gottesdienstbesucher, Kirchenaustritte, fehlende geistliche Berufungen, Missbrauchsfälle, ökonomische Herausforderungen und Gleichgültigkeit. Doch gerade in schwierigen Zeiten gebe es zur Hoffnung und zum Optimismus keine Alternative, betonte Zsifkovics. Dabei sei die christliche Hoffnung noch mehr als Optimismus: "Sie baut nicht auf Wünsche oder Utopien, sondern auf ein historisches und theologisches Fundament: Auf die Auferstehung Jesu Christi."
Botschaft des Evangeliums als Orientierung
Zu den größten Nöten der heutigen Zeit zählt der Bischof, dass Menschen das Fundament des Lebens und der Orientierung verloren hätten. Zsifkovics warnte vor einer Welt, in der Menschen nur das eigene Wohl im Auge hätten: "Der Mitmensch ist unser Bruder, unsere Schwester, aber nie unser Konkurrent! Der Rückzug in die eigenen vier Wände und auf die eigene Spielwiese, Abschottung und Spaltung bringen uns nicht weiter."
"Als Hirte appelliere ich an alle in Kirche, Politik und Gesellschaft, alles zu tun, um in unserem Heimatland die Gemeinschaft und die Zusammenarbeit zu fördern", schreibt Zsifkovics. Martinus habe vorgelebt, worauf es ankomme, so der Bischof in einem Kommentar im Wiener Sonntag (aktuelle Ausgabe). "Er ist stehen geblieben, hat sich dem Bettler zugewandt und seinen Mantel geteilt. Er hat nicht weggeschaut, sondern gehandelt", rief der Bischof traditionell zum Fest des Patrons zu Martinstaten auf und bat darum, Projekte der Caritas der Diözese Eisenstadt zu unterstützen.
Martinstat: Plaudermobil der Caritas
"Die Martinstat der Caritas heißt: Niemand im Burgenland soll draußen schlafen müssen", betonte auch Norbert Filipitsch, Bischofsvikar für die Caritas Burgenland und Dom- und Stadtpfarrer in Eisenstadt, im Kathpress-Interview. Eine Nacht im Freien im November sei keine Romantik, sondern lebensgefährlich. Martin habe seinen Mantel mit dem Bettler geteilt, als er selbst fror. Die Hälfte habe gereicht, damit keiner von ihnen erfror, rief der Dompfarrer zu Spenden auf. "Keine Angst vor dem Teilen. Teilen wärmt immer beide."
Zum Martinsfest am 11. November wird erstmals das Plaudermobil der Caritas vor dem Martinsdom im Einsatz sein. "Manchmal ist der Mantel ein offenes Ohr", so Filipitsch. Viele Menschen hätten oft tagelang nicht die Möglichkeit, mit anderen ein Wort zu wechseln. Das Plaudermobil komme zukünftig in Gemeinden und Pfarren, um Zeit zu schenken - "die heute kostbarste Form des Teilens", sagte Filipitsch.
Quelle: kathpress