
Feiertage: Breite Allianz gegen Änderungen
Arbeitsfreie Feiertage und Sonntage sind ein hohes Kulturgut für die ganze Gesellschaft, wofür die katholische Kirche eine breite Allianz initiiert hat, an der mehr als 50 Organisationen aus Zivilgesellschaft, Gewerkschaften und anderen christlichen Kirchen beteiligt sind: Daran erinnert der Sprecher der Österreichischen Bischofskonferenz, Paul Wuthe, in einer Replik auf den Vorschlag der Industriellenvereinigung (IV), jene Feiertage, die auf einen Donnerstag fallen - also Christi Himmelfahrt und Fronleichnam -, auf Freitage zu verschieben, um lange Wochenenden durch Fenstertage zu verringen. Dies würde die Planungssicherheit und die wirtschaftliche Produktivität verringern, so IV-Generalsekretär Christoph Neumayer in der ZIB 24 (Mittwoch).
Hier könne die Kirche nicht mitgehen, denn es treffe den Kern der Feiertage, entgegnete Wuthe: "Wo Fronleichnam drauf steht, muss auch Fronleichnam drin sein, und das feiern die Gläubigen nun einmal an einem Donnerstag, und zwar 60 Tage nach Ostern. Christi Himmelfahrt wird 40 Tage nach Ostern gefeiert, und auch das ist immer ein Donnerstag", argumentierte der Sprecher der Bischofskonferenz auf dem Blogportal von www.katholisch.at (http://www.katholisch.at/blog/wuthe). Die katholische Kirche lehne diesen "komischen Etikettenschwindel" daher ab.
Sowohl Christi Himmelfahrt als auch Fronleichnam seien "im Leben der Gläubigen und in der Gesellschaft stark verankert", was sich u.a. an den Fronleichnamsprozessionen unter Teilnahme von österreichweit Hunderttausenden Gläubigen manifestiere. Und selbst jene Menschen, die von diesen religiös begründeten Feiertage "keinen religiösen Gebrauch machen" - wie Kardinal Christoph Schönborn bereits zu Ostern hervorhob -, würden von den arbeitsfreien Tagen und damit auch vom Einsatz der Kirche für die Wahrung dieses "hohen Kulturgutes für die ganze Gesellschaft" profitieren.
Auch Nicht-Katholiken profitieren
Die rechtliche Absicherung der gesetzlichen Feiertage durch das Konkordat komme in Zeiten von steigendem Arbeitsdruck somit allen Menschen - "auch denen, die nicht offiziell" bei der katholischen Kirche sind - zugute. Die Absicherung der Feiertage schütze das Gut einer "kollektiven Atempause der Gesellschaft" und "identitätsstiftender Oasen der Ruhe", die keineswegs eine Verringerung der Arbeitsleistung bedeuten müssten, so Wuthe gegenüber in der "Kleinen Zeitung" (Donnerstag).
IV-Generalsekretär Neumayer argumentiete in der ZIB 24 und im "Kurier" (Mittwoch), die Verschiebung der Donnerstag-Feiertage auf Freitage wäre auch im Interesse von Arbeitnehmern. Nicht nur Produktionsabläufe würden effektiver gestaltet, sondern Arbeitnehmer verfügten auch über "bessere Planungssicherheit".
ÖGB-Sekretär Bernhard Achitz sagte in der ZIB 24, die Feiertage sollten bleiben, und wenn sie auf Wochenendtage fallen, sollten sie am Montag "nachgeholt" werden, "damit die Menschen Zeit für Erholung haben". Schließlich müsse man in Zeiten stetig steigender Arbeitsbelastung "schauen, dass die Menschen von der Arbeit nicht krank werden, sondern gesund bleiben". "Feiertage und speziell lange Wochenenden" seien ein "ganz wesentlicher Faktor im Gesundheitsprozess", so Achitz.
In Österreich gibt es 13 gesetzlich verankerte Feiertage, der Großteil davon hat einen religiösen Bedeutungshintergrund: Neujahr (1. Jänner), Heilige Drei Könige (6. Jänner), Ostermontag, Staatsfeiertag (1. Mai), Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, Fronleichnam, Mariä Himmelfahrt (15. August), Nationalfeiertag (26. Oktober), Allerheiligen (1. November), Mariä Empfängnis (8. Dezember), Weihnachten (25. Dezember) und Stephanitag (26. Dezember). Heuer fällt auch Mariä Himmelfahrt auf einen Donnerstag, Mariä Empfängnis ist dafür an einem Sonntag.
Schönborn für breite Diskussion
Mitglieder der evangelischen Kirchen haben am Karfreitag arbeitsfrei. Dieses Modell aufgreifend forderten die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich und die Israelische Kultusgemeinde je zwei arbeitsfreie Tage für Muslime zum Abschlussfest des Fastenmonats Ramadan und dem Opferfest bzw. für Juden zum Versöhnungsfest Jom Kippur und zum Neujahrsfest Rosch ha-Schana.
Unterstützung finden sie mit diesen Forderungen nicht nur bei Michael Bünker, Bischof der evangelischen Kirche A.B., sondern auch bei der Katholischen Sozialakademie Österreichs (ksoe). Deren neue Direktorin Magdalena Holztrattner sprach in der ORF-Sendung "Orientierung" (7. April) von einer wichtigen Förderung für die "Identitätsbildung" und die Integration.
Kardinal Christoph Schönborn plädierte bereits zu Ostern für eine gesellschaftlich breite und offene Diskussion, die zugleich die Mehrheitsverhältnisse des Landes - rund 80 Prozent der Bevölkerung sind Mitglieder christlicher Kirchen - angemessen berücksichtigen müsse.
Quelle: Kathpress