
Mikrokreditgeber "Oikocredit"
Die Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit ist in Österreich weiterhin stark im Wachstum: Im Jahr 2012 investierten insgesamt 3.500 heimische Anleger 42 Millionen Euro - 34 Prozent mehr als im Jahr davor - in das Mikrofinanz-Unternehmen. "Der deutliche Trend zur ethischen Geldanlage hält an, da offensichtlich viele Menschen infolge der Krisen bei Geldfragen kritischer und mündiger geworden sind", resümierte Peter Püspök, Vorstandsvorsitzender von Oikocredit Austria, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien.
Österreichs durchschnittlicher Oikocredit-Investor ist zwischen 50 und 59 Jahre alt und hat 12.150 Euro angelegt, "wobei jedoch auch viele Jugendliche mit 200-Euro-Mindestbeitrag vertreten sind", wie Püspök erklärt. Neue und bestehende Mitglieder seien gut durchmischt, wobei letztere ihre Anlagen meist weiter erhöhen würden, während ein Ausstieg mit zuletzt 1,5 Prozent sehr selten vorkommt. 89 Prozent der Investoren sind Privatpersonen und elf Prozent institutionelle Anleger, hier allen voran kirchliche und entwicklungspolitische Einrichtungen.
Weltweit beträgt das Portfolio des Mikrofinanz-Gebers und Entwicklungsprojekts-Financiers derzeit 530 Millionen Euro, wobei Österreich bei Pro-Kopf-Anlagen die Nummer Eins im Ländervergleich ist. Filialen hat Oikocredit hierzulande keine, Püspök führt den Erfolg u.a. auf das Medieninteresse und die Kompetenz des ehrenamtlich geführten Vorstandes und des Leitungsteams zurück. Als Ziel gab er an, binnen "vier, fünf Jahren ein Promille der Österreicher - also das Doppelte der derzeit knapp 4.000 Anleger - als Investoren gewonnen zu haben", so der Oikocredit-Vorstandsvorsitzende.
Wie Püspöks Stellvertreter Günter Lenhart gegenüber "Kathpress" betonte, sei man jedoch anders als manche Großanbieter der Branche nicht am Profit interessiert, sondern an nachhaltiger Armutsbekämpfung. Wichtig sei Oikocredit, die insgesamt 26 Millionen Kreditnehmer zu begleiten, "etwa indem unsere Partner vor Ort sie noch vorab beraten und deren geplante Projekte - beginnend mit einem Marktstand oder einer Näherei - evaluieren." Komme ein Kunde etwa durch Krankheit oder Marktprobleme in Schwierigkeiten, versuche man flexibel zu reagieren etwa durch Verlängerung oder Aufstockung des Kredits. Die Kreditausfallrate von unter einem Prozent gebe diesem Vorgehen Recht.
Blick auf Projektpartner
Neuralgischer Punkt ist demnach die Auswahl der Projektpartner, von denen Oikocredit derzeit 854 in insgesamt 70 Ländern besitzt, 583 davon aus dem Mikrofinanz-Sektor. "Wir versichern uns, dass unsere Partner ihr Geschäft mit den Kunden gut machen. Wir haben dazu ein eigenes Messinstrument für die soziale Verantwortung erstellt, besuchen die Partner vor Ort und holen laufend Feedback ein", erklärte die beim Pressegespräch anwesende Salome Sengani, Vorstandsvorsitzende von Oikokredit International, gegenüber "Kathpress". Das Handeln mit lokalen Akteuren steigere Diversität und Wertschöpfung auf realwirtschaftlicher Basis.
Lag der regionale Fokus von Oikocredit bisher mit 46 Prozent des Kreditvolumens klar auf Lateinamerika, soll künftig der 15-prozentige Anteil Afrikas deutlich erhöht werden - schließlich wolle man vorrangig die von Armut betroffenen Regionen erreichen. Segani: "Vor jedem Eintritt in neue Märkte - derzeit etwa Ruanda oder Senegal - erforschen wir, wie die Menschen arbeiten, wo es besondere Nöte gibt und welche Risiken bestehen."
Gegründet wurde "Oikocredit" Mitte der 1970er Jahren auf Initiative des Weltkirchenrats. Die Hauptgeschäftsstelle der internationalen Genossenschaft, die nicht auf Gewinn ausgerichtet ist, liegt im niederländischen Amersfoort. Wie in Österreich gibt es in vielen Ländern Förderkreise, über die Genossenschaftsanteile erworben werden können. Die Geldanlage wird mit maximal zwei Prozent verzinst.