Opus Dei: "Sony" missachtet eigene ethische Richtlinien
Rom, 17.5.06 (KAP) Der Film "Sakrileg" gibt einen Roman wieder, "der falsch, ungerecht und für die Christen beleidigend ist. Er verstärkt die verleumderische Wirkung noch durch die Kraft der Bilder": Das hat das Opus Dei in einer Presseerklärung anlässlich des Filmstarts von "The Da Vinci Code - Sakrileg" kritisiert. Die römische Zentrale der Personalprälatur bedauert auch das Fehlen eines Film-Vorspanns, der erklärt, dass jede Ähnlichkeit mit der Wirklichkeit reiner Zufall ist.
Opus Dei führt gegenüber dem fiktionalen "Da Vinci Code" einen anderen Code ins Treffen, nämlich den 2003 approbierten Verhaltenskodex der "Sony"-Gruppe ("Sony Pictures" verleiht den Film). Dort grenzt sich der Konzern von "rassistischen oder religiösen Beleidigungen" ebenso ab wie von "verfälschender Werbung", die "in die Irre führt oder verleumdet". Diese Selbstverpflichtungen würden nun mit dem Film "Sakrileg" durch den damit verbundenen "bedauerlichen Mangel an Achtung gegenüber vielen Millionen von Christen" widerlegt, so das Opus Dei.
In den vergangenen Monaten hätten sich viele Katholiken, Christen verschiedener Konfessionen, aber auch Juden, Muslime, andere Gläubige und Bürger guten Willens in dieser Sache "respektvoll zu Wort gemeldet". Es sei weder eine Sonderbehandlung noch die Einschränkung der Meinungsfreiheit verlangt worden: "Die Bitte um Achtung ist etwas Selbstverständliches und entspricht den Verpflichtungen, die Sony der Gesellschaft gegenüber eingegangen ist." Die geäußerten Bitten hätten jedoch "offensichtlich keinen Erfolg gehabt".
Doch Gott könne auch "aus Bösem Gutes hervorbringen" und die Ereignisse rund um "Sakrileg" hätten "viele Gläubige angestoßen, ihren christlichen Glauben zu vertiefen, das Evangelium, die Kirche, ihre Geschichte und Gegenwart besser kennen zu lernen". Die "bedauerliche, aber vorübergehende Episode" von "Sakrileg" werde "bald vergessen sein", so die Presseerklärung. Es sei zu hoffen, dass dies für die Lektionen über wechselseitigen Respekt und Verständnis nicht gilt, so das Opus Dei abschließend.
Opus-Dei-Leiter betet für Dan Brown
Der Leiter der Personalprälatur Opus Dei, Bischof Javier Echevarria, Bischof Javier Echevarria, sagte, er bete jeden Tag für den Schriftsteller Dan Brown und die Macher des Films. Es könnte durchaus sein, dass Brown wie die Filmschaffenden sich nicht bewusst seien, dass sie Menschen verletztenund Gott lästerten.
Ihn betrübten weniger die Angriffe auf das Opus Dei als die auf die Kirche und ihren Heiland, sagte der Opus-Dei-Prälat. Das Phänomen des "Sakrileg"-Erfolgs zeige, dass es in der Gesellschaft ein Bedürfnis an Hoffnung auf das Jenseits gebe. Allerdings zeige sich daran auch, wie nötig spirituelle und religiöse Bildung seien. Der Verlust des Glaubens öffne dem Aberglauben die Tür.
In Thailand darf der Film nur in einer um die letzten zehn Minuten gekürzten Fassung gezeigt werden. Anderenfalls droht ein Aufführungsverbot. Mit dieser Auflage reagierte die thailändische Filmzensur-Behörde auf den Protest von vier protestantischen Kirchen in dem überwiegend buddhistischen Königreich. Diese hatten bei der Polizei ein Verbot der Verfilmung von Dan Browns Bestseller-Roman beantragt. Durch die Kürzung fehlt dem Film eine entscheidende Schlussszene, in der das Rätsel um das Grab von Maria Magdalena als Ehefrau Jesu gelöst wird.
Der Verleiher "Sony Pictures" erhob Einspruch gegen die Entscheidung der Zensurbehörde. Ein Sprecher erklärte, man sei in Verhandlung mit den Kirchen. Zudem biete man ihnen Hilfe beim Verteilen von Büchern und Broschüren zur Darlegung des christlichen Glaubens an. Weniger als ein Prozent der thailändischen Bevölkerung von rund 62 Millionen sind Christen.
Eine Zensur des "Da Vinci Code" in Thailand wäre das erste in Südostasien. In Singapur wurde der Vorstoß für einen Bann mit der Erhöhung des Zuschaueralters auf 16 Jahren und älter beantwortet. Auch in den überwiegend katholischen Philippinen wurde die Vorführung gestattet.
Änderung von Untertiteln
Zeitungsberichten vom Mittwoch zufolge waren bei der Sichtung durch die Zensurbehörde auch Wissenschaftler sowie Vertreter anderer christlicher Kirchen anwesend. Die Pro-Zensur-Gruppe verlangt ferner die Änderung einiger Thai-Untertitel, da diese Beleidigungen Jesu enthielten. Zudem müsse deutlicher gemacht werden, dass es sich bei dem Film um eine erfundene Geschichte handelt.
Ein Vertreter der katholischen Bischofskonferenz, Vorayut Kitbamrung, äußerte die Befürchtung, dass der Film die Menschen noch mehr beeinflussen könnte als der Roman. Unkritische Zuschauer seien durch die Darstellung von Orten und Figuren eher bereit, die Fiktion als Realität wahr anzunehmen.
In Indien droht dem Film als weltweit erstem Land sogar ein Aufführungsverbot. Medienminister Priya Ranjan Dasmunshi sagte am Dienstagabend vor Journalisten in Neu Delhi, der Film komme erst dann in die Kinos, wenn die nationalen Zensurbehörden in Absprache mit der katholischen Kirche grünes Licht gäben. Dazu wurden hohe Kirchenvertreter und Parlamentsabgeordnete eingeladen, gemeinsam mit dem Minister den Film anzuschauen und danach über die Freigabe zu entscheiden. Ein Votum wurde nicht vor Mittwochabend erwartet.
Zuletzt hatten sich in Indien die Proteste gegen die Dan-Brown-Verfilmung verstärkt. Es kam landesweit zu Demonstrationen. In Bombay traten mehrere Ordensschwestern und der Leiter des katholischen Sozialforums in den Hungerstreik, um für ein Verbot des Films zu kämpfen.
Der Schritt der Regierung kam für Beobachter nicht unerwartet. Immer wieder verfolgt die Politik im Viel-Religionen-Staat Indien die Maxime, bei religiöse Gefühle verletzenden Filmen oder Schriften große Vorsicht walten zu lassen. So wurden wiederholt Filme verboten, weil sich Hindus in ihrem Glauben verletzt fühlten.
Salman Rushdies islamkritisches Werk "Satanische Verse" wurde etwa ebenso vom Verkauf verbannt wie Schriften, die Gefühle religiöser Gruppen verletzten. Vor einigen Jahren sprachen sich selbst liberale Parteien dafür aus, ein Theaterstück zu verbieten, in dem der als "Vater der Nation" verehrte Mahatma Gandhi in negativem Licht gezeichnet wurde.