Christen und Muslime: "Verbindendes und Trennendes"
Wien, 10.11.06 (KAP) "Verbindendes und Trennendes" im Verhältnis von Christentum und Islam kam bei einem Studientag der Österreichischen Bischofskonferenz zum Auftakt der Herbstsession zur Sprache. Hintergrund des von Weihbischof Helmut Krätzl, dem Referatsbischof für den interreligiösen Dialog, vorbereiteten Studientages war die Präsenz islamischer Migranten in Österreich, Referenten waren der Frankfurter Jesuit P. Christian Troll und die Islam-Beauftragte der Diözese Feldkirch, Elisabeth Dörler. Im praktischen Zusammenleben gebe es in Österreich eine Fülle von Möglichkeiten der Zusammenarbeit von gläubigen Christen und gläubigen Muslimen, wird in einer Erklärung der Bischofskonferenz zum Studientag betont.
Die Bischöfe erinnern an das Zweite Vatikanische Konzil und dessen Dokument "Nostra Aetate", wonach die Kirche "mit Hochachtung" auf die Muslime blicke, mit denen sie sich in der Anbetung des "alleinigen Gottes" und Schöpfers der Welt einig wisse. Im Blick auf Jesus Christus würden aber die zentralen Unterschiede der beiden Religionen sichtbar. Denn der Islam lehne das ab, was die Herzmitte des christlichen Glaubens ausmacht: "Die Menschwerdung Gottes, das dreifaltige Sein Gottes und die Erlösung durch Jesus Christus".
Trotz der Spannung durch den Wahrheits- und Missionsanspruch beider Religionen bekennen sich die österreichischen Bischöfe "im Interesse des Friedens und des Zusammenlebens" zur Intensivierung des interreligiösen Dialogs zwischen Christen und Muslimen. Dieser Dialog solle "mit Freimut und Respekt geführt werden, ohne aber die Unterschiede zuzudecken". Voraussetzung für ein zukunftsträchtiges Zusammenleben in Verschiedenheit sei freilich, dass bestimmte "Grundhaltungen und Grundüberzeugungen der freiheitlichen Gesellschaft" von beiden Seiten als verpflichtend anerkannt werden, betonen die Bischöfe. Sie fordern die "bedingungslose Anerkennung des Prinzips der Gegenseitigkeit" ein: "Was für Muslime in christlich geprägten Ländern gilt, muss auch für Christen in islamisch dominierten Ländern Gültigkeit haben".
Kardinal Christoph Schönborn betonte in diesem Zusammenhang bei der Abschlusspressekonferenz der Herbstvollversammlung der Bischöfe, dass die volle Respektierung der Religionsfreiheit eine Erfordernis der Menschenrechte sei. Jedes Land, das die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte unterzeichnet habe, sei zur Umsetzung dieses Prinzips verpflichtet.