
Fürnsinn: Pfarrerinitiative soll Schritt zurück machen
Die Kirche in Österreich braucht einen Dialogprozess, für den es Strukturen zu schaffen und bestehende Polarisierungen zu überwinden gilt. Das betont Maximilian Fürnsinn, Propst des Augustiner Chorherrenstift Herzogenburg, in einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Furche" (Donnerstag). Einzelne Forderungen der Pfarrerinitiative trägt Fürnsinn zwar mit, deren Akteure mahnt er jedoch zur Besonnenheit: "Zunächst muss man auch einen Schritt zurück tun und manche Positionen entschärfen, um wirklich ins Gespräch zu kommen", so der Vorsitzende der Superiorenkonferenz wörtlich.
Grundsätzlich tue sich die Kirche mit momentanen Wandelerscheinungen schwer, beobachtet Fürnsinn. "Wir wissen nicht, wohin die Reise geht. Von daher gesehen, sind wir ein wenig irritiert." Viele der aktuellen Probleme seien jedoch "hausgemacht", vor allem da die Entwicklung einer Strategie zum "Dialog nach innen" sowie ein "wirklich pastorales Konzept, das auch die Menschen wieder erfasst", fehle. Wer Österreichs Kirche zur "kleinen Herde" machen wolle, führe sie, so Fürnsinn wörtlich, "auf einen Irrweg"; dass es der Kirche nicht recht gelinge, "eine Bewegung hineinzubringen", sei ein anderes Thema.
Um den geforderten strukturierten Dialogprozess in Gang zu bekommen, muss laut Fürnsinn zunächst die derzeitige Polarisierung überwunden werden. Er habe diesbezüglich der Pfarrer-Initiative den Vorschlag gemacht, die Bezeichnung "Ungehorsam" durch "kritische Loyalität" zu ersetzen. Weiters sollte man den Dialog nicht von vornherein überfordern. "Wenn man einen Gesprächsprozess will, dann muss man die Sache differenziert angehen. Da gibt es Möglichkeiten, schon allein aus der pastoralen Sicht heraus. Aber wer alles will, will nichts."
Aussitzen keine Lösung
Immerhin signalisiert Fürnsinn Verständnis gegenüber der "etwas aggressiven Gangart" der Pfarrer-Initiative: Die ihr angehörenden Priester seien jene Generation, die mit dem Konzil aufgewachsen und es über Jahrzehnte mit ihrem Leben umgesetzt hätten. "Sie haben ihre ganze Kraft investiert und merken heute: So ernst war das Konzil in allen Konsequenzen ja nicht gemeint." Die Vorgehensweise sollte einen dennoch hellhörig machen. "Ich glaube nicht, dass es gut wäre, die Situation auszusitzen."
Zu einigen Forderungen der Initiative könne er selbst stehen und wünscht sich ein "Auftreten der Bischöfe mit mehr Nachdruck", gibt der Herzogenburger Propst zu verstehen. Explizit nennt er den Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene, wo zumindest eine pastorale Lösung notwendig sei. Dass die Pfarrer mit dieser Frage bisher unter Rücksichtnahme auf Nöte und Sehnsüchte sorgsam statt gleichgültig umgegangen seien, lobt der Propst.
Fürnsinn gab an, Forderungen zur Abschaffung des Zölibats aufgrund dessen "unglaublich starken, auch spirituellen Wertes" nicht zu unterstützen. Dennoch sollten Bischöfe das Recht haben, "da und dort" verheiratete und gut in der Kirche integrierte Männer mit entsprechender Ausbildung zum Priester zu weihen. Kardinal Schönborns Forderung an die Laien, sie sollten mehr in die Hand nehmen, habe bisher verabsäumt, Frauen und Männer auch wirklich zur Übernahme dieses Dienstes zu ermächtigen und sie dazu zu beauftragen, kritisiert Fürnsinn. Etwa bei der Predigt von Laien liege es an der Bischofskonferenz, diese zuzulassen.
Quelle: Kathpress