
Wien: Übergabe der Neulerchenfeldkirche
Zur Übergaben der Neulerchenfelder Kirche in Wien-Ottakring an die serbisch-orthodoxe Eparchie Österreich-Schweiz am kommenden Dienstag, 27. Mai, wird auch der am Freitag in Belgrad für den 2011 neu geschaffenen Bischofssitz Wien gewählte Bischof Andrej (Cilerdzic) erwartet. Das teilte die Stiftung "Pro Oriente" am Samstag mit.
Kardinal Christoph Schönborn übergibt demnach das Gotteshaus im Rahmen einer liturgischen Feier der serbischen Gemeinde. Mit Andrej Cilerdzic hat die serbisch-orthodoxe Eparchie Österreich-Schweiz erstmals einen in Wien residierenden Bischof. Der 52-Jährige war bisher Weihbischof des Belgrader Patriarchen.
Bischof Andrej wurde 1961 im deutschen Osnabrück geboren. Er studierte in Belgrad und Saloniki und wurde 1990 in Düsseldorf zum Priester geweiht. Ab 1992 gehörte er zu den Mönchen des Erzengelklosters in Kovilj. Von 1993 bis 2005 war er als Sekretär für Interkirchliche Beziehungen beim Heiligen Synod des Belgrader Patriarchats tätig. 2005 bis 2008 war er - mittlerweile zum Archimandriten aufgestiegen - in verschiedenen akademischen Bereichen aktiv; ab 2008 forschte er etwa an der Abteilung für Orthodoxe Theologie der Münchner Universität an orthodoxen Entwürfen für Modelle kirchlicher Einheit im 21. Jahrhundert.
2010 bestellte Prof. Athanasios Vletsis Cilerdzic zum Assistenten seines Münchner Lehrstuhls für Systematische Theologie, Dogmatik und Ökumenik.
Während seiner Dienstzeit im serbisch-orthodoxen Patriarchat ab 2011 nahm der an ökumenischen Fragestellungen besonders interessierte Theologe an vielen internationalen und interkirchlichen Konferenzen und Dialogen teil. Er war mehrmals Repräsentant der serbisch-orthodoxen Kirche beim Weltkirchenrat und bei der "Konferenz Europäischer Kirchen" (KEK/CEC) und ist Mitglied mehrerer europäischer Friedensinitiativen, wie des Forums "Weg der Hoffnung" (Weiz), der Gesellschaft für deutsch-serbische Freundschaft sowie der Wuppertaler Akademie für Sozialwissenschaften, ethnische und kulturelle Zusammenarbeit. Bischof Andrej spricht außer Serbisch auch Deutsch, Griechisch, Italienisch, Englisch und Französisch.
Der neue Wiener serbisch-orthodoxe Bischof ist mit der Stiftung "Pro Oriente" verbunden. Am 7. Mai des Vorjahrs hielt er in Wien auf Einladung von "Pro Oriente" einen vielbeachteten Vortrag über "Die orthodoxe Kirche und der Islam". Der Wortlaut dieses Vortrags ist im soeben erschienenen "Pro Oriente"-Jahrbuch abgedruckt.
Bis 2011 gehörten die serbisch-orthodoxen Gemeinden in Österreich zur Eparchie für Mitteleuropa (Deutschland, Österreich und Schweiz). Dann wurden die Gemeinden in Österreich und der Schweiz ausgegliedert und in einer eigenen Diözese zusammengefasst.
Die serbische Kirche hat in Österreich derzeit 16 Gotteshäuser, ab Dienstag kommt als 17. die Kirche Neulerchenfeld dazu. Die Gesamtzahl der serbisch-orthodoxen Gläubigen in Österreich wird auf an die 300.000 geschätzt.
Mit der Übergabe der Pfarrkirche Neulerchenfeld erhält die serbisch-orthodoxe Kirche ein viertes Gotteshaus in Wien - neben St. Sava (1030 Wien, Veithgasse), Verklärung der Allheiligen Gottesgebärerin (1170 Wien, Steinergasse), Auferstehung Christi (1020 Wien, Engerthstraße).
Die Kirche Neulerchenfeld - ursprünglich ein schlichtes barockes Gotteshaus - wurde 1753 fertiggestellt. 1945 wurde die Kirche nahezu vollständig zerstört. Der heutige schmucklose Saalbau wurde 1957 geweiht.
In den 1930er-Jahren war in geringer Entfernung zur Kirche Neulerchenfeld die Filialkirche Maria Namen errichtet worden. Damals lebten in der Pfarre 43.000 Katholiken, wesentlich mehr als heute im ganzen 16. Bezirk. 1939 wurde Maria Namen zur eigenen Pfarre erhoben, um Gotteshaus und Priester dem Zugriff des NS-Regimes zu entziehen.
Auf Grund der soziologischen Veränderungen im 16. Bezirk wurde ab 2010 die Wiedervereinigung der beiden eng benachbarten katholischen Pfarrgemeinden angegangen, wobei zugleich die Übergabe der Kirche Neulerchenfeld an die serbisch-orthodoxe Kirche ins Auge gefasst wurde. Die Übergabe der Kirche hätte schon früher erfolgen können, wurde jedoch durch ein mehrinstanzliches kirchenrechtliches Verfahren verzögert. Der als Moderator in Neulerchenfeld tätige Geistliche legte beim Vatikan insgesamt drei Rekurse ein, wovon der letzte von der Apostolischen Signatur negativ entschieden wurde und somit den Wege zur Übergabe der Kirche frei machte.