Fischer lädt Papst offiziell zu Österreich-Besuch ein
Wien, 5.10.06 (KAP) Bundespräsident Heinz Fischer hat Papst Benedikt XVI. die offizielle Einladung der Republik zu einem Besuch in Österreich überbracht. Das österreichische Staatsoberhaupt wurde am Donnerstag im Vatikan vom Papst empfangen. Die Reise Benedikts XVI. nach Österreich ist für September 2007 geplant, zum 850-Jahr-Jubiläum von Mariazell. "Ich darf Sie hiermit zu diesem Besuch auch im Namen der Republik Österreich offiziell und sehr herzlich einladen. Diesem Besuch in Österreich sehen wir mit großer Freude entgegen. In diesem Sinne darf ich abschließend sagen: Auf Wiedersehen in Österreich", so Fischer bei der Begegnung mit dem Papst.
Österreich wisse zu schätzen, "dass Sie unserem Lande und seinen Menschen in besonderer Weise nahe stehen", so der Bundespräsident. "Sie kennen meine Heimat sehr gut, und es freut Österreich deshalb ganz besonders, dass Sie für den September des kommenden Jahres einen Besuch im traditionsreichen Wallfahrtsheiligtum Mariazell in Aussicht stellen."
Fischer würdigte, dass sich die Beziehungen zwischen der Republik Österreich und dem Vatikan "ausgezeichnet entwickelt haben und durch Vertragstreue, Vertrauen und gegenseitigen Respekt charakterisiert sind". Auch gebe es zwischen Österreich und dem Heiligen Stuhl viel Übereinstimmung bei wichtigen europapolitischen Themen, etwa in Bezug auf europäische Grundrechte und Menschenrechte oder in Bezug auf das Subsidiaritätsprinzip. "Ich freue mich, wie positiv der österreichische EU-Vorsitz im ersten Halbjahr 2006 vom Heiligen Stuhl beurteilt wurde", sagte der Bundespräsident.
Er dankte Benedikt XVI. für seine "konsequenten und unermüdlichen Bemühungen, die Menschheit vor Krieg und Terror zu bewahren", sowie dessen "mahnende Worte gegen Fremdenfeindlichkeit und religiöse Intoleranz". Fischer wörtlich: "Ihre Botschaft ist Friede und Nächstenliebe. Nur auf dieser Basis ist ein aufrichtiger und erfolgreicher Dialog der Kulturen, der Religionen und der Zivilisationen möglich." Dialogbereitschaft, Toleranz und das Bekenntnis zu universellen Menschenrechten seien unverzichtbar.
Österreich könne auf eine lange Tradition interreligiöser bzw. interkultureller Dialoginitiativen zurückblicken, hob der Bundespräsident hervor und erinnerte an die große Islamkonferenz vom November 2005, bei der Kardinal Christoph Schönborn "die katholische Kirche im Dialog mit anderen Religionen in beeindruckender Weise vertreten hat". Wichtig sei, dass dieser Dialog nicht nur eine Debatte zwischen Verantwortungsträgern und Gelehrten bleibt, sondern möglichst viele Menschen unmittelbar erreicht. Letztlich seien sie es, "die einander verstehen und sich in Achtung und mit Vernunft begegnen müssen", so Fischer.
Nicht zuletzt würdigte Fischer in der Unterredung mit dem Papst den Beitrag der katholischen Kirche in Österreich für das Wohl der Menschen im Land, für soziale Gerechtigkeit, für Humanität und Menschenrechte. "Besonders hervorheben möchte ich auch die wertvolle Arbeit, die die Caritas und viele weitere kirchliche Gemeinschaften in Zusammenarbeit mit anderen humanitären Organisationen in Österreich leisten", hieß es in der Rede des Bundespräsidenten, der dem Papst "die Grüße und die besten Wünsche des österreichischen Volkes" überbrachte.
Das Gespräch am Donnerstag war die zweite Begegnung von Bundespräsident Fischer mit Benedikt XVI. Fischer hatte im April 2005 an der Amtseinführung des neuen Papstes teilgenommen. "Damals war verständlicherweise nur sehr wenig Zeit für einen Gedankenaustausch; umso mehr weiß ich das heutige vertrauensvolle Gespräch zu schätzen", sagte Fischer. (ende)