
"Dienstleistungskirche" führt in die Sackgasse
Einen "echten Kulturwandel" weg von einer "Dienstleistungskirche" hin zum Erfolgsmodell einer US-Pfarre, in der viele Gläubige ihre Talente einbringen und Verantwortung übernehmen, empfiehlt "Pastoralinnovation"-Gründer Georg Plank österreichischen Pfarrgemeinden. Seine Erkenntnis einer Kundschafterreise in die USA: "Behandelt man die Menschen wie Kunden, dann verhalten diese sich auch so." Wesentlich sinnvoller sei es, den Gläubigen als Teile des "Leibes Christi" Mitverantwortung für die Lebendigkeit einer Gemeinde zu übertragen, schrieb Plank in seinem katholisch.at-Blog.
Georg Plank war viele Jahre lang Kommunikations-Chef der Diözese Graz-Seckau, im Vorjahr machte er sich als Gründer des Projekts "Pastoralinnovation" selbstständig und bietet seither kirchlichen Organisationen und Verantwortungsträgern Know-how, Fortbildung und Begleitung beim Versuch, neue pastorale Wege einzuschlagen.
Den bemerkenswerten Wandel der "Catholic Church of the Nativity" am Stadtrand von Baltimore lernte der früher selbst in den USA lebende Grazer Theologe bei einer heurigen Reise in das "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" kennen. Noch vor zehn Jahren habe die Gemeinde einer "österreichischen Durchschnittspfarre" geglichen, so Plank. Pfarrer Michael White und Pastoralassistent Tom Corcoran beschrieben in ihrem Buch "Rebuilt" den Weg heraus aus einer Situation, die "keine ernsthafte Krise, aber ein schleichender Rückgang" gekennzeichnet hätte: Plank erfuhr von immer weniger jungen Leuten und Familien, lauen Gruppen und "eine oft resignativen Stimmung" unter den Engagierten in der Pfarre. Die Reaktion zunächst: Noch mehr Angebote, um die Menschen mehr zu begeistern.
Manchmal kamen zwar mehr Leute, aber mit einer "konsumistischen Einstellung", berichtete Plank. "Wie Kunden" waren sie nörglerisch, hätten immer einen Grund gefunden sich zu beschweren und die Engagierten zur Verzweiflung gebracht. "Umgekehrt kamen sie aber nicht auf die Idee, dass ihr Beitrag gefragt ist."
Die Hauptamtlichen hätten gespürt, dass sie in die falsche Richtung unterwegs waren, schrieb Plank. Michael White und Tom Corcoran hätten nicht nur ihrer Pfarre, sondern auch sich selber eine "Umkehr" zu mehr Mitverantwortung für die Gemeindemitglieder verordnet.
Nach Jahren "voller Versuche, Widerstände und Konflikte, aber auch spür- und messbarer Erfolge" habe der Besucher aus Österreich nunmehr eine Pfarre vorgefunden, bei der man "vor Neid erblassen" könnte: Fünf bestens besuchte Sonntagsgottesdienste, Hunderte motivierte Ehrenamtliche, die ihre Talente einbringen, Dutzende begeisterte Kinder- und Jugendgruppen, überdurchschnittliches soziales Engagement, ein von 8 bis 18 Uhr geöffnetes Pfarrcafé, eine "Willkommensgruppe" im Eingangsbereich der Pfarre, eigene Audio- und Videoteams u.v.m.
Besonders auffallend war für Plank, dass für den Erfolg dieser Neuausrichtung nicht eine charismatische Führungskraft verantwortlich war: "Ich traf Dutzende von engagierten Frauen und Männern, die mit Selbstbewusstsein, Können und Glaubensstärke ihren spezifischen Teil zum Ganzen beitrugen." Es sei faszinierend gewesen, "wie unabhängig jede und jeder agierte, wie selbstständig souverän und zugleich in Verbundenheit mit allen".
Gerade auch "Kirchenferne" angesprochen
Bei seiner jüngsten Kundschafterreise in die USA habe er völlig neue Formen von katholischen, protestantischen und evangelikalen Kirchen kennengelernt, die nicht mit den klassischen vergleichbar sind, schrieb Plank auch in seinem vorletzten Blog-Eintrag. Seit der Jahrtausendwende seien Kirchengemeinden entstanden, die keine Gebäude besitzen, sondern in Theatern, Kinos oder Kaffeehäusern lebendige Gottesdienste feiern. Zudem nutzten sie unbekümmert und kreativ die Chancen neuer Technologien für sogenannte "Multisite-Churches". Und engagiert seien vor allem junge Erwachsene, die mit traditionellen Formen von Kirche wenig bis nichts am Hut haben ("un-churched" bzw. "de-churched").
Diese "neuen Kirchen" seien in ihren konkreten Ausdrucksformen sehr unterschiedlich. "Erfolgsrelevante Gemeinsamkeiten" gebe es dennoch. Plank nannte kraft- und stimmungsvolle Gottesdienste als spirituelle Mitte, diakonisches Engagement, die Christsein in den Alltag übersetzen, Hauptamtliche, die sich intensiv um die Ausbildung und Begleitung der ehrenamtlichen Gruppenleiter bemühen. Diese seien dann "frei, ihre konkreten Talente auszuleben". Der gemeinsame Anspruch. "Die Gesellschaft soll spüren: Es ist gut, dass echte Christen unter uns leben."
» Infos: www.pastoralinnovation.at